Der Mann ist 84 und schreibt gerade sein 42. Buch. Als uns Erich von Däniken in seinem Büro in Interlaken zum Gespräch empfängt, spricht er präzis, leicht verständlich und nie rechthaberisch. Wie anders als all die Sportler und Politiker, die von Medienberatern geschult und geschliffen werden! Vor uns sitzt ein Mann mit Charisma. Er beherrscht auch die Kunst der Schmeichelei: Mal hält er einen Moment inne und sagt: «Oh, ich sehe, Sie kennen sich aus!»

Herr von Däniken, haben Sie auch Weihnachten gefeiert?

Erich von Däniken: Ja, ganz traditionell zusammen mit meiner Familie.

Sie ahnen, warum wir diese Frage stellen?

Nein.

Mit Ihren Theorien – die Götter waren ausserirdische Besucher, wir stammen von Ausserirdischen ab – kann der Eindruck entstehen, Engel seien bloss Astronauten.

So ist es ganz und gar nicht. Ich bin in christlicher Tradition erzogen und nie ein gottloser Mensch geworden. Ich bin nach wie vor Mitglied der Katholischen Kirche und bete jeden Tag.

Aber Sie verstehen unsere Frage?

Ja. Meine Thesen stehen keineswegs im Widerspruch zur christlichen Religion. Nehmen wir einmal an, ich habe recht und wir bekommen Besuch von den Ausserirdischen. Müssten wir dann nicht alle ganz klein werden und uns sagen: Ja, wer sind wir denn eigentlich in diesem Universum? Sind wir denn nicht auf dieser winzigen Erde alle gleich und Brüder? Wäre das dann nicht der Moment, endlich die Streitigkeiten aufzugeben, die in religiösen Überzeugungen und Rassismus wurzeln?

Aber wenn wir Kinder der Götter, der Ausserirdischen sind, dann wird es schwierig, an den ewigen Gott zu glauben.

Überhaupt nicht. Die Ausserirdischen kommen von einem anderen Planeten, vielleicht sind sie dort auch die Nachkommen von Ausserirdischen. Wir können diese Reihe bis in alle Ewigkeit fortsetzen – aber irgendeinmal kommt der Anfang von allem. Und dort ist die göttliche Schöpfung.

Aber Ihre Theorien stehen im Widerspruch zur Evolutions-Theorie. Also zum Entstehen der Arten über Jahrmillionen an deren vorläufigem Ende der heutige Mensch steht.

Nein, auch das nicht. Ich habe die Evolutionstheorie nie in Zweifel gezogen. Der Mensch ist das Produkt der Evolution. Aber an einem bestimmten Punkt ist der Einfluss der Ausserirdischen gekommen. Wir können uns das wie einen Apfelbaum vorstellen, der durch Aufpfropfen veredelt worden ist. Bis heute sucht die Wissenschaft ja vergeblich nach dem «missing link», also dem Wesen, das zwischen den Primaten und dem heutigen Menschen steht. Es gibt dieses Wesen offensichtlich nicht. Weil der Entwicklungssprung vom Primaten zum Menschen durch den Einfluss der Ausserirdischen erklärt werden kann.

Wie ist aus einem Hoteldirektor der Erich von Däniken geworden, wie wir ihn heute kennen?

Ich war ein unruhiger Knabe und meine Eltern entschieden sich deshalb, mich ins Jesuiten-Internat St-Michel in Fribourg zu schicken, wo ich in die Obhut von hervorragenden Lehrern kam. Unter anderem beschäftigte ich mich auch mit Bibelübersetzungen aus der lateinischen und griechischen Sprache ins Deutsche. Und da haben mich Zweifel beschlichen.

Welche Zweifel?

