12 Rauhnächte – 12 Rituale: Anleitung für ein Jahresende mit Tiefgang

Psychologie
12 Rauhnächte – 12 Rituale: Anleitung für ein Jahresende mit Tiefgang

Ein keltischer Brauch sagt den Nächten rund um das Jahresende eine magische Bedeutung zu. Lust auf ein Experiment? Coach Nina Roosen führt Sie Schritt für Schritt durch zwölf Rituale, die helfen, mit Altem abzuschliessen und bereit machen für ein neues Jahr.

Martin Oswald
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Jahr für Jahr suchen mehr Menschen bei Google Informationen zum Thema Rauhnächte. Der alte Brauchtum erlebt ein Comeback. Aber was hat es damit auf sich?

Als Rauhnächte werden meist die zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar bezeichnet. Sie haben ihre Wurzeln in der germanischen und keltischen Tradition. Ein Mondjahr hatte nur 354 Tage, ein Sonnenjahr 365. Um die Differenz auszugleichen, fügten die Kelten 11 Schalttage und damit 12 Nächte ein, die quasi nicht existierten. Man glaubte, in dieser Zeit wären die Gesetze der Natur ausgehebelt und die Tore zu einer anderen Welt würden offen stehen.

Die zwölf Tage und Nächte stehen symbolisch für die zwölf Monate im neuen Jahr und würden die Ereignisse im zugeordneten Monat vorhersagen. Man sagt, durch einen bewussten Umgang mit den Rauhnächten habe man die Möglichkeit, das kommende Jahr positiv zu beeinflussen.

Nina Roosen bietet Lebensberatung an und hat einen Podcast über die Rauhnächte veröffentlicht. Sie sagt: «Alte Bräuche im Jahreskreislauf haben eine in sich wohnende Weisheit, die sich nach dem Rhythmus der Natur bewegt, der heilsam wirken kann, gerade in unserer hektischen Zeit.» Für die Deutsche umgeben die Rauhnächte einen speziellen Zauber: «Diese Tage sind mir persönlich so wertvoll, weil sie mir das vermitteln, was viele suchen. Halt, Geborgenheit und das Gefühl, dass es eine positive Kraft gibt, die mich leitet.»

Zur Person

Nina Roosen
Bild: PD

Nina Roosen

Die 53-jährige Deutsche bietet Coaching und Lebensberatung an. Eines ihrer Themen ist Achtsamkeit, dazu veranstaltet sie regelmässig Seminare. Zum Thema Rauhnächte bietet sie neu einen Onlinekurs. Nina Roosen hat drei Kinder und ist 2021 von Deutschland auf die kanarischen Inseln ausgewandert. www.ninaroosen.de

Anleitung von Nina Roosen: 12 Nächte – 12 Rituale zum Selbermachen

1. Rauhnacht - Wurzeln (Nacht vom 24.12 auf den 25.12.)

Die erste Rauhnacht steht für das Thema Wurzeln. Wurzeln sind das, was uns stärkt, uns Halt und eine innere Struktur gibt. Sind unsere Wurzeln schwach, schwanken wir im Leben hin und her, sind sie stark, kann uns im wahrsten Sinne des Wortes nichts umhauen. Die heutige Nacht ist ein guter Zeitpunkt sich zu besinnen, wo man gerade im Leben steht. Vielleicht möchten Sie Ihre Gedanken in diesen Tagen in einem Journal notieren.

Wo stehe ich beruflich, in meiner Partnerschaft, meinen Freundschaften? Stehe ich stabil oder gibt es aktuell Situationen, die mich unsicher oder ängstlich sein lassen? Schauen Sie sich Ihre aktuelle Situation so wertfrei wie möglich an. Rituale wie räuchern können unterstützend wirken, um klarere Gedanken zu fassen, sich geborgener und sicherer zu fühlen. Für den heutigen Tag eignet sich Sandelholz, Myrre und Engelwurz besonders gut. Sandelholz vermittelt Geborgenheit und Schutz, Myrre gibt ein Gefühl von Standfestigkeit und Verbundenheit. Engelwurz hilft bei Existenzängsten und Mutlosigkeit. Alternativ lassen sich auch Aromaöle einsetzen.

Angeblich mögen es die Geister gerne ordentlich und sauber. So soll es Glück bringen, wenn man sein Haus bis zum Beginn des Abends in Ordnung gebracht hat. Auch das Geniessen eines Christstollens soll im folgenden Jahr zu Reichtum und Glück verhelfen.

