Bei Befragungen zur Lebenszufriedenheit zeigt sich meist ein deutliches Muster: Junge Menschen sind glücklich, ihnen steht die ganze Welt offen. Auch die Betagten sind zufrieden, sie haben gelernt, sich an dem zu erfreuen, was sie haben. Dazwischen durchschreitet der Mensch ein tiefes Tal, dessen Sohle ungefähr bei vierzig liegt. Das erklärt sich leicht: «In dieser Phase ist das Leben von Stress und harter Arbeit geprägt, es mangelt an Freizeit», sagt der Schweizer Ökonom und Glücksforscher Bruno S. Frey. «Hinzu kommen bei Familien Konflikte und Sorgen zu Hause, besonders wenn die Kinder ins Teenageralter kommen.»

Doch nicht alle trifft es gleich hart. Bessere Voraussetzungen hat in diesem Alter, wer keinen Nachwuchs hat. Frey bestätigt: «Ein Ehepaar mit Kindern ist mit vierzig im Schnitt ein bisschen weniger glücklich als eines ohne Kinder.» Es sind die Kinderlosen, die am Abend Klavier spielen oder ein Buch lesen können, statt sich neben nicht einschlafen wollende Bälger zu legen. Die am Morgen ausgeruht aufwachen, weil sie nicht mitten in der Nacht vom Rufen aus dem Kinderzimmer geweckt wurden. Die vor der Arbeit eine Runde joggen gehen, statt Windeln zu wechseln, Schulsäcke zu richten und die Kleinen in die Kita zu bringen.

Bei Familien bestimmen Zwänge das Leben. Zum Beispiel bei der Ferienplanung: Sie sind terminlich an die Schulferien gebunden, und bei der Wahl der Destination und des Programms müssen die Eltern die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Kinderlose können in ihrem Leben mehr selber bestimmen, und das ist laut Frey ein ausgesprochen wichtiger Faktor für die Zufriedenheit.

Den höchsten Grad an Selbstbestimmung haben kinderlose Singles. Sie richten ihre Wohnung ein, ohne Kompromisse mit einer Partnerin oder einem Partner einzugehen. Sie gehen spontan nach der Arbeit ins Feierabendbier, ohne sich für das Abendessen abzumelden. Sie fahren kurzfristig in Urlaub, wohin immer sie wollen. Doch spätestens wenn sich jemand entschliesst, mit vierzig alleine in die Ferien zu fahren, fragt sich das Umfeld: Ist das Singleleben nicht einsam?

Nein, sagt die Sozialwissenschafterin Bella DePaulo von der University of California in Santa Barbara. In ihren Sachbüchern kämpft sie gegen Vorurteile, die Singles entgegengebracht werden. «Menschen, die alleine leben, sind im Schnitt weniger einsam», erklärte sie 2017 an einem Vortrag in Belgien. Während sich Paare – auch kinderlose – abschotteten, würden Singles die Beziehungen zu Freunden, Geschwistern, Eltern, Nachbarn pflegen.

Auch Bruno S. Frey ist überzeugt, dass Singles nicht per se einsamer sind. Trotzdem sieht er für sie in dieser Hinsicht nicht unbedingt einen Vorteil. Bei klassischen Familien kämen die Eltern oft über die Kinder in Kontakt zu anderen Erwachsenen. «Bei Singles steht mit vierzig dagegen oft der Beruf im Zentrum des Lebens», sagt er. «Da bleibt manchmal wenig Zeit für Freunde und Bekannte.»

Belastend ist das Berufsleben in dieser Lebensphase für sehr viele Menschen, unabhängig von der familiären Situation. Doch Singles haben auch bei der Arbeit einen grossen Vorteil gegenüber Verheirateten und insbesondere gegenüber Eltern: Sie sind flexibler. Für den Arbeitgeber um die Welt jetten? Kein Problem. Und wenn ihnen der Job verleidet, dann wechseln sie halt, selbst wenn das eine Lohneinbusse bedeutet – diese können sie in Kauf nehmen, es muss ja nicht für eine ganze Familie reichen. Selbst ein Umzug für den Job kommt infrage, es muss weder auf den Arbeitsort einer Partnerin oder eines Partners noch auf die Schulsituation von Kindern Rücksicht genommen werden.

Das sind viele Vorteile für kinderlose Singles. Was aber nicht heisst, dass es sich lohnt, mit vierzig die langjährige Beziehung zu beenden: Trennungen sind sehr belastend. Und auch ein Verzicht auf Kinder ist nicht empfehlenswert – in späteren Lebensphasen sind Menschen mit Kindern glücklicher. Vermutlich lässt sich das Glückstief nicht vermeiden, sondern höchstens etwas herausschieben. Laut einer grossen Studie liegt es in Europa für Verheiratete und Geschiedene bei 37,6 Jahren, für nie Verheiratete dagegen bei 49,1 Jahren.