Gott ist das Grösste. Er ist allmächtig und allgegenwärtig. Und da las ich nun im Buch Hesekiel, Gott sei mit einem Fahrzeug aus den Wolken herabgefahren. Hesekiel sieht Flügel, Räder, Metalle und er beschreibt den Lärm dieser Maschinen als das Getöse eines Heerlagers. Das kann doch nicht sein. Der wahre Gott braucht keine Fahrzeuge. Das war der Anfang meiner Zweifel.

Was sagten Ihre Lehrer?

Sie sagten mir, Hesekiel habe Gottes Thronwagen gesehen. Aber ein allgegenwärtiger Gott braucht keine Wagen!

Nach dem Jesuiten-Internat gingen Sie in die Gastronomie.

Ja, ich komme mütterlicherseits aus der Gastronomie. Ich sollte das Restaurant meiner Mutter in St. Gallen übernehmen und machte eine entsprechende Ausbildung, unter anderem als Kellner im Hotel Schweizerhof in Bern. Aber das Thema Ausserirdische liess mich nicht mehr los und ich begann Zeitungsartikel zu schreiben. Am 8. Dezember 1964 erschien in einer deutschsprachigen Zeitung in Kanada eine Doppelseite von mir zu diesem Thema.

Was brachte den Durchbruch zum Bestseller-Autor?

Ich wurde Direktor des Hotels Rosenhügel in Davos. Nebenbei schrieb ich mein erstes Buch. Das Manuskript umfasste über 400 Seiten. Ich schickte es an den Econ-Verlag in Deutschland. Da dort Weltraumgeschichten publiziert wurden. Ich bekam eine Absage. Meine Schreibe sei polemisch und unprofessionell. In mir erwachten Wut und Trotz. Ich kopierte mein Manuskript 20-mal. Dies war damals in den 1960er-Jahren eine mühselige Angelegenheit. Ich verschickte meine Manuskripte an 20 verschiedene Verlage. Doch ich erhielt nur Absagen.

Wie haben Sie dann doch einen Verleger gefunden?

Ich war also Direktor eines Vier-Sterne-Hotels. Einer unserer Gäste war Thomas von Randow, der damalige Wissenschaftsredaktor der deutschen «Zeit». Wir unterhielten uns am Abend oft bei einem Whisky über Gott und die Welt …

Entschuldigen Sie, dass wir Sie unterbrechen: Sie tranken damals schon Whisky und nun erleben wir Sie in beneidenswerter geistiger und körperlicher Frische im Alter von 83 Jahren – wie geht das?

Nun, ich nehme vor dem Schlafengehen jeden Tag zwei oder drei Whisky. Johnny Walker Black Label. Davon bekommen Sie weder Magenbrennen noch Kopfweh. Aber kehren wir zum Thema zurück. Ich habe dem Gast aus Deutschland meine Gedanken über die Ausserirdischen erzählt. Er war interessiert und sagte: Sie sollten ein Buch schreiben! Ich antwortete ihm, dass ich ein Buch geschrieben habe, aber leider keinen Verleger finde. Am anderen Tag stand er bei mir im Büro, telefonierte mit dem Verleger des Econ-Verlages.

Des Verlages, der Ihr Manuskript abgelehnt hatte?

Ja, genau. Er sagte am Telefon, er habe da jemanden, der ein verrücktes Buch geschrieben habe, aber selber keineswegs verrückt sei. Ich bekam einen Termin beim Econ-Verlag.

Das Buch wurde zum Bestseller.

Ja. Viel verdanke ich Jürg Ramspeck, dem inzwischen verstorbenen ehemaligen Chefredaktor der «Weltwoche». Er war ebenfalls häufiger Gast in unserem Hotel und wusste von meinem Manuskript. Er hat in der «Weltwoche» noch vor dem Erscheinen des Buches eine mehrteilige Serie gebracht. Das war die perfekte Werbung. 1969 habe ich meinen Beruf als Hoteldirektor aufgegeben. Seither schreibe ich Bücher.

