Kolumne

«Auf ein Wort»-Kolumne:  Chömed echli nööcher!

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Mundartexperte: Niklaus Bigler. Bild: CH Media

Die Mundartkolumne diesmal zu einem Wort, das im Dialekt in allen möglichen Variationen vorkommt.

Hochdeutsch nahe und nach gehen beide auf althochdeutsch nāh zurück; im Schweizerdeutschen Wörterbuch ist daher alles Einschlägige unter einem Ansatz vereinigt.

Es kommen da recht verschiedene Lautungen zusammen. Bei ‹nahe› hat sich im Berner Mittelland und Oberland sowie im Kanton Glarus die Form naach erhalten, im Norden sagt man nooch. Wie bei Straass wurde hier das lange a zu o (in Abstufungen) verdumpft.

In Teilen der Nordostschweiz ist zudem der Vokal umgelautet: neech im südlichen Kanton Zürich und im Ostaargau, nördlich davon nööch. Wer früher in Zürich föif neech Sächsi sagte, der meinte die Zeitangabe fünf vor sechs Uhr.

Bei den Formen der Steigerung kommt dann der Umlaut überall vor. Einem Neugierigen sagte man im Suhrental: Du hesch d Naasen immer z nööchst! Natürlich gelten die verschiedenen Vokale auch bei den Ableitungen, etwa bei Nööchi / Neechi.

Die gelb markierten Wanderwege führen selten der Nööchi noo, da es sonst Konflikte mit dem Autoverkehr gibt. Es nööchigs (berndeutsch näähigs) Rind ist eines, das bald kalben wird.

Naa(ch) als Präposition und Adverb hat sich lautlich und semantisch anders entwickelt, obwohl es wie gesagt den gleichen Ursprung aufweist wie das Adjektiv. Er isch de Wände noo ggange, nachdem er etwas viel getrunken hatte.

Die Fügung nach und nach ist nordschweizerdeutsch zu noo(un)dnoo, noodi(s)noo, noodigsnoo geworden: Noodisnoo isch es still woorden im Saal.

Eine bemerkenswerte Zusammensetzung ist das Gangmernoo, Laufmernoo, eine Substanz, die einen unwiderstehlichen Liebeszauber auslöste – das Rezept ist nicht überliefert.

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