Covid-19
Rund 1,7 Millionen Schweizer haben sich bereits mit dem Coronavirus infiziert – bis zur Herdenimmunität dauertet es noch

Seit zehn Monaten geht das Coronavirus durchs Land nun wird auch noch geimpft. Wie lange wir auf die Herdenimmunität noch warten müssen, lässt sich berechnen.

Sabine Kuster
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Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr dürfte noch eine Weile Bestand haben.

Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr dürfte noch eine Weile Bestand haben.

CH Media

Täglich infizieren sich bis zu 12'000 Menschen neu mit dem Coronavirus, doch die Herdenimmunität haben wir rein mit den Infektionen noch lange nicht erreicht. Und dies, obwohl in der Schweiz rund 1,7 Millionen Leute, 20 Prozent der Bevölkerung, schon vom Virus infiziert wurden.

Bis man auf diese Zahl kommt, muss man etwas rechnen, denn neben den offiziell getesteten Infizierten, gibt es eine hohe Dunkelziffer an Infizierten.

Die Annahme kommt wie folgt zu Stande: Nach der ersten heftigen Welle in der Westschweiz und im Tessin lag die Durchseuchung gemäss der Antikörpermessung von Corona-Immunitas bei 10 Prozent, in der Deutschschweiz nur bei 1 bis 2 Prozent. Diese sogenannte Seroprävalenz haben die Universitätsspitäler erhoben im Rahmen des wissenschaftlichen Programms zur Erforschung der Coronavirus-Verbreitung, Corona-Immunitas.

Epidemiologe Althaus schätzt Durchseuchung auf 20 Prozent

Inzwischen liegt die Durchseuchung im Kanton Zürich je nach Bezirk zwischen 4 und 22 Prozent. Und die Westschweiz wurde ein zweites Mal heftig von der Pandemie erfasst. Die schweizweiten neuen Durchseuchungszahlen werden von Corona-Immunitas demnächst publiziert. Studienleiter Milo Puhan schätzt die Durchseuchung auf 10 bis 25 Prozent, je nach Region. Epidemiologe Christian Althaus geht davon aus, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung infiziert wurden.

Wenn es bis auf weiteres täglich 4000 bestätigte Neuinfektionen in der Schweiz gäbe, entspricht dies rund 12000 tatsächlichen Infektionen. Denn während die Dunkelziffer im Frühling bei Faktor zehn lag (nur 1 von 10 Infektionen wurden per Test entdeckt), liegt sie nun, da viel mehr getestet wird, tiefer. Der Massentest im Kanton Graubünden ergab den Faktor 2, Christian Althaus schätzt, dass und die Dunkelziffer schweizweit eher bei Faktor 3 liegt.

Pro Monat würden sich also aktuell 360000 Leute neu mit dem Virus infizieren – in einem Jahr 4,3 Millionen. Rechnet man diese zu den bereits infizierten mindestens 1,7 Millionen Leuten dazu, hätten wir Ende 2021 6 Millionen infizierte Schweizer oder knapp 68 Prozent der Bevölkerung. Für eine Herdenimmunität gegen die Coronapandemie rechnet man, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geschützt sein müssen.

Nur mit zusätzlich Impfen schaffen wir die Herdenimmunität bis Ende Jahr

Dass bis Ende Jahr täglich 12000 Leute neu mit Covid-19 infiziert werden, ist jedoch zumindest für das Sommerhalbjahr unwahrscheinlich. Und dass sich im Winter pro Tag deutlich mehr als 8000 infizieren werden, ist ebenfalls unwahrscheinlich, da die Spitäler nicht noch eine höhere Anzahl täglicher Hospitalisationen stemmen können und in diesem Fall Massnahmen ergriffen würden, die das Virus stärker eindämmen. Demnach wird sich die Durchseuchung verlangsamen und würde – ohne Impfungen – erst im Laufe des Jahres 2022 erreicht sein.

Viele Tote auf dem Weg zur natürlichen Durchseuchung

Bis dahin wären bei 5,2 Millionen Infizierten, den nötigen 60 Prozent, gleichzeitig 26000 Personen am Virus gestorben in der Schweiz. Die Infektionssterblichkeit liegt nun bei 0,5 Prozent. Dies käme dem von Althaus früher beschriebenen Worst-Case-Szenario mit 30000 Toten nahe.

Wie viele bis Ende Jahr zusätzlich geimpft sein werden, ist schwer zu sagen. Wenn die Schweiz eine Million Geimpfte bis dahin schafft, könnten zusammen mit den 6 Millionen Immunen rund 80 Prozent gegen das Virus geschützt sein. Dies aber unter der Voraussetzung, dass der Infektions- und der Impfschutz zwei Jahre lang anhält und auch vor mutierten Coronaviren schützt.

Eine Studie des Mount Sinai Hospital in New York ergab, dass 90 Prozent der ehemals Infizierten mehrere Monate gegen das Virus geschützt sind. Aktuell geht man von mindestens einem halben Jahr Schutz aus. Nicht klar ist, ob Immune das Virus nicht doch weitergeben können, also Überträger bleiben.