Und nicht selten schwingt beim Gedanken an den Kauf eines Hauses auch Angst mit: Das ganze Leben lang am gleichen Ort wohnen? Sich auf Lebzeiten verschulden – möchte ich das überhaupt? Wer sein eigenes Dach über dem Kopf haben, aber auf seine Freiheit und Mobilität nicht verzichten möchte, für den ist ein Tiny House die perfekte Lösung. Wir verraten Ihnen wichtige Informationen hinsichtlich Planung, Baugenehmigung und Kosten.

Hohe Mieten sowie der Wunsch nach mehr Freiheit und weniger Ballast lassen in immer mehr Menschen den Wunsch nach einem eigenen Daheim aufkommen, für das man sich nicht verschulden muss. Die Idee des Tiny House stammt aus den USA. In Europa befindet sich die Bewegung noch in den Anfängen, doch auch hier werden immer mehr Menschen vom „Tiny-House-Fieber“ gepackt. Es ist kein Zufall, dass im April 2018 der Verein Kleinwohnformen Schweiz gegründet wurde.

Was ist ein Tiny House?

Ein Tiny House ist ein Kleinsthaus. Es kann stationär oder mobil, also auf Rädern gebaut sein. Eine fest definierte Grösse gibt es hierzulande nicht – üblich sind zwischen acht und 30 Quadratmeter. (In den USA wurde 2017 ein Tiny House als „Wohnstätte mit bis zu 37 Quadratmetern“ im Baugesetz verankert.) Auf kleinster Fläche bietet ein solches Minihaus fast alles, was auch ein „normales“ Haus bietet.

Tiny Houslern geht es in der Regel um die Rückbesinnung auf das Wesentliche zugunsten finanzieller Freiheit und persönlicher Unabhängigkeit, quasi ein Leben als Nomade. Darüber hinaus möchten viele Tiny Housler einen Beitrag zu Ökologie und Nachhaltigkeit leisten und erfüllen sich damit den Traum vom Eigenheim.

Tiny House selber bauen

Mit Hilfe von detaillierten Bauplänen können Sie Ihr Tiny House selber bauen – praktische Veranlagung und handwerkliches Geschick vorausgesetzt. Grundrisse und Baupläne können im Internet kostenlos herunterladen werden. Natürlich können Sie diese Vorlagen anpassen – in den Sketchup-Dateien können individuelle Änderungen vorgenommen werden. Daneben gibt es Video-Anleitungen, die jeden Arbeitsschritt veranschaulichen. Wenn Sie Ihre ganz eigenen Ideen betreffend Grundriss und Innenausstattung umsetzen möchten, ziehen Sie am besten einen versierten Zimmermann zu Rate.

Baugenehmigung für das Minihaus 

Bei und in der Schweiz dürfen Sie sich als Nomade nicht einfach niederlassen, wo Sie möchten. Ein stationäres Tiny House ist wie jedes andere Haus genehmigungspflichtig. Je nach Kanton und Gemeinde gelten dabei unterschiedliche Regelungen. Da unser Baurecht (noch) nicht auf Minihäuser vorbereitet ist, sind frühzeitige Abklärungen bei Ihrer Gemeinde sinnvoll. Grundlage für eine Bewilligung ist die jeweilige kommunale Bau- und Zonenordnung. Möglich ist auch, dass es Gestaltungsvorschriften gibt (zum Beispiel ein obligatorisches Giebeldach). Ein Tiny House muss darüber hinaus in einer Wohnzone aufgestellt werden. Wegen des Raumplanungsgesetzes ist es nicht zulässig, ein derartiges Wohngebäude ausserhalb der Bauzone (etwa in der Landwirtschaftszone) aufzustellen – dies analog zu Wohnwagen oder bewohnten Baustellenwagen.

