Verena Brunschweiger ist Lehrerin an einer Schule in Bayern, Ökoaktivistin und Feministin, verheiratet und bewusst ohne Familie. Kürzlich ist ihr Buch «Kinderfrei statt kinderlos» erschienen, ein «Manifest» für den bewussten (und nicht unfreiwilligen) verzicht auf Nachwuchs. Sie sagt: «Ein Kind ist das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann.»

Der Aufruhr ist gross. Und so ist Verena Brunschweiger laut den Medien auch die «momentan meistgehasste Frau in Deutschland». 

Wenn man sie als kinderfeindlich bezeichnet, fühlt sie sich allerdings missverstanden, wie Brunschweiger in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri sagte. Als Lehrerin arbeite sie gern mit Kindern. Für niemanden anderen als für diese Kinder wolle sie ja auch die Umwelt retten.

Wasser- und Ressourcenkriege

Sie selbst hat sich die Frage gestellt: «Was tue ich der Umwelt an mit einem weiteren Kind?» Ihre Antwort: viel.

Sie frage sich auch, was man einem Kind antue, indem man ihm eine Zukunft zumute, wie sie derzeit vorhergesagt werde. Ihre Antwort: viel. Von Wasser- und Ressourcenkriegen spricht sie, die in einigen Jahrzehnten auch Europa erfassen werden würden.

Acht Jahre lang habe sie recherchiert und sei unter anderem zum Schluss gekommen: Kein Kind auf die Welt zu bringen, ist der grösstmögliche individuelle Beitrag zum Kilmaschutz. Da ihr dieser so wichtig sei, sei es ihre moralische Verpflichtung, diesen Beitrag zu leisten. «Andere Leute können das mit ihrem Gewissen vereinbaren, dann ist mir das auch recht. Aber ich könnts nicht.»

Nicht Mutter zu werden sei für sie einer von vielen Beiträgen zum Umweltschutz – neben dem Verzicht auf Flugreisen, Autofahren oder Fleischkonsum. Doch: «Dass ich dann deswegen blöd angeredet werde, das finde ich halt ein starkes Stück.»

«Das muss ich mir nicht antun»

Boykottiert und diskriminiert fühlt sie sich. Wegen ihres Buches und grundsätzlich als Frau ohne Kinder. Sie hat gemerkt: «Wer an diesem heiligen goldenen Kalb rührt, ist schon eine verbrennungswürdige Hexe.» Und: «Man ist nur eine brave deutsche Frau, wenn man ein Kind bekommen hat.» Das «pronatalistische Dogma» nennt sie dieses Phänomen. 

Als Feministin stört sie auch die aktuelle Rollenverteilung in der Familie: «Studien belegen, dass die Mutter immer mehr zu tun hat in der Erziehung oder im Haushalt als der Vater. Das muss ich mir nicht antun.»

Brunschweiger wäre für eine globale – freiwillige – Einkindpolitik. Aber: «Im Prinzip muss jede Frau selber wissen, in welche Gefängnisse sie sich begeben will – oder eben nicht.» (smo)