Coronavirus

Neue Werbung wirft Frage auf: Wie hygienisch sind Caffè-Latte-Becher und Cola-Dosen?

Andere Getränke, andere Schutz-Methoden. Nur: Oftmals bedeutet mehr Schutz auch mehr Abfall.

Andere Getränke, andere Schutz-Methoden. Nur: Oftmals bedeutet mehr Schutz auch mehr Abfall.

Aus dem Supermarktregal direkt auf die Lippen. Beim Kauf von gewissen Getränken stellt sich in Zeiten Coronas plötzlich die Frage nach der Ansteckungsgefahr. Die Wissenschaft hat Antworten.

Sie sind die Kassenschlager im Emmi-Portfolio. Die Caffè-Latte-Becher zum Mitnehmen sind für den Umsatz des Milchkonzerns Gold wert. Dank der Trinköffnung auf dem separaten Plastikdeckel sind sie praktisch für den Konsum unterwegs. Doch wie hygienisch sind sie - insbesondere in Zeiten Coronas?

Diese Frage wirft eine Werbung eines Emmi-Konkurrenten auf. Im Migros-Magazin wirbt die Marke «Caffè Lattesso» mit dem Slogan: «In besonderen Zeiten wichtiger denn je: Hygiene im Trinkbereich». Im Gegensatz zu den Caffè Lattes von Emmi haben die Caffè-Lattesso-Becher eine Aluminium-Folie, das die Trinköffnung des Plastikdeckels schützt. Erst wenn man sie abzieht, kann man daraus trinken. Bei Emmi ist die Schutzfolie direkt auf dem Becher angebracht, nicht auf dem Deckel.

Die Firma schreibt im Inserat: «Dank der dünnen, schützenden Folie ist die Trinköffnung und der gesamte Trinkbereich, den die Lippen berühren, hygienisch sauber abgedeckt.» Auch wenn der Hauptkonkurrent nicht erwähnt ist, ist klar, dass sich Caffè Lattesso von Caffè Latte, der Nummer 1 im Markt, abheben will.

Emmi will vermehrt auf Stülpdeckel verzichten

Emmi scheint sich der möglichen Verunsicherung, die das Thema bei den Kunden auslösen könnte, bewusst zu sein. Denn auf eine erste Anfrage, wie man die Hygiene bei den ungeschützten Caffè-Latte-Bechern beurteile und ob man Alternativen wie jene von Caffè Lattesso prüfe, schreibt die Firma ausweichend: Konsumenten hätten immer die Wahlfreiheit, entweder direkt aus dem Trinkloch im Deckel oder nach Entfernen des Deckels aus dem Becher zu trinken.

Erst auf Nachhaken heisst es beim Luzerner Milchverarbeiter: «Einen Verpackungswechsel wird es auf kurze Frist nicht geben.» Solche Veränderungen seien auch von den Lebenszyklen der bestehenden Anlagen abhängig. Aber: «Generell prüfen wir derzeit alle Stülpdeckel und werden diese vermehrt weglassen.»

Bei der Emmi-Marke «Molkerei Biedermann» hat Emmi bereits reagiert. Neu wird bei den Lassi-Milchbechern auf ein Kunststoffdeckel, wie ihn Caffè Latte hat, verzichtet. Eine einfache Trinköffnung ist im Alu-Verschluss direkt integriert. Laut der Emmi-Sprecherin ging es dabei aber in erster Linie um ökologische Gründe, um den Kunststoff-Verbrauch zu reduzieren.

Auf Kunststoff überleben Viren bis zu 72 Stunden

Was ist mit Aluminiumdosen wie zum Beispiel von Süssgetränken? Manche Marken wie San Pellegrino setzen bei ihren Dosen schon länger auf eine Aluminiumfolie, welche die Lasche bei der Trinköffnung schützt. Coca-Cola Schweiz liess eine entsprechende Anfrage unbeantwortet.

Antworten liefert die Wissenschaft. Laut einer Studie des US-Gesundheitsinstituts NIH und der Seuchenschutzbehörde CDC kann das Coronavirus auf Kunststoff und Edelstahl bis zu 72 Stunden überleben, während es in der Luft nach drei Stunden bereits nicht mehr nachweisbar ist. Auf Karton und Papier sind es bis zu 24 Stunden.

Der Schweizer Immunologe Beda Stadler hat derweil eine klare Meinung zu den Schutzfolien auf Plastik-Bechern und Alu-Dosen: «Das kann man alles vergessen!» Solche Massnahmen seien völlig übertrieben. Inzwischen sei klar, dass so genannte Schmierinfektionen kaum zur Verbreitung von Covid-19 beitragen. Er habe absolut keine Bedenken, aus solchen Getränken zu trinken. Gefährlich sei es höchstens, wenn jemand vorher direkt auf die Dose oder den Becher geniesst oder seine Lippen darauf gelegt habe. «Das ist bei all den Bier- und Coladosen in den Supermarktregalen sicher nicht der Fall.»

Immunologe Beda Stadler hat einen konkreten Rat

Was im Kampf gegen die Pandemie geholfen habe, sei das Social Distancing. «Keine Küsschen-Küsschen mehr zur Begrüssung, kein Händeschütteln und Abstand halten, das war gut», sagt Stadler. Alle anderen Massnahmen wie die Schliessung von Geschäften und Schulen habe vergleichsweise wenig genutzt. «Das war Gugus, sonst wären die Fallzahlen ja inzwischen wieder explodiert.»

Und wenn jemand trotzdem Angst hat, seine Lippen auf eine ungeschützte Aludose oder einen Plastikbecher zu legen? «Dann kann er oder sie das Getränk 15 Minuten lang an die Sonne stellen, um sicher zu sein, dass alle Viren von den UV-Strahlen abgetötet wurden.»

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