Auch wer sein Häuschen auf einen Anhänger stellt, kommt nicht an den Vorschriften vorbei, wenn er sich dauerhaft an einem Ort niederlassen will. Wenn Sie eine Baugenehmigung umgehen möchten, haben Sie lediglich zwei Möglichkeiten: Sie suchen sich einen Dauerstellplatz auf einem Campingplatz. Oder Sie nutzen Ihr mobiles Haus nur temporär: Ein auf einem Anhänger errichtetes Minihaus fällt nicht unter das Baurecht, sondern unter das Strassenverkehrsrecht. Um eine Zulassung zu erhalten, dürfen Anhänger samt Aufbau allerdings maximal 4 Meter hoch und 2,55 Meter breit sein. Das Gesamtgewicht inklusive Trailer darf höchstens 3500 Kilogramm betragen.

Da die meisten Baupläne aus den USA stammen, müssen sie gegebenenfalls an hiesige Strassenverkehrsvorschriften angepasst werden. Ein mobiles Tiny House mit über 15 Quadratmetern Wohnfläche ist bei uns in der Schweiz fast nicht möglich.

Kosten

Die Kosten für ein Tiny House setzen sich in erster Linie zusammen aus den Kosten für die Baute selbst inklusive Innenausstattung, sowie der Versorgungstechnik (Sanitäranlagen, Elektroinstallation, Heizung-/Lüftungsanlagen). Je nachdem fallen zudem Kosten für das Grundstück und dessen Erschliessung (Anschluss an Strassennetz, Kanalisation, Wasser- und Stromversorgung) an. Üblicherweise geht man von Mindestkosten von 50'000 Franken aus.

Die Baukosten lassen sich dabei durch geschickte Planung erheblich senken. Am energieeffizientesten ist ein würfelförmiges Haus. Dieses können Sie bei Bedarf sogar aufstocken – ein Bau in die Höhe ist kostengünstiger als in die Breite. Verzichten Sie auf aufwändige Bauelemente wie Erker und Balkone. Verwenden Sie Fenster mit gleicher Grösse und statt Trennwänden lieber Raumteiler. Planen Sie mit einfachen Dachformen (Sattel-, Pult- oder Flachdach) ohne Dachfenster. Das spart Kosten und senkt das Mängelrisiko. Bauen Sie Bad und Küche nebeneinander. So können Sie alle wichtigen sanitären Leitungen mit kurzen Wegen verlegen.

Versorgung und Entsorgung

Drei Dinge gehören zu jedem Haus: Strom, Wasser und Abwasser. Natürlich können Sie Ihr Tiny House ans bestehende Wasser- und Stromnetz anschliessen. Sie können aber auch ein autarkes Minihaus bauen: mit Photovoltaik-Anlage, Solarthermie mit Speicher, Wassertank und Bio-WC.

Bei der Stromversorgung machen sich viele Tiny-House-Besitzer zunutze, was auch „normale“ Eigenheimbesitzer längst entdeckt haben: die Solarenergie. Auf dem Dach und eventuell an einer Aussenwand montierte Photovoltaikanlagen sammeln tagsüber Strom. Dieser wird in Batterien gespeichert und kann zum Beheizen eines Warmwasserbehälters oder für die Beleuchtung verwendet werden. Mit Hilfe von Warmwasser ist sogar eine Fussbodenheizung möglich. Im Winter können ein Windrad oder ein Pelletofen zur Energieversorgung dienen. Der Ofen lässt sich auch zum Kochen und Backen verwenden.

Mit einer Pflanzenkläranlage lässt sich sowohl Brauchwasser als auch reines Trinkwasser erzeugen: Dazu wird auf dem Flachdach Regenwasser aufgefangen, gefiltert und in einem Tank zum Duschen und Abwaschen bereitgestellt. Das Schmutzwasser wird mittels einer Umlaufpumpe zu einem Sumpfpflanzengarten auf dem Dach transportiert. Mikroorganismen in den Wurzeln verwerten Seifenreste und organische Partikel und machen das Wasser auf diese Weise trinkbar.

Fazit

In einem Tiny House zu wohnen, bedeutet nicht, auf jedweden Luxus zu verzichten. Tiny Houslers sind keine Aussteiger, sondern lieben ihre Freiheit und die Natur. Wer sein eigenes Minihaus bauen möchte, sollte sich gut informieren bezüglich des geltenden Baurechts, des idealen Bauplans und den Wasser- und Stromversorgungs-Möglichkeiten. Je nach Grösse und Ausstattung variieren die Kosten erheblich.