Leben

1000 Milliarden Bäume vom WEF: Mehr als nur ein PR-Gag

Eine Buche bindet ungefähr 125 Kilogramm CO2 pro Jahr.

Eine Buche bindet ungefähr 125 Kilogramm CO2 pro Jahr.

Klaus Schwab hat am WEF eine Klima-Initiative angekündigt, dank der weltweit eine Billion Bäume angepflanzt werden sollen. Fünf Fragen und Antworten  dazu.

Ist die Aktion mit den 1000 Milliarden Bäumen mehr als ein PR-Gag?

Gemäss dem WEF-Gründer Klaus Schwab bezweckt die Initiative nicht, dass die in Davos weilenden Firmen diese unvorstellbare Zahl an Bäumen selbst anpflanzen. Diese sollen in dem vom WEF zur Verfügung gestellten Rahmen mitwirken, damit diese gepflanzt werden. Es braucht dazu gemäss Schwab ein ganzes System: Satellitenbilder, um zu wissen, wo welche Bäume zu pflanzen sind, Regierungen, die mitmachen, wie Schwab der NZZ erklärt hat. Das WEF schafft eine Plattform, die diesen Prozess ermöglichen und leiten soll.

Hilft die versprochene Billion neuer Bäume dem Klima?

Bäume binden CO2 aus der Luft, wenn sie wachsen. Das Anpflanzen von Bäumen leistet somit einen Beitrag. Wenn die Bäume verfaulen oder verbrennen, geht das Kohlendioxid wieder zurück in die Atmosphäre. Mehr Bäume leisten damit zwar einen einmaligen Beitrag an die CO2-Senkung, aber nur so lange die Biomasse deswegen zunimmt. Entscheidend ist auch, wie schnell und wo die Bäume gepflanzt werden können.

Wieviel Kohlendioxid nimmt denn ein einzelner Baum auf?

Das hängt von der Baumart, der Grösse und seiner Lebensdauer ab. Eine Buche nimmt pro Jahr rund 12,5 Kilogramm CO2 auf. Um eine Tonne CO2 zu binden, muss man also 80 Bäume pflanzen. Die WEF-Initiative würde in einem einzigen Jahr somit theoretisch 12,5 Milliarden Tonnen CO2 binden.

Sind Aufforstungen überhaupt eine geeignete Klimamassnahme?

In einer ETH-Studie wurde im vergangenen Jahr berechnet, dass theoretisch mit weltweiter Aufforstung, was die WEF-Initiative zum Teil ja auch ist, 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden werden. Das würde gemäss dem ETH-Klimaforscher Reto Knutti 20 Jahre der heutigen weltweiten CO2-Emissionen kompensieren. Andere Studien sagen allerdings, dass der Nutzen fünf Mal kleiner ist. Unter anderem weil Feuer oder Tiere den Baumbestand in gewissen Regionen klein halten. Zudem würde es viele Jahrzehnte dauern, bis der Baumbestand gross ist. Und in gewissen Regionen der Welt wird man aus verschiedenen Gründen die Bäume nicht pflanzen wollen. Zum Beispiel, weil das Land anders genutzt wird, man das bestehende Ökosystem behalten will oder die Bäume in Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nutzung stehen. Der CO2-Anstieg wird damit somit eventuell nur um ein paare Jahre verzögert.

Lohnt sich somit das Aufforsten überhaupt?

Ja, auf jeden Fall. Es sichert zumindest die eminent wichtige Fähigkeit der Wälder, weiterhin Kohlendioxid zu binden. Zudem hilft das Anpflanzen von Bäumen, die Biodiversität zu erhalten oder sogar zu verbessern. Deshalb muss auch die Rodung von Regenwäldern weltweit gestoppt werden. Die Aufforstung ist aber nur ein Teil der Lösung des Klimaproblems und gibt uns Menschen ein paar Jahre mehr Zeit. Das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle muss aber in den nächsten Jahrzehnten trotzdem gestoppt werden.

Autor

Bruno Knellwolf

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