Was kann falsch sein an Pailletten? Die Plättchen, deren funkelnder Anblick die meisten Frauenherzen höher schlagen lässt? Im Grunde genommen nichts. Wunderschön glitzern sie, gerade jetzt, im festlichen Kerzenlicht. Die Auswahl an Kleidungsstücken mit Pailletten ist seit langem riesig, in allen Variationen und Farben entdeckt man sie, in nahezu jedem Geschäft. Sei es auf Pullis, über und über auf Abendkleider gestickt oder gar auf Jogginghosen und Täschchen, ja, die Kleiderkette Zara hat sogar ein entsprechendes Shirt für Herren im Sortiment.

Genau das ist falsch! Wir haben uns längstens sattgesehen an den Pailletten, es droht die Überdosis. Wir sehnen uns nach einer softeren Variante von Glamour, einer verhaltenen, erhabenen Eleganz. Unser Gefühl trügt nicht: Frauenmagazine wie «Elle» prognostizieren für 2019 den Untergang der Pailletten und das Revival von Lamé. Auch schimmernd, aber weniger aufdringlich.

Die Sterne stehen gut, dass sich das Material durchsetzt. Nicht nur bei der Abendgarderobe, auch im Alltag. Bei Zara sind bereits die ersten Pullover zu sehen, deren Stoffe mit Metallfäden durchzogen sind, die für einen dezent schimmernden Look sorgen. Den Trend antizipiert hat übrigens – einmal mehr – die britische Modeikone Alexa Chung. Ein Lamé-Kleid war bereits Teil ihrer ersten eigenen Kollektion, die im vergangenen Jahr lanciert wurde. Und auch im Jahr 2018 wurde sie immer wieder mit Röcken in schimmerndem Stoff gesichtet. Sie muss es ja wissen.

Die Fliege wird massentauglich 

Frauen fahren also genau richtig, wenn sie sich für Silvester ein entsprechendes Teil aussuchen. Die Auswahl an Varianten ist gross. Lamé kann auf fliessendem Stoff ganzflächig eingesetzt werden, was einen metallischen Look kreiert. Oder eben sehr verhalten schimmernd, dank lediglich vereinzelt eingenähten Fäden. Ein grosser Vorteil: Lamé-Fäden machen sich perfekt mit Stretch-Material, während die steifen Pailletten-Kleider keinen Spielraum für kleinere Speckröllchen zulassen, die wir uns über die Festtage allenfalls angefuttert haben. 

Auch dem Untergang geweiht sind die gestrickten Pullis mit popkulturellen Weihnachtsmotiven, die «Ugly Christmas Sweaters». In den USA zu den Festtagen ein traditionelles Outfit, haben die tanzenden Nikoläuse, grinsenden Schneemänner und kopulierenden Rentiere (sic) sich hierzulande erst in den vergangenen zwei, drei Jahren einen Platz auf Pullovern und Mützen, auf Boxershorts und Socken erobert. Die Devise: je hässlicher, desto besser. Besonders für Männer eine ulkige (und seltene) Gelegenheit, garderobentechnisch aus dem Rahmen zu fallen.

Stil hat das indes nicht. Vor ein paar Jahren war es ja irgendwie süss, wenn die Herren aus Jux an Heiligabend auf Geschmacksverirrung machten. Doch jeder Witz kommt auch mal zu einem Ende.

Nicht verwunderlich also, dass bei den Herren die Eleganz zurückkehrt. Die Fliege arbeitete sich zuerst bei den Hipsters und in den vergangenen drei Jahren auch bei weniger modeaffinen Herren aus ihrem Schattendasein heraus und schickt sich 2019 an zum ganz grossen, massentauglichen Comeback. Peter Schuppisser, Einkaufsleiter bei PKZ, sagt: «Die Nachfrage nach Fliegen ist bei uns 2018 gegenüber dem Vorjahr im zweistelligen Bereich gestiegen. Gerade für festliche Anlässe ist die Fliege wieder sehr beliebt.»

Auch im Alltag geht die Fliege, sie kann einem Outfit eine gewisse Raffinesse verleihen. «Zu einem T-Shirt darf sie allerdings niemals kombiniert werden», rät Schuppisser. In puncto Stil sei fast alles erlaubt: Während die schwarze Fliege als Klassiker für elegante Anlässe gilt, darf es ansonsten ein bisschen farbig sein. Und mit einer gepunkteten oder mit Paisley- oder Blumenmuster versehenen Fliege setzt man ein mutiges, stilvolles Statement. Ebenso mit wolligen oder mit Strick-Fliegen. Egal aber, für welche Fliege man sich entscheidet: Unbedingt eine gebundene und keine mit Gummizug wählen.