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Modegetränk Apfelsaft: Das Gold aus dem Obstgarten

Lange hatte Apfelsaft ein biederes Image. Doch nun entdecken die Konsumenten die Vorzüge des natürlichen Saftes. Der Apfelsaft hat grosse Chancen, dem Orangensaft als Aperogetränk den Rang abzulaufen.

Silvia Schaub
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Apfelsäfte sind inzwischen selbst zum Apéro begehrt.

Apfelsäfte sind inzwischen selbst zum Apéro begehrt.

Keystone

Modegetränke kommen meist aus dem Ausland – bisher jedenfalls. Im Schatten von Coca-Cola & Co. hat seit ein paar Jahren aber selbst der Schweizer Apfelsaft wieder viele Liebhaber gewonnen. Vor allem die Light-Version Apfelschorle bietet den globalen Getränken vermehrt die Stirn. Und neuerdings auch hochwertige Apfelsäfte von Hochstamm-Bäumen.

Mit Apfelsaft Geld verdienen? Das versucht seit ein paar Jahren Nicolas Stämpfli aus Bösingen FR erfolgreich. Sein «Hochstamm Prömium Öpfusaft» hat sich bereits einen Namen in der guten Gastronomie und Fine-Food-Geschäften wie Globus gemacht und sahnt Auszeichnung um Auszeichnung ab. Der Edel-Saft wird aus Hochstamm-Äpfeln der Sorten Gravensteiner, Boskoop und Sauergrauech gewonnen – ohne Kohlensäure und Zusatzstoffe. «Die Leute legen heute mehr

Wert auf einheimische und natürliche Produkte», stellt der 22-Jährige fest. Er arbeitet für sein Start-up-Unternehmen mit diversen Landwirten im Sensebezirk zusammen. Diese sind begeistert über den neuen Absatzkanal, zumal ihnen Stämpfli mehr als üblich für die Äpfel bezahlt. Die Äpfel werden schonend gepresst und abgefüllt, damit möglichst viele Vitamine und Aromen beibehalten werden.

Vor ein paar Jahren befürchtete man fast den Untergang der Hochstamm-Apfelbäume. An der letzten systematischen Erhebung 2001 wurden noch drei Millionen dieser Bäume mit Tradition gezählt. Doch der Feuerbrand im 2007 sind noch mehr Bäume zum Opfer gefallen.

Investition in den Obstgarten

Nun aber vermelden einige Schweizer Obstbauregionen eine Trendwende. Viele Obstbauern investieren wieder in junge Hochstammbäume, obwohl diese wirtschaftlich weniger interessant sind wie Niederstamm-Bäume. Die traditionellen Hochstämmer prägen nicht nur das Landschaftsbild, sie bieten auch einen wichtigen Lebensraum für bedrohte Vögel wie Wiedehopf oder Steinkauz. Typische Apfelsorten wie Bohnapfel, Boskoop oder Schneiderapfel gedeihen nur auf ihnen.

Eine lange Tradition haben diese Bäume im Seetal rund um den Baldegger- und Hallwilersee. Sie liegen auch Simon Gisler am Herzen. Der Geschäftsführer der Hochstamm-Seetal AG in Hohenrain LU hat vor zwei Jahren damit begonnen, sortenreine Apfelsäfte herzustellen, nicht aus Konzentraten, sondern aus Frischsaft. Abgefüllt werden die Sorten Sauergrauech, Boskoop und Gravensteiner in edle Flaschen, als würde es sich um teuren Wein handeln. «Mit den sortenreinen Säften lässt sich das Bouquet jeder Sorte noch mehr geniessen», sagt Gisler. Und tatsächlich stellt man bei der Degustation fest, dass ein Sauergrauech gar nicht so sauer wie sein Name ist, sondern erfrischend und aromatisch.

Während Most immer weniger verlangt wird, sind Apfelsäfte inzwischen selbst zum Apéro begehrt – als Alternative zu Orangensaft. Ohnehin lässt sich Apfelsaft zu jeder Gelegenheit geniessen. Allerdings sind die Hochstamm-Apfelsäfte noch ein regionales Nischenprodukt. Gisler beliefert vor allem die Region. So auch die Getränkerei Schlör aus Menziken. Nicolas Stämpfli wagt sich demnächst in die Städte Zürich und Basel. Bestimmt werden die Säfte auch dort ihre Liebhaber finden.

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