Ein Einkaufskörbli würde kaum ausreichen, um von jeder möglichen Gefahrenquelle eine Probe zur Kasse zu schleppen. Die Listeria-Bakterien fühlen sich in verschiedenen Lebensmitteln wohl. Sie können sich im vorgeschnittenen Salat, im Weichkäse, im rohen Fisch oder im ungekochten Fleisch verstecken.

Entsprechend schwierig ist es, die Herkunft des Erregers zu finden, der eine Listeriose auslöst. Seit Juni verzeichnen die Behörden einen Ausbruch, bei dem die Bakterien alle dem selben Subtyp angehören und deshalb von der selben Quelle stammen müssen. Bis heute ist der Herd allerdings unbekannt. Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) sagt: «Wir haben immer noch keinen Verdacht, wo sich die kontaminierte Quelle befindet.» Es sei äusserst schwierig, diese zu finden. Deshalb hat das BAG das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) beauftragt, den aktuellen Listeriose-Ausbruch zu untersuchen. Dafür befragt das Swiss TPH sämtliche Personen, die sich neu infiziert haben. Die Befragungen geschehen, bevor der Subtyp bestimmt ist. Also bevor überhaupt bekannt ist, ob der neue Fall auch dazu gehört. Denn je mehr Zeit verstreicht, umso vager werden die Erinnerungen der Erkrankten an die verzehrten Mahlzeiten und Snacks der vergangenen Wochen.

Die bereits bekannten infizierten zwölf Patienten werden nicht mehr befragt: Zu lange liegt die Infektion bei ihnen schon zurück. Wie viele Personen sich neu mit Listeriose angesteckt haben, will Koch nicht sagen.

Um dem Erreger auf die Spur zu kommen, verwendet das Swiss TPH einen Fragebogen mit peniblen Fragen. Auf Anfrage gibt das BAG einige bekannt: «Wissen Sie, ob andere Haushaltsmitglieder oder Freunde, Verwandte, Bekannte, in etwa zur gleichen Zeit wie Sie an ähnlichen Symptomen erkrankt waren?», lautet eine. Oder: «Sind Sie Vegetarier?» Auch vergangene Aktivitäten werden erfragt. Wie etwa: «An welchen Orten in der Schweiz haben Sie sich in den vier Wochen vor Ihrer Erkrankung aufgehalten?» Und: «Waren Sie im Ausland?»

Die Antworten werden von verschiedenen Personen gesammelt: Von solchen des Swiss TPH-Teams, von Kantons- oder Spitalärzten. «Wie detailliert die Befragung ausfällt, hängt vom Zustand der einzelnen Patienten ab. Viele von ihnen sind schwer krank. Ein längeres Gespräch kann ihnen unter Umständen nicht zugemutet werden», sagt Daniel Koch.

Dieselben Fragen stellen die Forscher auch einer Kontrollgruppe, beispielsweise gesunden Angehörigen. Es ist eine Sisyphusarbeit, den Herd des Bakteriums aufzuspüren. «Oftmals finden wir ihn nicht», sagt Koch. Ein Ausbruch verschwinde manchmal so unverhofft, wie er aufgetaucht sei.

Die Inkubationszeit der Listerien kann bis zu 70 Tage dauern. Diese Spannweite erschwert es zusätzlich, die Quelle des Bakteriums auszumachen. Wandert es über die Nahrung in den Körper eines gesunden Erwachsenen, spürt dieser oftmals nichts. Allenfalls bekommt er kurzzeitig Durchfall oder muss erbrechen. Heimtückisch ist der Erreger, wenn er bei älteren oder geschwächten Personen eine Listeriose auslöst und diese in der Folge eine Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung erleiden. Bei Schwangeren kann das Bakterium im schlimmsten Fall eine Früh- oder Totgeburt auslösen.

Der aktuelle Subtyp ist übrigens nicht gefährlicher als andere Typen. Zwei Personen sind bis jetzt daran gestorben. Üblich sind jährlich 40 schwere Erkrankungen.