Sprache

Häufiger als man denkt: Deutsche Ausdrücke in der englischen Sprache

Germanismen im englischsprachigen Raum.

Germanismen im englischsprachigen Raum.

Von A wie Angst bis Z wie Zeitgeist: Deutsche Ausdrücke werden im englischsprachigen Raum öfter verwendet, als man vielleicht erwarten würde.

Wir sagen «Sorry» statt «Entschuldigung», warten bei jedem Film auf das Happy End, gehen zu Meetings und verfluchen unsere Smartphones. Aus unserem Alltag sind Anglizismen nicht mehr wegzudenken. Sie verstecken sich überall, werden unbewusst und ganz natürlich eingesetzt. Vielen missfällt diese Entwicklung: Sie empören sich über die zahlreichen Entleihungen aus dem Englischen. Wenig bekannt ist, dass auch wir Germanismen ins Englische exportieren, wie die Illustration oben aufzeigt.

Die Amerikaner verwenden die deutschen Wörter ebenso unbewusst und natürlich. Von ihrer Herkunft wissen sie meist nichts. Will man einem Amerikaner also erklären, dass «kindergarten» ein deutsches Wort ist, schaut dieser einen verdutzt an. Er fährt seinen Sohn doch jeden Morgen in den «kindergarten», den er als Kind auch besucht hat. Wie soll das plötzlich ein deutsches Wort sein, wenn er es schon seit Ewigkeiten nutzt?

Fakt ist, dass nicht nur Menschen auswandern, sondern mit ihnen auch ihre Sprache. Viele Deutsche suchten in den letzten Jahrhunderten in den USA oder in Grossbritannien ein neues Zuhause. Mit im Gepäck hatten sie deutsche Bezeichnungen und Ausdrücke. Im Falle des «kindergartens» handelt es sich nicht nur um den Begriff an sich: Vor mehr als 100 Jahren wurde das gesamte Konzept der deutschen Vorschule nach Grossbritannien und in die USA exportiert.

Als einzige Sprache umfasst das Englische mehr als 80 000 verschiedene Wörter. Mehrere wurden aus der deutschen Sprache entlehnt und dem Englischen angepasst. So verwandelte sich die Brezel zur «pretzel» und die Nudel zur «noodle». Andere deutsche Wörter stehen fast unverändert in englischen Wörterbüchern: Wie beispielsweise die Fremdwörter «poltergeist», «wunderkind» oder «schadenfreude».

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges prägte nicht nur die deutsche, sondern auch die englische Sprache. Damals wurden mehrere deutsche Wörter von den Amerikanern und Engländern übernommen, da es in ihrer Sprache an treffenden Bezeichnungen mangelte: So spricht man auf Englisch noch heute von «blitzkrieg» und «reich».

Das Hin und Her der Wörter

Kann man das Niesen nicht unterdrücken, fühlt man sich in den USA gleich wie zu Hause, wenn der Amerikaner «gesundheit» erwidert. «Bless you» wird immer seltener verwendet, da man sich vom religiösen Hintergrund des Ausdrucks distanzieren will.

«This is uber-cool!» – Wird eine Steigerungsform gebraucht, setzen britische Jugendliche einfach das Wörtchen «uber» (von «über») davor. An einer Modeschau bestaunt man dann nicht die Supermodels, sondern eben die «uber-models» auf dem Laufsteg. Das Wort «uber» ist vermutlich aus dem Begriff «Übermensch» vom Philosophen Friedrich Nietzsche heraus entstanden.

Das deutsche Wort Handy ist ein besonderer Fall: In unseren Breitengraden wird es als Synonym für Mobiltelefon genutzt und klingt nach einem waschechten Anglizismus. Ist es aber nicht, sondern eine deutsche Erfindung. Verrückt ist, dass das Handy in den USA mittlerweile zur Umgangssprache gehört und langsam den Begriff «cell phone» ersetzt.

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