2. Rauhnacht - Innere Führung (Nacht vom 25.12. auf den 26. 12.)

Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema der inneren Führung, das was deine Intuition ausmacht. Um die eigene Intuition zu stärken, benötigen Sie eine Verbindung zu sich selbst. Im Alltag mit seinen vielfältigen Anforderungen hat man häufig das Gefühl, nicht mehr zu sich zu finden.

Wir sind daher heute besonders aufgefordert, uns Zeit für uns zu nehmen, um bei uns anzukommen. Alles, was Sie heute still werden lässt, hilft die Verbindung zu Ihrem Inneren zu stärken. Meditation, Tagebuch schreiben oder Tagträumen nachhängen.

Welche Gedanken und Ideen steigen auf, wenn Sie ruhig werden? Wie können Sie im Alltag mit sich selbst verbunden bleiben? Beim Räuchern werden Duftstoffe freigesetzt. In Studien hat man festgestellt, dass Düfte unsere Emotionen positiv beeinflussen können. Lavendel und Beifuss gehören zu den krautigen Düften, sie sollen auf das Gehirn beruhigend wirken. Lavendel vermittelt Klarheit und stärkt das Vertrauen in sich selbst. Beifuss beruhigt und stärkt die Intuition.

In den Rauhnächten wird traditionell auf das Orakeln besonderes Augenmerk gelegt, oft wird ein Traumtagebuch geführt. Das Räuchern des Schlafzimmers mit Beifuss wird auch bei Orakel – und Wunschräucherung eingesetzt. Während wir räuchern, denken wir an unseren Wunsch. Was wir in dieser Nacht bezüglich unseres Wunsches träumen, soll in Erfüllung gehen.

3. Rauhnacht - Selbstliebe (Nacht vom 26.12. auf den 27.12.)

Selbstliebe begleitet uns durch die dritte Rauhnacht. Der Ausdruck: «Ich bin auch zu blöd» ist schnell gesagt. Im allgemeinen Kontext wird es als normal angesehen, besonders kritisch mit sich selbst umzugehen. Meistens sind wir zu uns sehr viel unfreundlicher und strenger, als wir es je zu einem anderen Menschen wären. Das hinterlässt oft ein Gefühl, weniger wert zu sein und Selbstzweifel häufen sich.

Heute geht es darum, sich Ihrer selbst bewusster zu werden. Vielleicht möchten Sie darüber nachdenken, wie Sie mit sich selbst umgehen? Wann neigen Sie zu besonderer Selbstkritik oder überschreiten Ihre eigenen Grenzen? Wie können Sie liebevoller mit sich umgehen?

Wenn Sie heute räuchern, haben Rose, Holunder, Orangenblüte und Zimt eine wohltuende Wirkung. Rose fördert den liebevollen Umgang mit sich selbst. Holunder hilft, sich selbst anzunehmen und Orangenblüten sorgen für Leichtigkeit, während Zimt das Selbstvertrauen stärkt.

Kerzenrituale sind ein fester Bestandteil der Magie der Rauhnächte, die man auch in den weihnachtlichen Traditionen wie Adventskranz und Baumkerzen wiederfinden kann. Zünden Sie heute eine Kerze für sich an und betrachten einige Zeit ihr Lichtspiel. Stellen Sie sich dabei vor, dieses Licht ist das Licht Ihres Herzens, das Sie immer heller zum Strahlen bringen möchte.

4. Rauhnacht - Vergebung (Nacht vom 27.12. auf den 28.12.)

In der vierten Rauhnacht geht es um Vergebung. Vergebung bedeutet zu akzeptieren, dass wir ein schmerzhaftes Erlebnis hatten. Es bedeutet, sich selbst zu gestatten, dieses Erlebnis als einen Teil unserer vergangenen Erfahrung anzunehmen. Dabei geht es nicht darum, demjenigen, der Ihnen Schmerz verursacht hat, von seiner Verantwortung freizusprechen. Sie erlauben sich, Sie von diesem Schmerz der Vergangenheit zu befreien.

Es geht heute um Heilung für Sie und um Heilung in Beziehungen. Im Tagebuch der Rauhnächte können Sie sich fragen: Was bedeutet Vergebung für mich? Womit halte ich mich selbst in einem Schmerz einer vergangenen Erfahrung fest?

Um den Prozess der Vergebung zu unterstützen, kann heute Palo Santo, Zedernspitze und weisser Salbei geräuchert werden. Palo Santo hilft Ärger und Wut loszulassen, Zedernspitze hilft bei deinem Prozess der Vergebung, dabei hebt weisser Salbei die Stimmung und steigert Ihre Energie.

