Lenas Leben (4/4)

Social Media: Über Barbies und ihr Zuckerwattenleben

Jungjournalistin Lena Ogi schreibt in dieser Kolumnen-Serie über ihre Gedanken an der Schwelle zum Berufsleben.

Jungjournalistin Lena Ogi schreibt in dieser Kolumnen-Serie über ihre Gedanken an der Schwelle zum Berufsleben.

Die Organisation Young Reporters hat Lena Ogi und die Aargauer Zeitung zusammengebracht. In einer Kolumnen-Serie schreibt die 18-Jährige über Gedanken einer jungen Frau an der Schwelle zum Berufsleben. Lena Ogi über die Lust zur Selbstdarstellung und den Realitätsvergleich.

Wir sehen sie überall, die durchtrainierten Körper, die perlweissen Zähne und das perfekte Lachen. Überall Barbies, welche ich schon früher im Kinderzimmer vergöttert habe. Jedoch leben sie und werden nicht Barbies, sondern Influencer genannt. Menschen wie du und ich. Einziger Unterschied: Alle sehen perfekt aus, haben Anerkennung, Ruhm und Geld. Ihre Ferien verbringen sie auf den Bahamas, in Dubai und New York. Nicht zu vergessen ist der ebenso erfolgreiche und gutaussehende Partner aka Ken. Diese Menschen leben mir vor, wie ich sein sollte, aber nie sein werde. Denn eine Barbiepuppe war ich noch nie.

«Warum mich Journalismus interessiert»: Lena Ogi stellt sich vor

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Schaue ich mein Profil an, so wirke ich aber vermutlich genauso. Wie Barbie, nur mit kürzeren Haaren und ohne Ken. Auf den Sozialen Medien bin ich die Lena, die immer lacht, nie traurig oder unsicher ist und schlicht und einfach ein perfektes Leben führt. Ich scheine makellos. Dass ich gestern den ganzen Abend geweint habe, Streit mit meinen Eltern hatte und sehr oft an mir zweifle, sieht niemand. Denn solche Momente teile ich nicht mit der Aussenwelt. Nein, ich teile nur das Leben aus Zuckerwatte und Pralinenschachteln.

«Ich will eine grosse Altersklasse repräsentieren»: Lena Ogi übers Schreiben und über ihre Kolumne

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Während ich diesen Artikel schreibe, fällt mir auf, wie dumm dies doch klingt. Wir vergleichen uns, fühlen uns schlecht und versuchen, mithalten zu können. Wir täuschen vor, Personen zu sein, die wir nicht sind. Zeigen uns stets von unserer besten Seite. Und obwohl mir dies bewusst ist, mag ich diese Plattformen und werde dort weiterhin aktiv sein.

Warum ich dies tue? Ich weiss es nicht.

Nirgends können wir so perfekt sein wie in unseren Online-Profilen. In «Real Life» habe ich Augenringe, wenn ich wieder mal zu lange im Ausgang war. In «Real Life» weine ich, wenn mich jemand verletzt. Aber genau solche Momente möchte ich nicht teilen. In diesen Momenten denke ich nicht daran das Handy zu zücken. Lieber rufe ich eine Freundin an, weine und poste morgen wieder ein Bild, auf welchem ich um die Wette strahle. Eine Scheinwelt, dieses Social Media.

Warum ich mich trotzdem in den Sozialen Medien bewege? Weil ich in «Real Life» nie so perfekt sein könnte.

Nun, ich möchte hier nicht mit dem Zeigefinger auf Andere zeigen oder die Moralkeule schwingen. Denn auch ich trage meinen Teil zu dieser Scheinwelt bei. Vielmehr möchte ich das Bewusstsein wecken und klarstellen, dass nicht alles Gold ist was glänzt. Ich möchte dich und mich daran erinnern, dass wir nicht unsere geschönten Ich’s vergleichen sollen und dadurch nie die Möglichkeit haben werden, uns auf zwischenmenschlicher Ebene kennenzulernen. Niemand ist perfekt. Weder Jennifer Lopez, ich, noch die Nachbarin von nebenan. Und die Barbie, welche wir auf Instagram bewundern, schon gar nicht.

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