Es grenzt an ein Wunder: Man wirft seine Küchenabfälle auf einen Haufen – und bekommt keine stinkige Brühe, sondern einen krümeligen, dunklen Humus, der nach frischer Walderde riecht. Diesen streut man auf die Gartenbeete – woraus die Pflanzen ihre Nährstoffe ziehen und prächtig wachsen. Bis sie absterben und wieder zu Humus werden. In der Natur wird alles wiederverwertet. Ein perfekter Kreislauf. Um dieses Wunder zu vollbringen, leisten Millionen von Lebewesen viel Fressarbeit. Der Kompost bietet Insekten und Kleinstlebewesen Unterschlupf und erhöht damit die Biodiversität vor der Haustür.

Man unterscheidet mehrere Reifestadien. Nach wenigen Tagen steigt die Temperatur im Innern des Komposts: Bakterien und Pilze fallen über die Abfälle her. Sie bauen Eiweisse und Zucker ab und produzieren Wärme. Es wird bis zu 60 Grad heiss. Während der Heissrotte werden Krankheitskeime und Unkrautsamen abgetötet – ganz im Sinne des Gärtners. Nach sechs bis zehn Wochen ist die Abbauphase vorbei, die Temperatur sinkt wieder. Nun beginnt die Auf- und Umbauphase. Weitere Kleinstlebewesen zerkleinern den Abfall und wandeln ihn zu Humus um. Wenn der Kompost nach sechs bis neun Monaten reif ist, kann man damit wunderbar düngen. Nach 18 Monaten wird daraus Gartenerde.

Nicht alle Prozesse des Kompostierens sind aber restlos erforscht. So ist es nicht möglich, Erde im Labor künstlich herzustellen. Fest steht: Humus ist das Lebenselixier von Pflanzen, Tieren – und damit auch von uns Menschen.

1. Gut für Kompost

Kompostwürmer lieben Kaffeesatz und Obst. Kartoffelschalen sind sehr nährstoffreich. Bananen, Zitronen und Orangen sind okay: Sie weisen teils hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf, beeinträchtigen den Rotteprozess aber nur unwesentlich. Rasenschnitt sollte man etwas antrocknen, da er schnell fault. Eine ausgewogene Mischung aus trockenen und feuchten Materialien ist wichtig für den Rottenverlauf.

2. Wertvoller Mist

Mist von Pferden, Kaninchen und Schafen liefert wertvolle Nährstoffe. Auch menschlicher Urin ist reich an Stickstoff und daher ein guter Beschleuniger. Kot von Menschen, Hunden und Katzen gehört nicht auf den Kompost. Katzenkot kann Krankheitserreger übertragen.

3. Schlecht für Kompost

Von Krankheiten befallene Pflanzenteile dürfen nicht auf den Kompost. Zwar werden viele Keime durch die Heissrotte unschädlich gemacht, es gibt jedoch auch Erreger, die die Hitze überdauern. Zähe Unkräuter wie Giersch und Winde geben nicht so schnell auf und verbreiten sich weiter im Garten, wenn man sie kompostiert. Fleisch, Fisch und Essensreste haben eine ungünstige Struktur und locken Ratten an.

4. Artenvielfalt

Es ist ein einziges Fressen und Gefressenwerden: Milliarden kleiner Lebewesen zersetzen pflanzliche und tierische Stoffe und wandeln sie zu Komposterde um. Asseln gehören zu den Krebstieren. Sie zerkleinern Laub und Totholz. Käfer, Hundertfüssler, Schnecken, Ameisen und Springschwänze fressen sich ebenso durch den Haufen – ein Beitrag zur Artenvielfalt.

So entsteht Kompost.

So entsteht Kompost.

5. Kühlendes Blätterdach

Die beste Lage ist im Halbschatten eines Baumes. An der prallen Sonne trocknet das Kompostmaterial aus. Kürbispflanzen gedeihen hervorragend auf dem Haufen und bieten mit ihren grossen Blättern einen idealen Sonnen- und Regenschutz.

6. Umsetzen

Etwa ein bis zweimal im Jahr sollte man den Kompost mit der Mistgabel umsetzen. So kommen ehemals aussen liegende Teile ins Innere, wo die Rotte sich erhitzt. Ausserdem wird der Haufen damit gut durchlüftet.

7. Der Regenwurm

Er produziert durch seine Frasstätigkeit mehr Humus als alle anderen Lebewesen. Hat er Pech, endet er als proteinreicher Happen für Igel, Maulwurf oder Rotkehlchen. Ein gesunder Boden ist von einem Labyrinth aus Wurmgängen durchzogen. So kann Wasser abfliessen und Sauerstoff eindringen. Bei Trockenheit gräbt sich der Regenwurm tief in die untere Erdschicht, rollt sich zusammen und wartet auf Regen. Der Kompostwurm ist etwas dunkler und kleiner und überlebt nur im Kompost. Solange diese dunkelroten Würmer drin sind, ist der Kompost noch nicht reif.

8. Die Miete

Die simpelste Kompostform ist ein länglicher Haufen, die Miete. Man braucht dazu keinen Behälter und kann das Material einfach aufschichten. Es empfiehlt sich eine Basisbreite von zwei Metern. Die Höhe wird dadurch automatisch auf 1,5 Meter beschränkt, weil die Miete sonst nicht stabil steht. Das Wasser kann so gut ablaufen. Und an die Form lässt sich beliebig lang anbauen, wie an einem Wurm. Kompostbehälter sind eine gute Wahl, wenn man wenig Platz hat.

9. Sperrige Unterlage

Als erste Schicht verteilt man Zweige und Äste. So verbessert man die Luftzufuhr, denn Sauerstoff ist für die Rotte wichtig.