Diese Nacht eignet sich dazu, etwas zu klären. Schreiben Sie einen Brief an eine Person, mit der Sie ins Reine kommen möchten. Schreiben Sie alles auf, was Sie bewegt. Der Brief wird nach dem Räuchern verbrannt und mit dem Rauch, der dabei entsteht, lassen Sie Ihre Wut, Enttäuschung und den Ärger los. Sie vertrauen darauf, dass das Leben selbst für einen Ausgleich sorgt.

5. Rauhnacht - Verbundenheit (Nacht vom 28.12. auf den 29.12.)

Heute in der fünften Rauhnacht geht es um Verbundenheit. Trennungsschmerz wie Liebeskummer, Trauer oder das Gefühl, allein auf der Welt zu sein, wird oft als besonders schlimm empfunden. Verbundenheit ist ein Gefühl, das sich weit über eine Partnerschaft, Familie oder einen Freundeskreis hinausbewegt. Es geht heute um die Verbundenheit mit uns selbst, zu unseren Ahnen oder einer höheren Instanz, wie auch immer wir diese benennen. Verbundenheit schenkt uns das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Wie verbunden fühlen Sie sich mit Ihnen selbst? Bei welcher Tätigkeit fühlen Sie sich besonders verbunden?

Räuchern ist das Medium, sich verbunden und geborgen zu fühlen. Hierzu eignet sich Holunderblüte, sie verbindet uns auf eine leichte Art mit unseren Ahnen, während Erdrauch uns auf dem Boden hält. Wacholder bringt uns in Kontakt mit der Kraft des Universums und Fliederblüte fördert unser Gefühl von Verbundenheit und Dankbarkeit.

Dankbarkeit ist ein Ritual von vielen, das uns hilft, uns verbundener zu fühlen mit uns und der Welt. Vielleicht ist heute der perfekte Zeitpunkt, um einen Bereich der täglichen Notizen den Dingen zu widmen, die Dankbarkeit in uns auslösen. Beim Räuchern können Sie sich heute auch auf all das konzentrieren, für das Sie dankbar sind und diese schöne Energie mit dem Rauch in die Welt entlassen.

6. Rauhnacht - Versöhnung (Nacht vom 29.12. auf den 30.12.)

Versöhnung mit sich selbst und Akzeptanz mit dem, was ist und dem, was war: Dies ist eines der schwierigen Themen der Rauhnächte. Häufig tragen wir Schuldgefühle mit uns herum, können uns nur schwer freimachen von Selbstzweifeln und Perfektionismus uns selbst gegenüber. Wenn wir lernen uns so zu akzeptieren, wie wir sind, uns aussöhnen mit dem, was wir vermeintlich falsch machen, gelingt es uns unser Leben authentisch und kreativ zu gestalten.

Kräuter, die heute einen positiven Einfluss auf den Prozess der Versöhnung mit sich selbst haben, sind Ysop, Mariengras, Orangenschalen und Engelwurz. Diese Kräuter können als Mischung oder auch einzeln mit weissem Salbei als Räucherbasis verräuchert werden. Ysop und Orangenschale wirken lösend bei Schuldgefühlen und nehmen uns das Gefühl einer Last. Mariengras ist ein Herzöffner für mehr Mitgefühl für sich selbst, während Engelwurz das Selbstvertrauen stärkt.

Jede Rauhnacht wirkt auf einen Monat im folgenden Jahr. Ein besonders schönes Ritual ist es an sich selbst einen Brief zu schreiben, der uns freundlich und liebevoll daran erinnert, dass wir schon gut sind, wie wir sind. Dieser darf im Juni geöffnet werden, die eigenen Worte an uns selbst haben oft eine starke, positive Wirkung auf uns.

7. Rauhnacht – Wandlung (Nacht vom 30.12. auf den 31.12.)

Wandlung ist nicht nur das Thema der Nacht, es ist ebenso der Wandeltag in den Rauhnächten selbst. Wir haben erforscht wo wir stehen und richten uns nun neu aus. Hier geht es um mehr als Vorsätze, die für das kommende Jahr gefasst werden. Es werden konkrete Ziele festgelegt und die ersten Schritte unternommen, die gesetzten Ziele zu erreichen.

