Leben

Auf dem Weg zum Liebesbad: Alles zur aktuellen Froschwanderung in 7 Grafiken

Dieses Jahr sind die Frösche, Kröten und Molche früh auf ihrer gefährlichen Wanderung. Sie starten wie auf ein geheimes Zeichen.

Es regt sich etwas im Unterholz, zwischen Holzstapeln, unter Laubhaufen und in Erdlöchern: Die Amphibien ziehen los. Jedes Jahr wie auf ein geheimes Signal machen sich Frösche, Kröten und Molche abends in Gruppen von Hunderten von Tieren auf zu den Laichgewässern. René Amstutz von Pro Natura sagt:

© CH Media

Dieses Jahr sind die Tiere besonders früh dran, weil der Winter mild war. Sie hüpfen, klettern und stossen da und dort auf Zäune: Rund 1000 Strassenabschnitte in der Schweiz sind in den Zeiten der Amphibienwanderungen durch Fangzäune geschützt. Dort tragen Freiwillige zweimal täglich die in die Kübel entlang der Zäune gefallenen Tiere über die Strasse. Das ist auch gut für die Automobilisten, die ansonsten unabsichtlich Massaker anrichten würden.

© CH Media

Manuel Steinmann, verantwortlich für die Amphibienwanderung beim Kanton Luzern, sagt:

Christoph Noger vom Naturschutzverein St.Gallen berichtet, dass die ersten vier Erdkröten schon am 2. Februar gewandert seien. Das Wochenende vom 23. Februar sei bereits ein richtiges Amphibien-Wochenende gewesen. Warme Winter haben gute und schlechte Auswirkungen auf die Amphibien. Die Tiere verbrauchen mehr Fettreserven, weil der Stoffwechsel dann schneller läuft und sie sich mehr bewegen. In einer echten Winterstarre sind sie nie, der Begriff ist irreführend. Christoph Noger hat zum Beispiel am 6. Januar zwei Grasfrösche unter der Eisschicht in einem Weiher schwimmen gesehen.

Andererseits zeigen Studien, dass nicht weniger Laichschnüre abgelegt werden und je nach Art mehr Tiere überleben. Die Forscher hoffen, dass sich die Tiere schnell genug an den Klimawandel anpassen können.

© CH Media

Die Rückwanderungen geschehen ohne Schutz

Die Rückwanderung zieht sich in die Länge, da sich die Tiere unterschiedlich lange am Gewässer aufhalten: Die Weibchen wandern nach dem Ablaichen direkt in die Sommerlebensräume, die Männchen bleiben etwas länger in der Hoffnung sich mit mehreren Weibchen paaren zu können. Die Wanderung der Jungtiere Ende Sommer dann ist weniger konzentriert, da sich die Larven nicht gleich schnell entwickeln und die Jungtiere zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus dem Wasser kommen. «Der Termin ist schwer zu bestimmen und zieht sich in die Länge. Deshalb ist der Schutz nicht machbar», sagt Silvia Zumbach von der Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz in der Schweiz (Karch). Mit zunehmendem Verkehr führt das zum Rückgang der Bestände.

© CH Media

Aktuell wird die neue Rote Liste erstellt. Zumbach sagt: «Durch die Schutzmassnahmen sind weniger Arten aus einzelnen Gewässern verschwunden im Vergleich zur Roten Liste 2005, allerdings gehen die Populationsgrössen bei allen Arten, auch bei den häufigen wie Grasfrosch und Erdkröte weiter drastisch zurück». Vom Rückgang besonders stark betroffen sind Arten, welche auf temporäre Tümpel und vegetationsarme Böden spezialisiert sind, wie die Kreuzkröte und die Gelbbauchunke.

Es gibt in der Schweiz nur 19 Amphibienarten, bekannt sind weltweit 7000. Sie sind wunderliche Wirbeltiere. Ihre Haut beispielsweise ist phänomenal: Sie müssen nicht trinken, weil die Haut Flüssigkeit aufnehmen kann und sogar Sauerstoff. Und sie besitzt Drüsen, welche Gifte oder Bitterstoffe absondern.

Meistgesehen

Artboard 1