Jubiläum

Ein präziser Geburtstag: Seit 75 Jahren zeigt die Schweizer Bahnhofsuhr an, was es geschlagen hat

Die Bahnhofsuhr als Kultobjekt.

Die Bahnhofsuhr als Kultobjekt.

Dass seine Schweizer Bahnhofsuhr einmal Kultstatus erlangen und sogar vom Museum of Modern Art in New York gewürdigt würde, damit hat ihr Erfinder wohl nicht gerechnet. Hans Hilfiker (1901 – 1993), Ingenieur für Elektro- und Fernmeldetechnik bei den SBB, hatte zuallererst ein technisches Problem zu lösen. Er musste die Uhren von allen Schweizer Bahnhöfen synchronisieren.

Schon zu Beginn seiner Tätigkeit bei den SBB entwickelte er für den Bahnhofplatz Zürich eine Uhr. Vor 75 Jahren normierten dann die SBB nach Hilfikers Entwürfen die Zifferblätter ihrer Uhren und synchronisierten die Zeitangabe. Dadurch rückte der Minutenzeiger der Bahnhofsuhren in der ganzen Schweiz im Gleichtakt weiter, angestossen durch einen elektrischen Impuls der zentralen Uhr in Zürich. Die Synchronisation war angesichts des immer dichter werdenden, mehr und mehr elektrisch betriebenen Schienenverkehrs nötig geworden.

Auch Apple kupferte ab

Hilfiker sprach von einer «groben Zeitmessung», aber sie sei dennoch für den Bahnbetrieb brauchbar, «der Fahrplan kennt ja nur ganze Minuten». Gleichwohl erhielt die Uhr 1947 einen Sekundenzeiger – und damit ein neues Markenzeichen. Aus technischen Gründen stand dieser Zeiger nach einer vollen Umdrehung für etwa zwei Herzschläge still. Das ist bis heute so, auch wenn dies technisch längst nicht mehr nötig wäre. Doch dieser Aussetzer hat zum Kultstatus der Uhr beigetragen. 1952 gestaltete Hilfiker dann das bis heute bestehende schlichte, aber zweckmässige Zifferblatt, dessen Sekundenzeiger an die Abfertigungskelle des Stationsvorstands erinnert. «Das wars, das Signal des Abfertigungsbeamten. Als Kelle kreist der Sekundenzeiger mit einem weithin sichtbaren runden Fleck auf dem Zifferblatt», erklärte Hilfiker. Schon aus der Ferne sieht der Bahnreisende, ob er zu einem Sprint ansetzen muss oder ob er es noch locker nehmen kann. In einem Text des Museums für Gestaltung in Zürich ist deshalb von dieser Uhr auch als von einem «höchst effizienten visuellen Kommunikationsmittel» die Rede.

Das formal reduzierte Design der Uhr traf den Geschmack seiner Zeit. Für Hilfiker stand die «schöne Form» nicht im Vordergrund, sondern die Zweckmässigkeit, die Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit eines Produkts. Er sagte dazu: «Ich bin schon über 40 gewesen, als ich die Liebe zur Form mit Mechanik und Elektrotechnik fusioniert habe.»

Die Bahnhofsuhr wird gerne als Sinnbild für Schweizer Präzision und Pünktlichkeit gesehen. Dem kann nichts anhaben, dass gerade die SBB diesen «Nationaleigenschaften» schon überzeugender nachgekommen sind. Zur Erfolgsgeschichte der rechtlich geschützten Uhr gehört auch, dass sie weltweit eingesetzt oder aber abgekupfert wird. Sie wird von der Firma Moser-Baer in der Berner Gemeinde Sumiswald unter Lizenzvergabe der SBB hergestellt.

Im Jahr 1986 gaben die Bundesbahnen der Zürcher Uhrenfirma Mondaine die Lizenz, die Bahnhofsuhr als «Official Swiss Railways Watch» für das Handgelenk zu produzieren. Seit ein paar Jahren funktioniert ein Typ der Uhr sogar mit elektronisch gesteuertem Sekundensprung. Dass die Uhr weltweit am Handgelenk getragen werden konnte, hat sie auch zum Design-Klassiker werden lassen.

Auch der Technologiekonzern Apple wurde auf sie aufmerksam und übernahm das berühmte Kellenzifferblatt als Weltzeituhr für seine Mobilgeräte. Die Erlaubnis dafür hatte Apple allerdings bei den SBB nicht eingeholt, was zu einem juristischen Streit führte. Schliesslich musste Apple eine Lizenzgebühr nachzahlen.

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