Es ist ein guter Tag sich etwas mehr Zeit zu nehmen, um einige Gedanken zu notieren. Wo blockiere ich mich selbst meine Ziele zu erreichen? Wie kann ich meine Komfortzone ein wenig erweitern?

Ein Umbruch oder Neuanfang sind klassische Zeiten des Räucherns, nicht nur in den Rauhnächten. Mistel ist ein echtes Wandelkraut, es gilt als das Kraut der Transformation. Kamille löst Blockaden und Rosmarin stärkt den Willen. Lemongras öffnet uns und heisst das Neue willkommen.

In vielen Kulturen sind Opfergaben ein Mittel, um die Götter oder Geister gnädig zu stimmen und den Neubeginn zu unterstützen. Nüsse für die Eichhörnchen, Körner oder Äpfel für die Vögel. Kleine Gaben an die Natur. Verbunden mit einem Spaziergang, der einen geschlossenen Kreis bildet, ist dies ein wunderschönes Ritual. Wenn wir die Hälfte des Weges gegangen sind, schauen wir noch einmal zurück und lassen bewusst los. Im Weitergehen begrüssen wir in Gedanken das Neue, auf das wir hinarbeiten im nächsten Jahr.

8. Rauhnacht – Neubeginn (Nacht vom 31.12. auf den 1.01.)

Die Silvesternacht ist die Nacht des Neubeginns. Jeder hat hier auch schon Vorsätze für das neue Jahr gefasst. Haben Sie Ideen, was Sie im nächsten Jahr umsetzen wollen? Vielleicht möchten Sie sich eine Liste anlegen mit Ideen, die Sie haben und sie für einen Moment auf sich wirken lassen. Entscheiden Sie, welche dieser Ideen für Sie die höchste Priorität hat. Schreiben Sie sich auf, welche zwei Ziele Sie im neuen Jahr erreichen möchten. Was möchten Sie aufgeben? Was möchten Sie neu erreichen?

Entscheidungen benötigen einen klaren Kopf und Urteilskraft. Das Rauchwerk, das uns hier am besten unterstützt, ist Muskatblüte und Pfefferminz, beides sorgt für klare Gedanken. Lorbeer und Lavendel unterstützen den Entscheidungswillen. Beifuss und weisser Salbei sind Kräuter, die uns unterstützen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden.

Heute ist die perfekte Nacht für Rituale, die die Zukunft vorhersagen. Klassisch ist das Wachsgiessen, das auch im Familien- und Freundeskreis für viel Heiterkeit sorgt. Ein Stück Wachs wird auf einem Löffel erhitzt, bis es vollständig geschmolzen ist. Dann wird der Löffel über einer Schüssel mit Wasser entleert. Die entstehende Figur soll das Hauptereignis im kommenden Jahr vorhersagen.

9. Rauhnacht – Visionen (Nacht vom 01.01. auf den 02.01.)

In der neunten Rauhnacht geht es um Visionen und das Visualisieren unserer Ziele. Ihre gefassten Vorsätze werden strukturiert und geordnet. Es entsteht ein Plan, der Ihnen hilft, das Ziel fest im Auge zu behalten. Was möchten Sie konkret erreicht haben, am Ende des Jahres? Gibt es Zwischenziele, die Sie sich setzen können? Wenn wir uns aufschreiben, wie wir vorgehen wollen, verstärken wir unseren Vorsatz. Es ist auch die Nacht der Visionen und Ahnungen. Träume, plötzliche Geistesblitze oder Tagträume sind von besonderer Bedeutung.

Die Kraft der Kräuter wurde und wird besonders gern genutzt, Visionen und innere Bilder zu unterstützen. Weisser Salbei behält dabei einen klaren Kopf und Eberesche stärkt die Urteilskraft. So bleibt man auf seinem Weg. Während Hanf und Lorbeer uns helfen zu visualisieren. Lavendel hält uns bei allem im Gleichgewicht.

Heute ist der perfekte Tag ein Visionboard zu erstellen. Ein Visionboard enthält Bilder, Sinnsprüche oder auch Fotos, die uns ganz persönlich motivieren und erinnern, welches Ziel wir haben. Es ist eine lebendige Arbeit, die über das ganze Jahr immer weiter fortgeführt werden kann. Das Board wird an einer Stelle platziert, an dem Sie es möglichst oft sehen. Es ist eine Motivationshilfe für Tage, an denen es Ihnen schwer fällt an Ihrem Ziel festzuhalten und die nötigen Schritte zu tun.

