«Glamour, mon amour»

Leute, ihr furzt keinen Feenstaub

(Symbolbild)

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Möchte, dass wir wieder mehr auf die Zähne beissen und bereit sind, zu verzichten: Unsere Kolumnistin Simone Meier.

Ja, die Kolumne heisst «Glamour, mon amour», es ist mein Auftrag, regelmässig etwas aus der Welt der Stars und des Glanzes zu schreiben. Über Menschen, die mehr wert zu sein scheinen als andere.

Womit ich auch gar keine Probleme habe. Sie sind das Silberkügelchen auf der Kuchenglasur, das Blümlein auf dem Salatteller unseres Lebens. Mehr allerdings auch nicht. Dass es sie gibt, ist schön, aber nicht wirklich notwendig für ein glückliches, geschweige denn für ein gutes Leben.

Da geht es um ganz glanzlose Dinge. Darum, nicht krank oder arbeitslos zu werden. Darum, gut zueinander zu sein. Und zur Welt, die uns noch bleibt. Jeder Wegweiser, jedes Kochrezept bietet mehr Orientierung als, sagen wir, die britischen Royals oder die Filmstars, die ab nächster Woche für das Zurich Film Festival wieder meine Stadt überfluten.

Trotzdem muss man sagen: Leute wie die 29-jährige Schauspielerin Kristen Stewart, die am 2. Oktober in Zürich sein wird, haben verdammt viel geleistet. Ihr wisst schon, Kristen Stewart ist die junge Frau, die hässig schaut und als Kind in «Panic Room» an der Seite von Jodie Foster spielte, danach im Vampirkitsch «Twilight» und die sich seither erfolgreich von ihrem Teeniekult-Image emanzipiert hat.

Sie hat sich ihren Wert erkämpft und erkrampft und die Wertschätzung, die ihr weltweit entgegenschlägt, verdient. Im Gegensatz zu vielen andern, vorwiegend sehr jungen Menschen, die ich seit einiger Zeit erlebe und die das Wort «Wertschätzung» im Munde führen wie andere Kaugummis. Ehrlich, ich kann’s nicht mehr hören.

Das omnipräsente: «Meinen Job? Hab’ ich gekündigt. Nach einem halben Jahr. Einfach zu wenig Wertschätzung von den Kollegen.» Ähm, ja. Alles klar.

Leute, wofür haltet ihr euch? Für einzigartige Schneeflöcklein, die Gold brünzeln und Feenstaub furzen? Habt ihr je in Betracht gezogen, dass ein Job ein Job ist und die grundsätzliche Wertschätzung, die ihr dort erfahrt, euer Lohn ist? Direktes Geld?

Und dass man sich die andere Wertschätzung, die immaterielle, erarbeiten muss? Nicht nur in einem halben Jahr, sondern eher über Jahre hinweg? Bitte? Euch passt ein atmosphärischer Windhauch nicht, der durch euer schickes Loftbüro weht? Und ihr? Seid ihr eigentlich gut genug für euren Job, oder interessiert euch das gar nicht?

Meint ihr, Kristen Stewart hätte es so weit gebracht, wenn sie nicht auf die Zähne gebissen und sich geschworen hätte, es allen zu zeigen? Durch Einsatz, Disziplin, Verzicht? Klingt unsexy, oder? Gut, man muss sich nicht schon mit neun Jahren seiner künftigen Berufung verschreiben, wie Kristen Stewart das getan hat, nach der Lehre oder nach dem Gymi reicht für uns Normalsterbliche bei weitem.

Aber spätestens dann beginnt tatsächlich so etwas wie die Härte des Lebens. Und bis sie sich in eine Spur jenes Glanzes verwandelt, zu dem man sich geboren und berechtigt fühlt, muss man sich damit abfinden, dass die Sache mit dem Gold und dem Feenstaub reine Einbildung ist.

In ihrer Kolumne «Glamour, mon amour» schreibt unsere Autorin Simone Meier diese Woche über jene Eigenschaft, die erfolgreiche Filmstars haben und die einigen jungen Leuten fehlt.

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