Grossbritannien
Mini-Abdankung für Prinz Philip – aber was passiert eigentlich, wenn die Queen stirbt?

«London Bridge is down» («Die London Bridge ist gefallen»): Mit diesen Worten wird der Prozess eingeleitet, der dereinst auf den Tod der Königin folgt. Unklar ist, wie der neue König heissen wird.

Sebastian Borger aus London
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Bild aus glücklicheren Tagen: Prinz Philip lebte noch und es gab weniger Skandale um die Royals.

Bild aus glücklicheren Tagen: Prinz Philip lebte noch und es gab weniger Skandale um die Royals.

Bild: Keystone

Neun Tage Staatstrauer, schwarze Krawatten im Parlament, ausgesetzter Wahlkampf in Schottland und vertagte Fussballspiele: Das ganze Königreich trauert um den verstorbenen Gemahl der Königin. Wie wohl die Stimmung in der Nation sein wird, wenn dereinst die «Operation London Bridge» – so der Codename für die Massnahmen, die im Falle des Todes der Königin notwendig werden – in Kraft tritt?

Seit vielen Jahren sprechen Abgesandte mehrerer Ministerien, der Streitkräfte, der Polizei und der Londoner Stadtverwaltung regelmässig miteinander über das «unausweichliche Ereignis, dessen Timing unklar ist». Klar ist: Der Tod von Elizabeth Alexandra Mary Windsor, Monarchin des Vereinigten Königreiches von Grossbritannien und Nordirland sowie weiterer 15 Mitgliedsstaaten des Commonwealth, von Australien bis Tuvalu, wird im Land nicht nur für grosse Trauer, sondern auch für komplexe Manöver sorgen.

«London Bridge is down» («Die London Bridge ist gefallen»), lautet das Codewort, mit dem der Privatsekretär Ihrer Majestät den amtierenden Premierminister von Elizabeths II. Ableben berichten wird. Der Moment markiert gleichzeitig den Beginn der Amtszeit des neuen Staatsoberhauptes: «The Queen is dead, long live the King!» («Die Königin ist tot, lang lebe der König!») Auf der Insel, so Elizabeths Biograf Thomas Kielinger, «gibt es keinen monarchiefreien Tag»– jedenfalls nicht seit 1660, dem Ende der Cromwell’schen Republik.

Sollte die hochbetagte Monarchin nach kurzer Krankheit im Beisein der engsten Familie sterben, würde sich eine Szene wiederholen, die royale Fans aus der glamourösen TV-Serie «The Crown» kennen. In der Fernsehfiktion knien die Verwandten noch am Sterbebett Georgs V. vor dessen ältestem Sohn David nieder und küssen ihm die Hand.

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Ähnliches würde in diesem Fall auch dem echten König Charles widerfahren – wobei keineswegs ausgemacht ist, ob sich der Prinz von Wales seines Geburtsnamens bedienen oder in Anknüpfung an seinen Grossvater als Georg VII. den Thron besteigen will.

Würde Charles zu Gunsten von William auf die Krone verzichten?

Besteigen will er ihn auf jeden Fall, daran hat der 72-Jährige nie einen Zweifel gelassen. Für «ausgeschlossen» halten Royal-Experten die Spekulation, die Krone könne von der Grossmutter auf den Enkel William, 38, übergehen. Die Idee ignoriert nicht nur das Grundprinzip der Erbmonarchie, sie geht auch über die erklärten Bedürfnisse des jungen Familienvaters hinweg.

Noch am Todestag ruft der Kronrat im Beisein des Nachfolgers feierlich dessen Namen aus, die Parlamentarier schwören ihren Eid auf das neue Staatsoberhaupt. Da befindet sich das Königreich längst in einer zehntägigen Staatstrauer, die mit der Totenmesse in Westminster Abbey und der Beisetzung der sterblichen Überreste auf Schloss Windsor endet.

Zu diesem Zeitpunkt dürften zwei politische Fragen geklärt sein: Geben sich die Briten mit Queen Camilla zufrieden? Und wichtiger: Wollen einige der 15 anderen Staaten, deren Staatsoberhaupt Elizabeth II. derzeit noch ist, den Zeitpunkt ihres Ablebens dazu nutzen, sich vom Mutterland abzunabeln? Pläne dafür gibt es etwa in Neuseeland, aber auch in einigen kleineren karibischen Commonwealth-Mitgliedern.

Prinz Philips Leben in Bildern:

Prinz Philip, der treue Gefährte der Queen, ist im Alter von 99 Jahren gestorben.
16 Bilder
Prinzessin Elisabeth mit ihrem Ehemann Prinz Philip 1951.
Der rüstige Marineoffizier und die stets elegant gekleidete Queen - ein Paar das gut in die traditionelle Welt der Royals passte.
Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip im Juni 2016: Eine Liebe, die ein Leben lang hielt.
Prinz Philip nahm seine Aufgaben im Königreich bis ins hohe Alter wahr.
Prinz Philipp war ein Mann mit Humor und ein Mann mit einer hohen Loyalität.
Schon im Alter von 13 Jahren verliebte sich die Queen in ihren Philip.
Stets treu an der Seite der Queen, hielt sich Prinz Philip dennoch meistens im Hintergrund: Hier zu Besuch beim damaligen Amerikanischen Präsidenten George H.W. Bush und First Lady Barbara Bush.
Queen Elisabeth II. und Prinz Philip an einer der vielen traditionellen Paraden.
Die Royal Family auf dem Balkon des Buckingham Palace - Prinz Philip selbst war vierfacher Vater.
Nach der Hochzeit 1947 winken die beiden vom Balkon des Buckingham Palace.
Das Paar 1953. Das Geheimnis einer langen Ehe beschrieb Prinz Philip mit den Worten «unterschiedliche Interessen».
Während Elizabeth sich vor allem für ihre Pferde und Hunde interessierte, spielte der Prinzgemahl Hockey und Cricket und versuchte sich als Maler und Photograph.
Queen Elizabeth II. und Prinz Philip an einem Pferderennen - gelobt wurde er oft für «seine wunderbar zurückhaltende Eleganz». (Archivbild)
Prinz Philip verkörperte den englischen Gentleman.
Von der Nation wurde er trotz Kritik vor allem am Ende seines Lebens geliebt und respektiert.

Prinz Philip, der treue Gefährte der Queen, ist im Alter von 99 Jahren gestorben.

KEYSTONE/AP Pool The Sun/ARTHUR EDWARDS