Kolumne

Eine haarige Angelegenheit, dieser Frauenfussball

US-Superstar Alex  Morgan.

US-Superstar Alex Morgan.

Worum geht es im Fussball bei den Frauen und Männern? Kolumnistin Katja Fischer De Santi über das Wesentliche im Sport.

Wenn Frauen Fussball spielen, dann geht es um Taktik, Kraft, spielerische Brillanz und den Kampf um Gleichberechtigung. So war es zumindest an der gestern zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft in Frankreich.

Wenn Männer Fussball spielen, geht es um Taktik, Kraft, spielerische Brillanz und Frisuren. Ja, die armen millionenschweren, männlichen Profifussballer werden systematisch auf ihr Äusseres reduziert. Ihre Tattoos, Frisuren und Sixpacks füllen ganze Kommentarspalten. Online gibt es zig Bildergalerien mit Titeln wie: «Das sind die heissesten Fussballer der WM.»

Bei den Frauen halten sich zumindest die deutschsprachigen Medien vornehm zurück. Zu gross die Angst, von einem feministischen Shitstorm vom Platz gefegt zu werden. Zeiten, in denen etwa «20 Minuten» titelte: «Diese Fussballerinnen lassen auch neben dem Platz ihre Bälle spielen», gehören 2019 zum Glück der Vergangenheit an.

Aber wir finden, im Sinne der Gleichberechtigung, man kann nicht über jede neu blondierte Haarsträhne Neymars debattieren, ohne auch bei den Top-Spielerinnen der Frauen haargenau hinzuschauen.

Erstes Fazit: Frauenfussball ist eine ziemlich haarige Angelegenheit. Ob Kopfball oder Angriff, vor lauter wippendem Haar wird man als Zuschau- erin ganz konfus. Fussballerinnen tragen das Haar gerne lang, sehr lang sogar. Der fliegende Pferdeschwanz von US-Superstar Alex Morgan ist schon fast eine Ikone. Und ihr pinkes Haarband hat sogar einen eigenen TwitterAccount. Sowieso diese Haarbänder; sie waren an der WM überall zu sehen. Die Schwedinnen liefen praktisch im Einheits-Frisuren-Look auf: fest nach hinten gezurrter blonder Pferdeschwanz, dazu ein dünnes Haarband, straff um den Kopf gebunden. Es soll ja keine Strähne auf die Idee kommen, sich zu lösen, aus der Form zu geraten, gar die Sicht zu versperren.

Während bei den Männerprofis die Haare auch mal wild im Gesicht kleben und alle paar Minuten gekonnt aus der Stirn gestrichen werden, gilt bei den allermeisten Fussballerinnen: Nur ja keine haarige Ablenkung. Exaltierte Eitelkeiten erlauben sich die wenigsten. Lieber wollen sie mit ihrem Können auffallen, als mit Strähnchen.

Sollte Alex Morgan aber eines Tages so viel verdienen wie Neymar, stört es sie ganz bestimmt nicht, wenn ganze Zeitungsseiten ihrer neusten Frisur gewidmet sind. Auf ihr Äusseres reduziert zu werden, kann sie sich dann leisten.

Bis dahin spielt sie einfach richtig gut Fussball – mit pinkem Haarband.

Autor

Katja Fischer De Santi

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