Sie sind unsichtbar und in der Umwelt verbreitet: Listerien. Gesunde Erwachsenen können diese Bakterien in der Regel problemlos wegstecken. Eine dadurch verursachte Infektion – eine sogenannte Listeriose – birgt allerdings für geschwächte Menschen oder Schwangere grosse Risiken. Bei Letzteren kann sie zu Fehl-, Früh- oder Totgeburten führen. Die seltene Infektionskrankheit wird primär durch rohe Lebensmittel übertragen.

Seit diesem Juni sind nun in der Schweiz zwölf Personen am gleichen Typ von Listeriose erkrankt. Das schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seinem am Montag erschienen Bulletin. Dabei handle es sich um «ernsthafte Erkrankungen», sagt Daniel Koch vom BAG. Es sei zu Hospitalisierungen gekommen; in einem Fall kam es zu einer Mutter-Kind-Übertragung. Und: Zwei Personen sind gestorben. «Das Auffällige und Besorgniserregende ist, dass die zwölf Fälle an demselben Subtyp erkrankt sind», sagt Koch. Deshalb sei mit hoher Wahrscheinlichkeit von derselben Quelle auszugehen.

Um diese zu finden, haben die Gesundheitsbehörden nun eine schweizweite Untersuchung eingeleitet. Dafür befragt das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut Betroffene, was sie gegessen und getrunken haben. Auch die kantonalen Laboratorien wurden auf möglicherweise kontaminierte Lebensmittel hingewiesen.

Sechs Kantone betroffen

Einen Verdacht, woher die Erreger stammen, gäbe es noch nicht, sagt Koch. «Wir wissen auch nicht, ob sie bereits wieder verschwunden sind oder ob weiterhin Übertragungen möglich sind.» Die Fälle treten nicht regional auf, sondern sind über die ganze Schweiz verteilt: Betroffen sind die Kantone Aargau, Neuenburg, Schwyz, Tessin, Wallis und Zürich.

In der EU sind Listeriose-Fälle in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich angestiegen. Wurden 2007 insgesamt 1581 Ansteckungen gemeldet, waren es 2017 bereits 2480. Eine Verbindung dazu gibt es gemäss Koch aber nicht: «Kein anderes Land – ausser die Schweiz – hat diesen Subtyp bislang gemeldet», sagt er. Hierzulande nähmen die Anzahl Infektionen zudem nicht stetig zu. «In der Regel werden uns pro Jahr etwa 40 Infektionen gemeldet. Sie weisen meistens nicht denselben Typus auf und gehen somit auf unterschiedliche Quellen zurück», sagt Koch.

Vor allem in rohen, tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Rohmilch oder Käse aus nicht pasteurisierter Milch kommen Erreger der Listeriose vor. Sie können sich aber auch in pflanzlichen Produkten wie vorgeschnittene Salate oder auf ungewaschenen Früchten tummeln. Daher wird Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und Schwangeren empfohlen, auf ungekochtes oder halbgares Fleisch, rohen Fisch oder Weichkäse zu verzichten.

Der letzte grössere Listeriose-Ausbruch fand Ende 2013 und Anfang 2014 statt. Die Behörden vermuten, dass abgepackter und konsumfertiger Salat dafür verantwortlich war. Die grösste Epidemie in der Schweiz geschah 1987 aufgrund kontaminierten Weichkäses. Damals erkrankten 122 Personen und 33 starben.

Listerien lassen die Lebensmittel nicht verderben; ihr Befall ist somit nicht wahrnehmbar. Sie können sich auch bei Kühlschranktemperaturen und in Vakuumverpackungen vermehren. Deshalb empfehlen Fachleute, rohe Lebensmittel nur in kleinen Mengen zu kaufen und rasch zu verbrauchen. Wer ganz sicher sein will, brät, kocht und bäckt die Zutaten: Temperaturen über 70 Grad Celsius töten die Erreger ab.