Erich von Däniken beim Interview in seinem Büro in Interlaken. Journalist Klaus Zaugg (links) hat schon als Kind von Dänikens ersten Bestseller «Erinnerungen an die Zukunft» verschlungen und seither alle seine Bücher gelesen – mit ebenso fasziniertem wie kritischem Blick. «Von Däniken strahlt eine schier unglaubliche körperliche und geistige Vitalität aus», sagte Zaugg nach dem Gespräch.

Erich von Däniken beim Interview in seinem Büro in Interlaken. Journalist Klaus Zaugg (links) hat schon als Kind von Dänikens ersten Bestseller «Erinnerungen an die Zukunft» verschlungen und seither alle seine Bücher gelesen – mit ebenso fasziniertem wie kritischem Blick. «Von Däniken strahlt eine schier unglaubliche körperliche und geistige Vitalität aus», sagte Zaugg nach dem Gespräch.

Inzwischen haben Sie 75 Millionen Bücher in über 30 Sprachen verkauft. Sind Sie reich geworden?

Nein. Ich war viel zu unerfahren. Erst nach langer Zeit hatte ich ehrliche Berater an meiner Seite. Zuvor machten andere das Geschäft. Aber ich will nicht jammern. Es hat Jahre gegeben, da verdiente ich mehr als 500'000 Franken. Das Geld investiere ich jedoch laufend in meine Projekte. Ich brauche keine Villen und keinen Ferrari. Ich habe mein Büro in Interlaken und lebe seit 18 Jahren mit meiner Frau in einem Chalet in Beatenberg. Ich kann mir keinen schöneren Platz auf der Erde vorstellen.

Bereits mit Ihrem ersten Buch haben Sie die ganze wissenschaftliche Welt gegen sich aufgebracht. Hatten Sie je Zweifel und dachten ans Aufgeben?

Nein, nie. Die Auseinandersetzungen haben mich immer stärker gemacht. Gemäss dem Philosophen Friedrich Nietzsche: «Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.»

Haben Sie den «missing link», das Beweisstück für den Besuch der Ausserirdischen, gefunden?

Nein. Es gibt keinen einzigen objektiven Beweis. Aber es gibt starke Indizien. Trotzdem kann man auch darüber streiten.

Es gibt also keinen Beweis für unsere Abstammung von den Göttern.

Nein. Aber die Religionen von mehr als 30 verschiedenen, unabhängigen Kulturen sagen, dass die Götter – oder Gott – die Menschen nach ihrem Ebenbilde geschaffen haben.

Die religiösen Schriften haben Sie inspiriert?

Ja, bereits im College in Fribourg. Auf meine Fragen und Zweifel erhielt ich oft die Antwort, man müsse einfach glauben. Doch solche Antworten reichten mir nicht. Deshalb verglich ich die Bibelstellen mit anderen religiösen Schriften.

Inzwischen haben Sie weltweit Millionen davon überzeugt, dass Sie recht haben. Auch Wissenschafter. Gibt es da ein Schlüsselerlebnis?

Ja. Vor 30 Jahren bin ich zu einem Vortrag bei der Nasa in Huntsville eingeladen worden. Beim Nachtessen entdeckte ich Josef Blumrich …

… der beim Nasa-Mondflug-Programm eine führende Rolle spielte …

… richtig. Er fragte mich, wozu in aller Welt ich denn die Bibel dabei habe. Die Bibel sei doch kein Buch über Technologie. Ich sagte ihm: Doch, Sie müssen nur das Buch von Hesekiel mit den Augen von heute lesen. Dann erkennen Sie die Baupläne für Raumschiffe. Blumrich, immerhin der Chefkonstrukteur der Nasa, tat dies. Daraus entstand das Buch «The space ship of Ezekiel. Es war die erste wissenschaftliche Bestätigung über Raumschiffe in alten heiligen Schriften. Weitere von Wissenschaftern anderer Fakultäten folgten.

