Royals
Schlammschlacht im Königshaus: Harry ist von Vater und Bruder tief enttäuscht

Prinz Harry hat sich bei seiner Kritik am Königshaus auf Charles eingeschossen, die Queen aber geschont. Aus gutem Grund.

Sebastian Borger aus London
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Prinz Harry kritisiert unter anderem seinen Vater und seinen Bruder. Die Queen greift er nicht an.

Prinz Harry kritisiert unter anderem seinen Vater und seinen Bruder. Die Queen greift er nicht an.

Matt Dunham / AP

Sie habe so etwas wie Gefangenschaft erlebt, sagte Meghan Markle in ihrem explosiven Gespräch mit der US-Talkkönigin Oprah Winfrey. Ihr Gatte legte nach: «Ich war gefangen, aber ich wusste das nicht einmal.» Erst die Flucht nach Kalifornien im vergangenen Jahr, so Prinz Harry, habe ihm ein «märchenhaftes Leben» an der Seite seiner Frau ermöglicht. Hingegen existieren sein Vater Charles und sein Bruder William, der Erste und Zweite der Thronfolge, auch weiterhin in einem unbewussten Zustand der Gefangenschaft.

Verheerend wirkt auch Markles Behauptung, ein nicht genanntes Mitglied der Königsfamilie habe sich darüber Gedanken gemacht, «wie dunkel die Hautfarbe» ihres damals noch ungeborenen Sohnes Archie ausfallen werde. Die Schwangere selbst war nicht Teil dieser Konversation, sondern gab ­Harrys Version weiter. Dass die beiden Winfreys Nachfragen nach dieser Person abwehrten, stellten sie als Schutz der Institution dar. In Wirklichkeit würde es natürlich einen beträchtlichen Unterschied machen, ob der 99-jährige Prinz Philip sich einen seiner notorisch schlechten Witze erlaubt oder die 39-jährige Herzogin von Cambridge Kate Middleton diese Art von Rassismus offenbart hatte.

Die Attacke auf Prinz Charles zum Schutz der Queen

Für die Zukunft der Monarchie noch schwerer wiegt Harrys Angriff auf seinen Vater Charles: Von diesem sei er schwer enttäuscht worden, weil der Thronfolger nach dem Umzug des Herzogpaares die Annahme von Anrufen verweigert habe. «Da ist viel Schmerz entstanden. Ich werde auch weiterhin versuchen, diese Beziehung zu kitten», sagte der Prinz.

Nicht ganz ungeschickt hat sich der 36-Jährige den doppelt so alten Vater als Zielscheibe seines Frustes gewählt. Ein Angriff auf die Queen käme weder bei Briten noch bei Amerikanern gut an, zu sehr geniesst die 94-Jährige die Achtung vieler Menschen weltweit vor ihrer Lebensleistung, ihrem stoischen Ausharren aller Dinge. Auch den Bruder William, Zweiten der Thronfolge, frontal anzugreifen, würde jedenfalls auf der Insel wohl zu einer Gegenreaktion führen. Charles hingegen betrachten viele Briten ohnehin mit Skepsis, nicht zuletzt seiner Selbstbezogenheit und Larmoyanz wegen, die sich offenbar stufenlos auf die nächste Generation vererbt hat.

Und der Palast schweigt zu den Abtrünnigen

Antworten aus dem Palast wird die Öffentlichkeit wohl keine erhalten, jedenfalls dann nicht, wenn die altgedienten Royals und ihre Berater gemeinsam noch einen Funken Verstand haben. Die Entfremdung vom Sechsten der Thronfolge und seiner Celebrity-Gattin in Kauf genommen zu haben, ist eine Sache. Nun noch nachzutreten verliehe dem traurigen Konflikt eine ganz andere Dimension, die man allen Beteiligten kaum wünschen kann.