10. Rauhnacht – Wachstum (Nacht vom 02.01. auf den 03.01.)

Das Thema der zehnten Rauhnacht ist Wachstum. Es ist die Nacht, in der Sie das, was Sie sich vorgenommen haben, in die Umsetzung bringen. In Ihrem Tagebuch der Rauhnächte können Sie die einzelnen Schritte notieren. Was ist mein erster Schritt, den ich heute in Richtung meines Zieles gehe? Welcher Angst kann ich mich heute stellen? Mit jedem Schritt, den Sie gehen, werden Sie wachsen. Das ist aufregend und spannend, kann jedoch auch beängstigend sein.

Die Düfte des Räucherns wecken ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz. So können Sie das Vertrauen in sich selbst wecken. Dabei unterstützen Rosmarin, Eisenkraut, Schafgarbe und Sandelholz. Rosmarin ist für die Tatkraft und Eisenkraut stärkt den Willen. Schafgarbe fördert Wachstum und Weisheit. Sandelholz gibt mehr Selbstvertrauen.

Heute können Sie einen neuen Talisman bestimmen und aufladen. Nehmen Sie einen beliebigen Gegenstand, der gut in Ihre Hand passt, es kann auch ein einfacher Kieselstein sein. Konzentrieren Sie sich auf den Gegenstand in Ihrer Hand und füllen ihn mit positiver Gedankenenergie, bis er sich ganz warm anfühlt. Tragen Sie den Talisman bei sich, Sie könnne ihn immer in die Hand nehmen, wenn Sie sich unsicher fühlen oder sich selbst motivieren möchten, durch einen schwierigen Moment zu gehen.

11. Rauhnacht – Loslassen (Nacht vom 03.01. auf den 04.01.)

Loslassen ist das Thema der vorletzten Rauhnacht. Wenn Neues Raum einnehmen möchte, muss etwas Altes weichen, um Platz zu schaffen. Alte Gewohnheiten, die blockieren und uns daran hindern, neue Erfahrungen zu machen, dürfen losgelassen werden. Welche Blockade oder welche Gewohnheit darf ich aufgeben, um mein Ziel zu erreichen? Hier ist es wichtig, möglichst ehrlich mit sich zu sein.

Räuchern reinigt, vertreibt negative Energien und lädt neue positive Energien ein. Gingsengwurzel hilft uns loszulassen, Iriswurzel und Fenchel wirken lösend auf Blockaden. Majoran hilft uns zu mehr innerem Gleichgewicht und Johanniskraut beruhigt und hilft uns, die Dinge leichter zu nehmen.

Heute schaffen wir Platz für Neues. Schauen Sie sich in Ihrem Zimmer um. Wo können Sie symbolisch Platz schaffen? Vielleicht ein Ort, an dem Sie Ihr Visionboard aufhängen oder sich eine kleine Motivationsecke schaffen. Entfernen Sie das Alte, räuchern Sie diese Ecke mit dem Gedanken, sie mit neuer und positiver Energie aufzufüllen. Nun richten Sie sich Ihre Motivationsecke mit allem ein, das Sie mit Inspiration und Freude erfüllt.

12. Rauhnacht – Ganzheitlichkeit (Nacht vom 04.01. auf den 05.01.)

In der letzten Rauhnacht geht es um das, was Sie Heil sein lässt. Dankbarkeit für das Neue, das kommt und mehr Achtsamkeit für die zarte Stimme der Intuition in Ihnen. Es ist eine Nacht des inneren Friedens und des Bei-sich-seins, mit der Gewissheit bereits alle Fähigkeiten zu besitzen, die Sie brauchen, um Ihre Ziele zu erreichen. Sie schauen zurück auf das, was Sie bisher erreicht haben. Was hat Sie gewandelt? Wofür sind Sie sich selbst dankbar?

Die letzte Nacht ist eine Nacht voller Leichtigkeit und Freude. Die grösste Dunkelheit liegt hinter Ihnen, die Tage werden wieder heller. So ist auch das Rauchwerk leicht und fördert mit Kamille, Rosenblüte, Mädesüss und Malve den Zauber des Neubeginns. Kamille wirkt wärmend und vermittelt Geborgenheit und öffnet mit Rosenblüte das Herz. Mädesüss lässt Leichtigkeit entstehen. Malve gibt die Gewissheit, dass Ihnen negative Energien nichts anhaben können.

In der letzten Nacht sind angeblich besonders viele Dämonen unterwegs. Sie mobilisieren die letzten Kräfte, bevor sie wieder für ein Jahr in ihr Reich verschwinden. Daher ist das Räucherritual als Schutzritual heute von besonderer Bedeutung.