Obwohl Sie den objektiven Beweis für die Ausserirdischen bis heute nicht gefunden haben, sind Ihre Ansichten heute doch wissenschaftlich salonfähig geworden. Warum eigentlich?

Der Zeitgeist hat sich geändert.

Wie müssen wir das verstehen?

In den 1970er-Jahren sagte die Wissenschaft noch, es gebe kein ausserirdisches Leben. Heute sagt die Wissenschaft, schon alleine aus statistischen und philosophischen Gründen müsste es ausserirdisches Leben geben. Dann hiess es, es sei gar nicht möglich, die riesigen Distanzen über Lichtjahre hinweg zu überbrücken. Heute weiss man, dass es möglich ist. Dann hiess es, ausserirdisches Leben sei niemals menschenähnlich. Dank der Panspermia-Theorie des schwedischen Nobelpreisträgers Svante Arrhenius wissen wir, dass auch menschenähnliches Leben dort draussen möglich ist. Zumindest steht dies im Einklang mit allen Religionen.

Inwiefern?

Am Anfang war Gott. Die erste Spezies, von Gott erschaffen. Die DNA dieses Lebens ist so im Universum verteilt worden wie die Materie nach dem Urknall. Solches Denken war in der Wissenschaft in den 1970er-Jahren, als mein erstes Buch erschienen ist, noch völlig unmöglich. Die Zeit war noch nicht reif.

Sie schreiben gerade an Ihrem 42. Buch. Wenn Sie zurückblicken – wo haben Sie sich geirrt?

In Einzelheiten kam das vor, aber nie an der Sache. Zuerst ist man rechthaberisch und leichtgläubig. Ich war beispielsweise im Alter von 19 Jahren zum ersten Mal in Ägypten. Dabei besuchten wir eine Insel im Nil und der Reiseführer erklärte, die Insel heisse Elefantine, weil sie aus der Vogelperspektive aussehe wie ein Elefant. Dies übernahm ich so in einem meiner Bücher. Es war ein Irrtum: die Insel sieht überhaupt nicht aus wie ein Elefant. Sie heisst so, weil dort einst Elefanten lebten.

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Ja. Ich habe dafür zwar nicht den geringsten Beweis. Aber ich bin der Meinung, dass wir Teil einer grandiosen Schöpfung sind, nach unserem Tod weiterleben und irgendwann wieder auf Erde zurückkehren werden.

Kommen wir zum Schluss zu einem ganz irdischen Thema. Was ist beim «Mystery Park» Park falsch gelaufen?

Der Park ist vom Mai bis im Oktober nach wie vor offen und die Besucher sind begeistert. Obwohl die Öffentlichkeit immer mich mit dem Mystery Park in Verbindung brachte, war ich zwar der Ideengeber, aber nie der Betreiber der Anlage. Wenn ich im Lotto gewinnen würde, dann würde ich den Park kaufen, und zusätzlich eine Million für die Werbung einsetzen. Und siehe da, der Park würde funktionieren. Zudem finde ich die Umbenennung in Jungfraupark falsch. Es sagt nichts aus über die grandiosen Rätsel, die gezeigt werden.

Sie sind jetzt bald 84 Jahre alt. Suchen Sie weiterhin nach Beweisen für die Existenz der Ausserirdischen?

Dank meinem Bekanntheitsgrad werden mir alle möglichen Indizien zugetragen. Täglich bekommen wir zwischen 200 und 300 Mails. Mein Sekretär Ramon Zürcher sieht in der Regel nach ein paar Sätzen, ob etwas dran ist. Bei Bedarf machen wir uns auf die Reise. Ich bin nach wie vor mehr als 200 Tage im Jahr unterwegs zu möglichen Beweisen oder zu Vorträgen.

Was sagt Ihre Frau zu diesen häufigen Abwesenheiten?

Sie ist damit einverstanden. Schliesslich bin ich inzwischen mit Elisabeth seit 58 Jahren glücklich verheiratet.