Biologisch abbaubar
Sie machen Chemikalien unschädlich: Spezielle Bakterien von Mülldeponien räumen unser Gift auf

Schweizer Forscher nützen die Fähigkeit von Mikroorganismen aus Indien um das Flammschutzmittel biologisch abzubauen. Das dringend nötig.

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Gewisse Bakterien können Chemikalien auf Mülldeponien aufspalten.

Gewisse Bakterien können Chemikalien auf Mülldeponien aufspalten.

Bild: Keystone

Es ist seit 2015 verboten, und doch noch überall präsent in Klärschlamm, Fischen, Boden und auch im menschlichen Blut: das Flammschutzmittel Hexabromocyclodekan (HBCD). Nun haben Schweizer Forscher ein Weg für den biologischen Abbau gefunden. Bekannt war, dass drei Bakterienstämme das giftige und seit 2007 in der EU verbotene Insektizid Lindan abbauen können. Sie wurden 1991 in Chemiedeponien in Frankreich, Japan und Indien gefunden. Empa-Chemiker Norbert Heeb und Eawag-Mikrobiologe Hans-Peter Kohler modifizierten mit Hilfe zweier indischer Institute die Gene, um Enzyme in Reinform zu erhalten. Diese spalten die Schadstoffmoleküle auf und bauen so das Gift ab.

Die Modifikation gelang aber nicht nur mit den Enzymen für Lindan aus den Deponien, sondern auch mit einem genetisch veränderten Bakterienstamm. Bei diesem wurde die Andockstelle, beziehungsweise das «Schlüsselloch» vergrössert, damit die HBCD-Moleküle des Flammschutzmittels besser zerlegt werden können. Tatsächlich bauten die Bakterien auch diesen Schadstoff danach schneller ab.

Norbert Heeb stimmen die Ergebnisse hoffnungsvoll: «Damit haben wir nun eine Chance, diese von der Menschheit produzierten und grossflächig verteilten, langlebigen Gifte mit biologischen Methoden unschädlich zu machen.» Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das Andock-Prinzip der Enzyme muss genauer durchschaut werden, bevor es künftig massgeschneiderte Enzyme für Chemiegifte geben kann. (kus)

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