Geheimprojekte

Rückblick: Wie die USA eine Maulwurf-Phobie entwickelten

Im letzten Jahrhundert gab es viele Versuche, Geheimprojekte der USA auszuspionieren. Drei Fälle erlangten dabei besondere Berühmtheit.

Alfred Frauenknecht war ein Musterbeispiel eines Spions mit edlen Absichten. Er handelt, weil er überzeugt ist, dass er das Richtige tut. Auch wenn er das Gesetz und anderweitige Loyalitätspflichten bricht. Er war überzeugt, dass seine Tat dem Staat Israel zu überleben hilft. Und das ist ein Zweck, zu dessen Bewerkstelligung man bei den Mitteln nicht wählerisch sein darf. Viele Zeitgenossen waren damals der Auffassung, dass Frauenknecht moralisch richtig gehandelt habe.

Ähnlich lag der Fall bei den sogenannten Atomspionen. Die Idee, dass es für die Welt nicht von Gutem sein könne, wenn nur eine Macht die Atombombe besitzt, wurde sogar unter den Physikern in Los Alamos, wo an der Waffe gewerkelt wurde, diskutiert.

Präsident Truman machte bei der Konferenz von Potsdam am Ende des Zweiten Weltkriegs eine halbdeutliche Anmer­kung gegenüber Stalin, man hätte da etwas Grosses. Stalin lächelte nur. Er wusste es schon – wenn nicht alles, dann ziemlich viel. In überraschend kurzer Zeit hatten die Sowjets den Rückstand aufgeholt. Am 29. August 1949 explodierte ein Nachbau der Plutonium-Bombe, welche die USA vier Jahre zuvor über Nagasaki abgeworfen hatten.

Atom-Spion Klaus Fuchs

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Der Pfarrersson Klaus Fuchs (1911–1988), ein aus Deutschland emigrierter begabter Mathematiker und Physiker, hatte aus dem Manhattan-Projekt geplaudert. Dinge, bei denen er dabei gewesen war, und andere, an denen er später arbeitete. Das Atom-Wissen kam zu grossen Teilen über Grossbritannien nach Moskau.

Es gab auch in den USA Atom-Spione, die berühmtesten waren das Ehepaar Julius (1918-1953) und Ethel Rosenberg (1915–1953), das zum Tod verurteilt und hingerichtet wurde. Wie schwer ihr Vergehen wirklich war, ist heute noch fraglich. Ethel Rosenbergs Bruder David Greenglass (1922–2014) hatte wie Fuchs Informationen geliefert und denunzierte seine Schwester. Er kam wie Fuchs in England mit einer Gefängnisstrafe davon. Die Rosenbergs wurden auch Opfer der Hys­terie, welche die McCarthy-Kommunistenjagd verursachte.

Sie alle gaben vor, nicht aus eigennützigen Motiven gehandelt zu haben. Sondern weil sie überzeugt waren, dem Weltfrieden zu dienen.

Sekretärin M. Norwood

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1999 flog Melita Norwood (1912–2005) auf, eine Sekretariatsmitarbeiterin in englischen Atomenergieinstitutionen. Sie hielt das Sowjetregime für ­besser als das englische Klassen­system. 40 Jahre lang hatte sie alles, was über ihren Tisch ging, an ihren sowjetischen Mittelsmann weitergeleitet.

Ob und vor allen wie sehr die Mitglieder der «Cambridge Five» überzeugte Kommunisten waren, ist schwer zu sagen.

Kim Philby, Donald MacLean, Guy Burgess, John Cairncross und Anthony Blunt wurden im College in Cambridge angeworben. MacLean machte eine Diplomaten-Karriere, er verriet während des Kriegs Absprachen zwischen Amerikanern und Engländern.

KGB-Spitzel Kim Philby

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Die schillerndste Figur war Kim Philby. Er machte im britischen Geheimdienst Karriere und schaffte es in die antisowjetische Abteilung. Er verriet praktisch alles, was die Engländer gegen die Sowjetunion planten, an den KGB. Vor allem für die Geheimdienste war das eine Katas­trophe. MacLean und Burgess flüch­teten 1951 in die Sowjetunion, Philby folgte 1963.

Auf dem Philby-Fall baut der berühm­te Roman «Dame, ­König, As, Spion» von John Le Carré auf. Historiker zweifeln heute, ob Philby wirklich der Meisterspion war, als den er sich selbst sah. Offenbar misstraute ihm der KGB. In den 1950er- und 1960er-Jahren war das Durcheinander in der Geheimdienstwelt gross. Überläufer schufen heillose Verwirrung. Sie enttarnten zwar sowjetische Spione im Westen, aber erzählten dem Chef der CIA-Gegenspionage James J. Angleton auch viel Erfundenes. Er brachte ihn in eine richtiggehende Maulwurf-Phobie, und die CIA beschäftigte sich in der Folge immer mehr mit sich selbst. Nicht zum Schaden des KGB.

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