Darum geht es: Mysteriöser Erreger tötet in der Schweiz zwei Menschen

1. Was ist Listeriose?

Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die durch Listerie-Bakterien verursacht wird. Diese kommen in der Natur fast überall vor, schreibt das Bundesamt für Gesundheit auf seiner Website. Sie sind nicht per se gefährlich.

2. Wer ist gefährdet?

Schwangere, Neugeborene und ältere Menschen gehören ebenso zur Risiko-Gruppe wie Personen mit einem geschwächten Immunsystem – schwer Kranke zum Beispiel. Schwangere können ihr ungeborenes Kind anstecken. Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektion meist harmlos.

3. Wo stecken die Bakterien drin?

Hauptsächlich findet man sie in rohen tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Milch und Käse aus nicht pasteurisierter Milch. Tiere tragen die Bakterien oft in sich. Auch pflanzliches Essen kann verunreinigt sein, etwa durch Herstellung oder Verpackung; vorgeschnittene Salate sind darum eine mögliche Quelle.

Listerien sind fähig, sich im Kühlschrank und in Vakuumverpackungen zu vermehren. Befallene Lebensmittel verderben nicht.

4. Wie zeigt sich die Erkrankung?

Gesunde können Fieber, Durchfall oder grippeähnliche Symptomen haben, spüren oft aber gar keine Symptome. Bei gefährdeten Menschen (siehe 2.) sind Hirnhautentzündung, Blutvergiftung oder Lungenentzündung möglich. Schwangere können Fehl- und Totgeburten erleiden.

Listerien-Kultur in einer Petrischale.

Listerien-Kultur in einer Petrischale.

5. Wie lange dauert es, bis sich die Symptome bemerkbar machen?

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbrechen der Krankheit – kann sehr unterschiedlich ausfallen: Je nach Infektionsweg dauert sie zwischen einem und 70 Tagen. Der Durchschnitt liegt bei 21 Tagen.

6. Wie häufig erkranken Menschen in der Schweiz ernsthaft an Listeriose?

Im Durchschnitt werden dem Bundesamt für Gesundheit etwa 40 Infektionen pro Jahr gemeldet. Die Sterblichkeit könne bei diesen Fällen bis zu 20 Prozent betragen. Therapiert werden Patienten mit Antibiotika.

7. Warum sind Listerien gerade jetzt ein grosses Gesprächsthema?

Das Bundesamt für Gesundheit schreibt in seinem aktuellen Bulletin, dass in der Schweiz seit Juni zwölf Personen ernsthaft am gleichen Typ von Listeriose erkrankt sind. Zwei Menschen sind gestorben. Die Behörden vermuten eine einzige Ansteckungs-Quelle – haben diese aber noch nicht gefunden.

8. Gab es schon einmal einen solchen Ausbruch?

Eine Häufung von Listeriose kommt immer wieder vor. Der letzte grössere Ausbruch ereignete sich Ende 2013 und Anfang 2014. Kontaminierter Fertigsalat war vermutlich die Quelle des Erregers. 2005 starben zwei über 70-jährige Menschen, nach dem sie Weichkäse gegessen hatten; zwei Schwangere erlitten eine Fehlgeburt. 1987 kam es zum grössten Ausbruch: 122 Menschen wurden krank, 33 starben. Weichkäse war auch damals der Auslöser.

Neuenburger Weichkäse kostete 2005 zwei älteren Menschen das Leben. (Archiv)

Neuenburger Weichkäse kostete 2005 zwei älteren Menschen das Leben. (Archiv)

9. Wie bringt man Listerien aus seiner Nahrung?

Braten, kochen oder backen hilft: Temperaturen über 70 Grad Celsius töten die Bakterien ab. Ebenfalls wichtig: eine gute Küchenhygiene. (mwa)