Mai

Schneerekord: Dieser Monat hat punkto Wärme versagt

Rekordschnee auf dem Säntis in Hundwil – aufgenommen am 17. Mai.

In den Bergen liegt extrem viel Schnee für Ende Mai. Am Titlis sind es über drei Meter.

Im Laufe des heutigen Tages fällt in den nordöstlichen Alpen voraussichtlich bis auf 1600 Meter Schnee. «Das wird ziemlich sicher wieder Rekordwerte geben», sagt Lawinenprognostiker Benjamin Zweifel vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung. Bereits vergangene Woche hatte man auf dem Weissfluhjoch bei Davos Schneehöhen gemessen, wie es sie so spät im Jahr seit Messbeginn vor 80 Jahren noch nie gegeben hatte.

Grund dafür ist einerseits, dass schon seit Januar ausserordentlich viel Schnee gefallen ist. Ausserdem sind die Temperaturen in diesem Mai ausserordentlich tief und in der Höhe fällt immer wieder Schnee. Zwar kommt es immer wieder mal zu einzelnen Kälteeinbrüchen zu dieser Zeit – so schneite es am 28. Mai 2007 bis auf 600 Meter. Doch ungewöhnlich sind die tiefen Durchschnittstemperaturen. Nachdem der April etwas über dem Schnitt lag, haben die Berechnungen von Meteoschweiz gestern ergeben, dass die Temperaturen im Mai 2019 im landesweiten Mittel voraussichtlich um 2,5 Grad unter der Norm liegen. Es sei der kühlste Mai der letzten rund dreissig Jahre.

Deshalb schmilzt der Schnee in den Bergen langsamer als gewohnt. «Auf dem Weissfluhjoch ist die Schneehöhe seit längerem ungefähr konstant», sagt Zweifel. Gestern Montag waren es 265 Zentimeter. «Es fällt immer wieder Schnee, der die Schmelze ausgleicht.» Für das Wallis und das Tessin werden heute kaum Niederschläge erwartet, aber auch dort liegt noch viel Schnee.

Auffahrt verlockend für Skitouren

Wer sich freut, sind Skitourengänger. Zwar ist dort, wo heute Schnee fällt, vorübergehend mit erheblicher Lawinengefahr zu rechnen. Doch wenn es am Auffahrtswochenende sonniger wird, könnten die Bedingungen gut werden, wie Benjamin Zweifel sagt. «Für das Hochgebirge haben wir wenig Information. Aber jeweils am Morgen dürfte die Situation sicher sein», sagt er. «Wichtig ist, dass Tourengänger am Mittag zurück sind.»

Zum Problem werden diese Verhältnisse für die Alpwirtschaft. Der Umzug der Kühe auf die Alpen verzögert sich voraussichtlich um bis zu drei Wochen. Einige Alpstrassen sind aktuell noch gar nicht begeh- respektive befahrbar. Wegen Lawinengefahr konnten sie nicht geräumt werden, wie die «Südostschweiz» schreibt. Für die betroffenen Bauern bedeutet dies, dass sie entweder mehr Heu zukaufen oder Futtervorräte einsetzen, die eigentlich für den nächsten Winter angelegt werden müssten.

Kaum vom Schnee und der Kälte betroffen, sind hingegen die Gemüse- und Obstbauern im Flachland. «Wir können nicht jammern», sagt Markus Waber vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten. Die Spargelsaison sei in diesem Jahr sogar bereits Anfang April gestartet und der Salat wachse trotz kühleren Temperaturen gut auf den Feldern. Dieser reagiere am schnellsten auf Wetterextreme. «Je länger die Wurzeln sind, umso robuster ist das Gemüse. Bei frisch angesetztem Salat sind sie verhältnismässig kurz», sagt Waber.

Ähnlich zufrieden klingt es beim Schweizer Obstverband. Die Ernte der Erdbeeren sei lediglich eine Woche verzögert. Dasselbe zeichne sich auch für andere Früchte und Beeren ab. Klettert das Thermo- meter in den nächsten Wochen rasch in die Höhe, kann die Natur den Rückstand wieder aufholen. Anders als vor zwei Jahren hat der Frost heuer die Obst- bauern weitgehend verschont. Regional kam es zwar zu Schäden, doch insge- samt fielen diese gering aus.

Der Sommer könnte heiss werden

Stephan Bader von Meteoschweiz sagt zum ungewöhnlich kühlen Mai 2019: «Er ist ein seltenes Ereignis im heutigen Maiklima. Ab Ende der 1980er-Jahre wurde der Mai in kurzer Zeit rund 2 Grad wärmer. Das ist ein deutliches Signal der Klimaerwärmung.» Bezüglich des kommenden Sommers gibt es momentan auch keine kühlen Prognosen: Ein privater amerikanischer Wetterdienst will wissen, dass der Sommer 2019 in Europa ebenso heiss wie der letzte und sogar noch länger dauern werde. Meteoschweiz relativiert: Ihre saisonalen Modellläufe zeigen, dass die Temperaturen im Juli und August in der Nordostschweiz im oberen Drittel der letzten 30 Jahre liegen werden – dies aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 45 Prozent.

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