Ratgeber
Ist Grippeimpfung nach einem Herzinfarkt wichtig?

Ich (m, 53) hatte vor einem Jahr einen Herzinfarkt. Ich hatte Glück, fühle mich wieder fit und bin selten krank. Gegen Grippe habe ich mich nicht impfen lassen, obwohl das für Herzpatienten wichtig sein soll. Ist das wirklich so? Was ist mit Nebenwirkungen? Und ist es überhaupt noch sinnvoll, sich im Februar impfen zu lassen?

Dr. med. Georg Fröhlich*
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Die Grippe wird durch Influenza-Viren ausgelöst, deshalb heisst die Grippe in der Fachsprache auch Influenza. Das Erkrankungsmaximum findet sich in den Monaten Januar bis März. In der Schweiz steuern wir gerade jetzt auf den Höhepunkt der diesjährigen Influenzawelle zu.

Dr. med. Georg Fröhlich.

Dr. med. Georg Fröhlich.

Jedes Jahr werden 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung infiziert. Die Übertragung erfolgt vorab via Tröpfcheninfektion, also Husten oder Niesen, aber auch durch Händeschütteln, weshalb regelmässiges Händewaschen sehr wichtig ist.

Zirka 1 bis 2 Tage nach der Infektion sind erste Krankheitszeichen erkennbar. Im Gegensatz zu den harmloseren grip­palen Infekten («Erkältung»), die durch andere Viren verursacht werden, kommt es bei der Influenza zu einem fulminanten Krankheitsverlauf mit hohem Fieber, starker Abgeschlagenheit, Husten, Gliederschmerzen. Die Symptome sind aber individuell sehr unterschiedlich, sie dauern durchschnittlich 5 bis 7 Tage an. Influenza und grippaler Infekt sind auch nicht in jedem Fall klar zu unterscheiden. Eine eindeutige Diagnose erfolgt mittels Nasen-Rachen-Abstrich beim Arzt.

Auf Basis der eigentlichen Influenza-Infektion können auch noch schwerwiegende Lungen- oder Herzmuskelentzündungen oder auch Herzinfarkte entstehen. Jedes Jahr sterben in der Schweiz mehrere hundert Menschen an der Influenza und ihren Komplikationen. Es handelt sich dabei zumeist um Risikopatienten.

Impfung senkt diverse Risiken deutlich

In einer grossen Studie konnte belegt werden, dass das Risiko, innerhalb von 7 Tagen nach einer Grippeninfektion einen Herzinfarkt zu erleiden, um das 10-Fache erhöht ist. Studien zeigen ebenso, dass Impfung bei Patienten mit vorangegangenem Herzinfarkt das Risiko für Tod, erneutem Herzinfarkt oder Schlaganfall um bis zu 30 Prozent senken kann.

Bei der Impfung werden abgetötete Viren oder auch nur Teile von Viren quasi als «Training» für das Immunsystem in den Oberarmmuskel injiziert. Falls die geimpfte Person dann tatsächlich auf Influenzviren trifft, ist das Immunsystem im Idealfall optimal vorbereitet. Idealfall deshalb, weil etwa 10% der Geimpften trotzdem an einer Influenza erkranken.

Ursache dafür ist einerseits, dass es zirka 2 Wochen vom Zeitpunkt der Impfung bis zum vollen Impfschutz dauert. Andererseits wurden in der Vergangenheit mit der Impfung nur drei Virenpopulationen abgedeckt. Im aktuellen Impfstoff werden nun bis zu 95 Prozent der Virenstämme erfasst, was den Schutz deutlich erhöht.

Nebenwirkungen der Influenzaimpfung sind selten. Es kann zu einem leichten Krankheitsgefühl für wenige Tage kommen oder zu Rötung und/oder Schmerzen an der Injektionsstelle.

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt daher Risikopatienten eine Impfung. Da Sie einen Herzinfarkt erlitten haben, gehören Sie zu Patienten mit erhöhtem Risiko, ich empfehle ­Ihnen, sich in diesen Tagen von Ihrem Hausarzt beraten lassen.

* PD Dr. med. Georg Fröhlich ist Kardiologe, Herzclinic Luzern, Hirslanden-Klinik St.Anna, www.herzclinic-luzern.ch.