Auf den Podien: Männer. Am Roundtable: Männer. In den Polit-Talk-Runden: Männer. Der Eindruck ist subjektiv, wird aber von vielen geteilt. SP-Frauen-Präsidentin Yvonne Feri sagt: «Ich höre mir kaum noch Podien an, auf denen nur Männer sprechen.» Es gebe sicherlich Themen, bei denen es schwieriger sei, auch Fachfrauen zu finden, gibt Feri zu. Doch: «Häufig wird nicht engagiert nach Frauen gesucht.» Ihrem Unmut gibt sie auch öffentlich Ausdruck. So schrieb sie Anfang März auf Twitter über die jüngste «Arena»-Diskussionsrunde des Schweizer Fernsehens: «Die Männerrunde wurde mit einer Frau ergänzt - zum Glück - sonst hätte ich hier monieren müssen. Trotzdem…»

Aus dem subjektiven Eindruck der Männerdominanz in der öffentlichen Meinung macht die deutsche Medienaktivistin Anne Roth eine objektiv nachweisbare Aussage: Sie veröffentlicht seit zwei Jahren auf ihrem Blog Zahlen, die die Überdominanz von Männern auf Podien belegen. Nicht selten sind Frauen einzig als Moderatorinnen oder Ansagerinnen vertreten. Häufig ist der Anteil Männer gar 100 Prozent.

Nun gibt es in mehreren Ländern Initiativen, um auch Frauen stärker als Meinungsmacherinnen und Fachpersonen zu etablieren. Im deutschsprachigen Raum wurde vor zwei Wochen die Plattform «Speakerinnen Liste» lanciert. «Keine Ausreden mehr für Panels ohne Frauen!» formulieren die Initiantinnen des Projekts ihr Ziel. Auf dem branchenübergreifenden Portal können sich Frauen als Expertinnen für ihr Fachgebiet eintragen. Bereits haben sich knapp 400 Frauen registriert.

In Skandinavienbocken die Männer, wenn sie unter sich bleiben sollen

In Skandinavien haben es Männer an die Hand genommen, eine gleichwertige Vertretung von Frauen und Männern auf Podien durchzusetzen: Seit November 2013 läuft in Schweden die Kampagne «TackaNej» (wörtlich: dankend ablehnen). Gemeint ist, dass Männer, die für Podien angefragt werden, ablehnen, wenn nicht auch Frauen mitdiskutieren. Hunderte von Männern aus der Wirtschaft und Lehre haben sich bis heute zur Kampagne bekannt. Mittlerweile hat sie auch in Norwegen Fuss gefasst. Nun bekommt die Kampagne eine neue Dynamik, denn sie hat unbezahlbare PR erhalten: Melinda Gates hat sich auf Twitter lobend über die skandinavischen Männer geäussert, die «nein, danke» sagen. Ihre Botschaft ging an alle ihre 444000 Follower im sozialen Netzwerk.

Aktivisten dieser neuen Bemühungen, Frauen zu mehr Sichtbarkeit und Gehör zu verhelfen und als Expertinnen zu etablieren, engagieren sich lokal, denken aber global. So sieht die Norwegerin Benja Stig Fagerland die «Nein-Danke»-Kampagne als Teil einer neuen, internationalen Welle des Feminismus, die durch die sozialen Medien angetrieben wird, wie es auf der «TackaNej»-Website heisst.

Auch in der Schweiz gibt es erste Bemühungen, Frauen zu mehr Präsenz zu verhelfen. Mitte Juni findet in St. Gallen der «Fiftyfiftyday», die «erste Wirtschaftstagung mit ausgeglichener Frauen- und Männerbeteiligung» statt. Der Clou: Nicht nur unter den Referenten und auf den Podien, sondern auch im Publikum und im Service sollen Frauen und Männer zu je 50 Prozent vertreten sein.

Der Weg zum Ziel: Frauen und Männer melden sich paarweise an. Das Programm der Tagung ist noch nicht bekannt, wird aber ein «neues, aktuelles Wirtschaftsthema» sein. Die Gender-Thematik steht nicht im Zentrum der Veranstaltung, sondern werde durch die formale Aufgabe gelöst und auf selbstverständliche Weise zum Gesprächsthema der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, heisst es. Von der 50:50-Vorgabe erhoffen sich die Veranstalter «eine besondere Atmosphäre und einen anderen Blickpunkt auf Themen».