Bergsteiger-Unglücke

«Dass eine Wechte weit hinten reisst, ist normal»

Wunderschön, aber nicht ohne Gefahren:  Der Gornergletscher (vorne) und hinten Teile des Monte-Rosa-Massivs. Auf dem Weg zur Dufourspitze (rechts) waren die drei Walliser Bergsteiger, die am Sonntag in den Tod stürzten. Unterwegs zum Pollux (links) starben  zwei weitere Bergsteiger. (Archiv)

Wunderschön, aber nicht ohne Gefahren: Der Gornergletscher (vorne) und hinten Teile des Monte-Rosa-Massivs. Auf dem Weg zur Dufourspitze (rechts) waren die drei Walliser Bergsteiger, die am Sonntag in den Tod stürzten. Unterwegs zum Pollux (links) starben zwei weitere Bergsteiger. (Archiv)

Drei Bergsteigern am Monte-Rosa-Massiv wurde der tückische Abbruch einer Wechte zum Verhängnis. Insgesamt starben sechs. Nur einer hatte am Wochenende Glück, weil ihm unwohl war.

Es ist ein schöner, breiter Schneerücken, der von einem 4000er zum nächsten führt; die Route zwischen der Signalkuppe (4554 m) und der Zumsteinspitze (4563 m) ist kurz und einfach. Doch die Gefahr lauerte im Versteckten auf die drei Schweizer Bergsteiger, die am Sonntag dort auf die italienische Seite stürzten: Eine Wechte unter ihnen brach ab. Wie weit die Schneemassen über den Grat hinausreichten, konnten die Bergsteiger von oben nicht sehen. Das ist das Tückische an Wechten. Und wenn sie abbrechen, dann meist weit hinten, wie der der Fachleiter Ausbildung des Schweizer Alpen-Club, Bruno Hasler, sagt. «Dass eine Wechte so weit hinten reisst, ist normal.»

Oft ist es im Schnee einfacher, in einer bereits angelegten Spur zu gehen. Also folgten am Sonntag der Spur zur Zumsteinspitze viele Bergsteiger und wiegten sich dabei in falscher Sicherheit. Hasler sagt dazu: «Eigentlich machte der Erste, der dort durchging, den Fehler.» Doch er gibt auch zu bedenken, dass es schwierig sei, einzuschätzen, wo genau der Grat unter den Schneemassen liege und wie viel Abstand man also zur Kante der Wechte halten müsse.

Am vergangenen Wochenende forderte das Monte-Rosa-Massiv neben den drei Schweizern noch drei weitere Tote. Diese stürzten jedoch aus anderen Gründen.

Dritter hatte Glück im Unglück

Die zweite Tragödie ereignete sich wenige Stunden nach jenem Unglück bei der Signalkuppe: Weiter westlich am Grenzgrat zwischen der Schweiz und Italien stürzten wahrscheinlich am Sonntagnachmittag zwei deutsche Bergsteiger auf die italienische Seite in den Tod. Sie waren auf einer Eisplatte am Castor ausgerutscht. Die Bergsteiger waren 36 und 50 Jahre alt.

Später stellte sich heraus: Die Bergsteiger waren am Sonntag zuerst zu dritt unterwegs gewesen. Dies sagte Tiziano Trevisan vom Bergrettungsdienst im Aostatal gegenüber der Aargauer Zeitung. Doch vor dem Absturz wurde der dritte Bergsteiger in der Seilschaft von der Air Zermatt ins Spital geflogen. Ihm sei unwohl gewesen, teilt die Kantonspolizei Wallis auf Anfrage mit. Dass er daher später nicht mehr mit seinen Kollegen unterwegs war, hat ihm ziemlich sicher das Leben gerettet. Ein Bergführer sah die beiden toten Bergsteiger am Montagmorgen vom Pollux aus auf 3800 Metern liegen. Sie waren mehrere hundert Meter über Felsen hinunter gefallen. Die Gipfel der Berg-Zwillinge Castor und Pollux liegen nur einen Kilometer weit auseinander.

Ein sechster Alpinist verunglückte am Montag im Abstieg vom Castor zum Felikjoch, weil er stoplerte. Der 64-jährige Holländer war Teil einer Fünfergruppe, die nicht angeseilt war.

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