Die Grafik weiter unten zeigt es: Englisch ist die weltweit am meisten gesprochene Sprache (total 1,122 Milliarden), knapp vor Mandarin-Chinesisch (1,107 Milliarden). Berücksichtigt man nur die Muttersprache, dominiert mit grossem Vorsprung Mandarin-Chinesisch, und auch Spanisch liegt noch vor Englisch.

Nötig ist etwas Wortklauberei: Muttersprache meint jene Sprache, die ein Kind zuerst erlernt. Vermittelt wird sie am ehesten von der Mama, aber längst nicht immer – es kann auch der Papa oder die Oma sein. In der Wissenschaft wird deshalb der Begriff Erstsprache bevorzugt.

Die Zweitsprache ist zu unterscheiden von der Fremdsprache. Die Zweitsprache erlernt ein Kind, weil vielleicht die Eltern verschiedene Muttersprachen haben oder weil das Beherrschen der Zweitsprache für das tägliche Leben im Land, in dem jemand lebt, unerlässlich ist. Dabei ist es durchaus möglich, dass jemand die Zweitsprache besser beherrscht als die Muttersprache. Das kann etwa bei Secondos der Fall sein.

Hälfte der Sprachen bedroht

Weltweit gibt es laut der Non-Profit-Organisation SIL aktuell 7097 gesprochene Sprachen. Es existieren andere Schätzungen, aber wie viele es auch genau sein mögen: Fakt ist, dass die Zahl seit längerem rückläufig ist. In grauer Vorzeit, lange vor Christus, sollen es noch 20 000 Sprachen gewesen sein. Von den heute noch existierenden Sprachen ist rund die Hälfte vom Aussterben bedroht.

Um auf diesen Verlust hinzuweisen, hat die Unesco im Jahr 2001 den Internationalen Tag der Muttersprache zur «Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit» ins Leben gerufen. Stichtag ist der 21. Februar, was auf ein Ereignis im Jahr 1952 zurückgeht. Damals wurde in Pakistan Urdu zur alleinigen Amtssprache erklärt, obwohl es nur für 3 Prozent der Pakistani Muttersprache war. Daraufhin kam es am 21. Februar zu Auseinandersetzungen, die Todesopfer zur Folge hatten, die Polizei schoss auf Demonstranten. Eine weitere Folge war die Abspaltung Ostpakistans und 1971 die Gründung von Bangladesch.

Von den mehr als 7000 Sprachen der Welt werden einige nur noch von ein paar wenigen oder gar einzelnen Menschen gesprochen. Andererseits spricht rund die Hälfte der Erdbevölkerung eine der zehn meistgesprochenen Sprachen. Allgemein führen grosse und starke Nationen zu sprachlicher Homogenität, und die meisten Menschen passen sich in der Regel ohne Zwang der Sprache des Stärkeren an.

Am meisten verschiedene Sprachen, nämlich 841, werden in Papua-Neuguinea gesprochen. An zweiter Stelle kommt Indonesien mit 707 Sprachen. Die grossen Zahlen erklären sich dadurch, dass Gemeinschaften teils sehr abgeschieden und isoliert leben, etwa auf kleinen Inseln oder in zerklüfteten Gegenden.

Kompliziert ist die Situation in der Schweiz. Ist Schweizerdeutsch eine eigene Muttersprache oder gehört es zum Deutsch? Die Wissenschaft ist sich uneins. Man darf getrost beide Meinungen vertreten. Will man aber auch noch nach schweizerdeutschen Dialekten differenzieren, würde es unübersichtlich. Dass bereits im Nachbardorf etwas anders gesprochen wird, ist keine Rarität.