Ammoniumnitrat
Katastrophe von Oppau 1921 war wohl die grösste zivile Explosion der Geschichte

Am 21. September 1921 explodierten in Oppau, in der Nähe von Ludwigshafen, in einer Düngerfabrik der BASF rund 4500 Tonnen einer Mischung aus Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrat (400 Tonnen). Es war wahrscheinlich die grösste zivile Explosion der Geschichte.

christoph bopp
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Der Krater auf dem Fabrikgelände.

Der Krater auf dem Fabrikgelände.

info Oppau

Die Zerstörungskraft der Explosion war ungeheuer gross. Im Umkreis von 1,5 Kilometern wurden alle Gebäude völlig zerstört, Zerstörungen waren bis in eine Entfernung von 75 Kilometern zu beobachten. Die Explosion war auch in Zürich, München und Göttingen spürbar. Der Krater war 165 Meter lang, 96 Meter breit und 18,5 Meter tief. 12 000 Kubikmeter Erde wurden weggesprengt. Offiziell gab es 559 Tote, die Vermissten und nicht mehr Auffindbaren eingerechnet. 1977 Menschen wurden verletzt, 1870 obdachlos.

Die Monstersprengungen der Engländer während des Ersten Weltkriegs in Flandern waren vergleichbar. Die Grösste verursachte einen Krater mit einem Durchmesser von 130 Metern und einer Tiefe von 12 Metern. Am 6. Dezember 1917 stiessen in Halifax (Kanada) zwei Munitionsfrachter zusammen. Die Explosion zerstörte den Stadtteil Richmond total und forderte 1500 Tote und 9000 Verletzte.

Ammoniumnitrat wurde in Sprengstoffen verwendet, durch Beimischung von Ammoniumsulfat schien es die Brisanz zu verlieren. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden vor allem Düngemittel produziert. Weil die Bauern zwei Mal im Jahr Düngemittel brauchten, die Werke aber das ganze Jahr über produzierten, musste der Dünger gelagert werden. Ammoniumnitrat war hygroskopisch (es entzog der Luft Wasser) und die Mischung neigte stark zum Verklumpen. Nach einer gewissen Zeit konnte man sogar mit Hacken oder Baggern nichts mehr ausrichten. Es brauchte deswegen Lockerungssprengungen. Dazu wurden normale Sprengkapseln verwendet, das Verfahren war gut geprüft und schien sicher.

Warum am 21. September 1921 ein Routinevorgang zu einer Katastrophe führte, konnte nicht hundertprozentig geklärt werden. Man vermutete schliesslich, dass ein neues Produktionsverfahren die physikalischen Eigenschaften der Salze verändert hätten, wodurch die Explosivitätsfähigkeit gestiegen sei. Natürlich gab es auch die üblichen Spekulationen, die Deutschen hätten Sprengstoff hergestellt und gelagert (was gemäss dem Versailler Vertrag verboten war). Allein das Argument, so etwas hätte man kaum in einem Werk gemacht, das im besetzten Gebiet lag, konnte die Vorwürfe entkräften.

Die Explosion von Beirut zerstörte den Hafen und grosse Teile der Stadt:

Kurz vor 18 Uhr (Lokalzeit) hörte man in der Umgebung von Beiruts Hafen mehrere Explosionen.
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Die Detonationen ereigneten sich in der Gegend des Hafens. Bei der Explosion hatte sich eine riesige Pilzwolke am Himmel gebildet.
Im vor 20 Jahren sanierten Stadtzentrum von Beirut, das östlich des Hafens liegt, wurden durch herumfliegende Glas - und Metallsplitte zahlreiche Personenwagen schwer beschädigt.
Die Druckwelle der Explosion beschädigte die Schweizer Botschaft schwer. Die Botschafterin und ein Mitarbeiter wurden dabei leicht verletzt. Bild: EDA
Auf Videofilmen und Bildern sieht man Passanten, die mit blutendem Gesicht und Kopfwunden.
Die Zahl der Verletzten wird mit mindestens 4000 angegeben.
Beiruter Fernsehsender und das Gesundheitsministerium meldeten nach Sonnenuntergang mindestens 78 Tote.
Bereits am Mittwochmorgen gaben die Behörden an, dass es wohl mindestens 100 Todesopfer seien.
Hunderte werden in den Trümmern noch vermisst.
Wegen der grossen Zerstörung seien bis zu 250'000 Menschen obdachlos.
Während der Löscharbeiten seien 10 Feuerwehrleute gestorben.
Grosse Teile des Stadtzentrums sind zerstörst, unzählige Häuser wurden stark beschädigt.
Auch Autos und Strassen wurden durch die Detonation beschädigt.
Der hafen, wo sich die Explosion ereignete, wurde komplett vernichtet.
Die Hintergründe der Explosionen blieben zunächst unklar. Ausgelöst haben könnte die schwere Explosion eine sehr grosse Menge Ammoniumnitrat.
Schätzungsweise 2750 Tonnen der gefährlichen Substanz seien jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden.
Bei der Detonation wurden auch mehrere Krankenhäuser stark beschädigt.
Die verbleibenden Spitäler gerieten an ihre Kapazitätsgrenzen wegen der vielen Patienten.
Vielerorts müssen verwüstete Krankenhaus-Zimmer zuerst wieder in Stand gesetzt werden.
Nach wie vor suchen die Rettungskräfte in den Trümmern nach Verletzten.
Seit Dienstagabend sind Löschhelikopter im Einsatz um die Brände im Hafen zu löschen.
Das Gelände ist vom Boden aus nur schwierig zu erreichen.
Weite Teile des Hafens wurden komplett zerstört.
Auch Schiffe wurden durch die Detonation und die Druckwelle beschädigt – darunter ein Kriegsschiff der UNO-Friedenstruppen.
Der Morgen danach: Ein Bild der Zerstörung.
Eine Druckwelle fegte über die Stadt hinweg.
Ein Grossteil der Gebäude wurde dem Erdboden gleichgemacht.
Der Hafen wurde bei der Explosion zerstört.

Kurz vor 18 Uhr (Lokalzeit) hörte man in der Umgebung von Beiruts Hafen mehrere Explosionen.

Keystone