Manche Paare ähneln sich optisch so sehr, dass man sie glatt für Geschwister halten könnte. Einige von ihnen gleichen sich sogar bis aufs Haar – oder bis auf die Mikrobe. Das hat der Mikrobiologe Remco Kort von der Freien Universität Amsterdam mit seinem Team herausgefunden. Paare, die sich mindestens neunmal am Tag intensiv küssen, übertragen den niederländischen Studien zufolge mit jedem einzelnen Kuss 80 Millionen Bakterien. Zudem gleicht sich die Mundflora der beiden Partner an. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige dieser Bakterien, die sich die Partner teilen, nur vorübergehend bleiben», sagt Kort, «andere hingegen finden eine echte Nische auf der Zungenoberfläche, die es ihnen erlaubt, sich dauerhaft anzusiedeln».

Doch nicht nur die Mundflora kann sich bei Paaren angleichen, sogar die Herzfrequenz und die Atmung können übereinstimmen. Die Psychologen Jonathan Helm und Emilio Ferrer von der Universität von Kalifornien in Davis setzten die jeweiligen Partner aus insgesamt 32 unterschiedlichen Paaren so an einen Tisch, dass sie sich exakt gegenübersassen. Ihre Aufgabe bestand darin, den eigenen Partner so stark wie möglich zu imitieren – ohne dabei zu sprechen. Das Ergebnis: Einigen Versuchspersonen gelang es, die Atemfrequenz und den Herzschlag mit dem Partner zu synchronisieren. Frauen schnitten dabei besser ab als Männer. «Das könnte an einer grösseren Empathiefähigkeit der Frauen liegen», sagt Psychologe Helm. Nun sind Herzschlag und Mikroben gewissermassen innere Werte; aber wie sieht es mit Äusserlichkeiten aus? Gleichen sich Lebenspartner mit der Zeit auch optisch an? Eine gewisse physische Ähnlichkeit ist bei einigen langjährigen Paaren schliesslich nicht von der Hand zu weisen.

Synchrones Spiel der Muskeln

Der US-amerikanische Sozialpsychologe Robert Zajonc ging dieser Frage schon vor mehr als dreissig Jahren nach. Er legte seinen 110 Versuchsteilnehmern Fotos von Menschen vor, die miteinander verheiratet waren. Die Bilder zeigten die Ehepartner einzeln – sowohl zum Zeitpunkt der Hochzeit als auch nach 25 Jahren Ehe. Die Versuchspersonen sollten die jeweiligen Ehepartner ausschliesslich aufgrund der physischen Ähnlichkeit einander zuordnen. Das Ergebnis: Die optischen Gemeinsamkeiten der Ehepartner hatten nach 25 Jahren Ehe sichtbar zugenommen. Zajonc erklärte die Ergebnisse der Studie damit, dass das Zusammenleben und die gleiche Lebensweise über diesen Zeitraum hinweg Spuren im Gesicht der Menschen hinterlassen und sie im wahrsten Sinne des Wortes gezeichnet habe. Da die Partner jahrelang über dieselben Dinge lachten, weinten, sich ärgerten oder wunderten, beanspruchten sie die gleichen Gesichtsmuskeln in ähnlicher Häufigkeit sowie Art und Weise.

Seit der Studie von Zajonc hat eine ganze Reihe von anderen Wissenschaftern eigene Nachforschungen angestellt. Viele von ihnen stimmen mit Zajonc dahingehend überein, dass sich langjährige Partner in der Tat häufig ähneln. Psychisch, aber auch physisch. In Bezug auf die Persönlichkeitsmerkmale stellt sich den Wissenschaftern allerdings die Frage: Werden die Lebenspartner im Laufe der Zeit tatsächlich immer ähnlicher oder glichen sie sich schon, als sie zusammengefunden haben? Viele Forscher wie Mikhila Humbad von der Michigan-State-Universität in den USA, die Daten von 1296 Ehepaaren auswerteten, konnten keinen Zusammenhang zwischen der Länge der Partnerschaft und der Ähnlichkeit der Charaktere finden. Den Forschern zufolge waren Partnerschaften über längere Zeit stabil, wenn sich beide Partner in wirklich wichtigen Punkten von vornherein ähnelten. Etwa wenn sie die gleichen Werte teilten, ähnliche Interessen hatten und das Bildungsniveau übereinstimmte.

Auch Beatrice Rammstedt vom Gesis-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim kommt in ihrer Untersuchung, in der sie 7000 Paare näher erforscht hat, zum Fazit: «Je übereinstimmender die Paare in dem Persönlichkeitsmerkmal der Offenheit sind, umso stabiler ist ihre Partnerschaft.» Diese «Offenheit» ist in der Psychologie als Charaktermerkmal durch Aufgeschlossenheit, Aufmerksamkeit, Neugier, Kreativität und Fantasie gekennzeichnet.