Kolumne

«Auf ein Wort»-Kolumne: Von vorbildlichen Revoluzzern

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Die Mundartkolumne diesmal zu einem Wort, das der herrschenden Klasse seit jeher Sorgen bereitet.

Putsch ist schon lange ein internationales Wort; man hat es gerade wieder im Zusammenhang mit Donald Trumps Reaktion auf sein Amtsenthebungsverfahren angetroffen. Ursprünglich ist es schweizerdeutsch und bedeutet lautmalend ‹Stoss, Zusammenstoss›.

Wer auf dem Trottoir ständig in sein Bildschirmkästchen starrt, riskiert, dass er mit öpperem zämepütscht. Früher hat man mit den Weingläsern aaputscht, und in vielen Gegenden putschte oder pütschte man auch mit Ostereiern.

Stossen politische Gegner aufeinander, so kann ein Putsch im Sinne eines Umsturzes entstehen. So geschah es oft im 19. Jahrhundert zwischen Konservativen und Liberalen.

Beim Freiämter Putsch zogen im Dezember 1830 die Freiämter nach Aarau, beim Züriputsch im September 1839 führte der Zug vom Zürcher Oberland nach Zürich, und in beiden Fällen wurde die Regierung abgesetzt.

Gottfried Keller hat zur Verbreitung des Wortes beigetragen, als er im «Grünen Heinrich» schrieb: «Das Wort Putsch stammt aus der guten Stadt Zürich, wo man einen plötzlichen vorübergehenden Regenguss einen Putsch nennt und demgemäss die eifersüchtigen Nachbarstädte jede närrische Gemütsbewegung, Begeisterung, Zornigkeit, Laune oder Mode der Züricher einen Zürichputsch nennen. Da nun die Züricher die ersten waren, die geputscht, so blieb der Name für alle jene Bewegungen.»

Der «putsch des généraux» 1961 in Algier misslang, die Putschisten wurden verurteilt. Und wie der Putsch gegen Donald Trump ausgeht, kann man noch lange nicht sagen; wahrscheinlich war es halt doch kein Putsch.

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