In manchen Traditionen ist die kommende Nacht (5.01. auf den 6.01) ein weiterer Bestandteil der Rauhnächte. In der Nacht der Wunder lösen sich Probleme wie von Geisterhand und selbst unerfüllbare Wünsche kommen zur Erfüllung. Es ist der Tag der Segnung für das kommende Jahr und wird mit Gaben an die Geister wie Milch und Käse gefeiert.

Interview mit der Rauhnächte-Expertin Nina Roosen

Nina Roosen, was fasziniert Sie an diesem alten Brauch?

Ich bin mit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht aufgewachsen, die eng mit den Rauhnächten verbunden sind. Die Figuren der Fastnacht symbolisieren die Dämonen der Rauhnächte, die mit dem Frühjahrsanfang wieder in ihr Reich vertrieben werden. Mich fasziniert, wie tief traditionelle Bräuche und Rituale bis heute gelebt werden, auch wenn dies nicht bewusst geschieht.

Was meinen Sie damit?

Der Tannenbaum, die Kerzen an Weihnachten, die Geburt Jesu als Symbol für die Geburt des Lichtes, aber auch die wilden Masken der Fastnacht haben allesamt einen Bezug auf alte Bräuche, die bis auf die Wikinger oder Kelten zurückgehen. Sie haben nur einen etwas anderen Anstrich bekommen. Alte Bräuche im Jahreskreislauf haben eine in sich wohnende Weisheit, die sich nach dem Rhythmus der Natur bewegt, der heilsam wirken kann, gerade in unserer hektischen Zeit.

Hat darum das Interesse an einem solchen Ritual wieder zugenommen?

Bei fast jedem Coaching ist die Frage nach einer Sinnhaftigkeit im Leben von zentraler Bedeutung. Viele haben den Eindruck, sie rennen im Hamsterrad und fragen sich, wofür sie das eigentlich machen. Als die Pandemie zur Ruhe zwang, hörte ich von meinen Klienten, dass sie überrascht sind, wie erleichtert sie sich fühlen, dass es endlich ruhig wird. Sie fühlten sich weniger getrieben. Da die äussere Struktur wegfiel, wurde ihnen aber nach einiger Zeit bewusst, dass eine innere Struktur fehlt. Etwas, das Halt gibt, eine Kraft, in der wir uns geborgen fühlen, was sich auch in vielen Anfragen nach Coaching und Therapien widerspiegelt.

Und die Rauhnächte geben Halt und Kraft?

Viele Menschen suchen etwas, das ihnen eine Richtung gibt, gleichzeitig soll es keine zu festen und rigiden Regeln geben, die beispielsweise in einer christlichen Tradition empfunden werden. Die Rauhnächte bieten eine solche Richtung. Jede Nacht hat ein Thema, das die Möglichkeit anbietet zur Rückschau auf das vergangene Jahr, oder eine Ausrichtung auf das neue Jahr begleitet. Mit den damit verbundenen Ritualen der Rauhnächte lässt sich eine Zeit gestalten, deren Zauber sich fast niemand entziehen mag. Es erlaubt uns, an eine gute Kraft zu glauben, die leitet und beschützt. In gewisser Weise ein magisches Coaching.

Welchen Effekt haben diese zwölf Rituale auf Sie persönlich?

Sie sind für mich nicht nur Tage, an denen ich ein Ritual herunterspule und ein bisschen Rauch im Haus verteile. Ich beschäftige mich intensiv mit den Themen der Nächte. 2020/2021 habe ich meinen Weg der Rauhnächte in einem Podcast geteilt, das hatte nochmals eine komplett andere Energie. Das Anleiten der Rauhnächte, die Geschichten und Rückmeldungen auf die Wirkung, die es auf meine Zuhörer:innen hatte, hat mich diese Zeit sehr intensiv erleben lassen. Es hat in gewisser Weise mein Verständnis für die Rauhnächte nochmals vertieft.

Und hat sich dadurch etwas in ihrem Leben verändert?

Ja, gerade in diesem Jahr hat sich mein Leben seit den Rauhnächten komplett umgekrempelt, selbst die scheinbar unmöglichen Ziele haben sich erfüllt. Diese Tage sind mir persönlich so wertvoll, weil sie mir das vermitteln, was viele suchen. Halt, Geborgenheit und das Gefühl, dass es eine positive Kraft gibt, die mich leitet.

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