Epidemie
Kann sich das Zika-Virus auch in der Schweiz ausbreiten?

Die Gesundheitsbehörden in Lateinamerika schlagen Alarm. Das Zika-Viurs breitet sich aus. Könnte es auch in die Schweiz gelangen? Die wichtigsten Fragen.

Lorenzo Berardelli
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Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und Babys mit Schädelfehlbildungen.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und Babys mit Schädelfehlbildungen.

KEYSTONE

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die nationalen Behörden schlagen Alarm: Das Zika-Virus breitet sich in Zentral- und Südamerika rasch aus. Im Jahr 2015 wurden rund 1,5 Millionen Infizierte gezählt. Viel mehr noch: Obwohl es wissenschaftlich noch nicht bewiesen ist, gibt es sehr deutliche Hinweise dafür, dass das Virus für zu kleine Köpfe und eine beeinträchtigte Hirnentwicklung (Mikrozephalie) bei Neugeborenen verantwortlich ist. In der Schweiz sind laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) bisher zwei Fälle von Personen bekannt, die sich in den Tropen mit dem Zika-Virus infiziert haben.

1. Was ist das Zika-Virus?

Zum ersten Mal wurde es 1947 bei Affen in Uganda identifiziert. 1954 wurde der erste Fall bei einem Menschen in Nigeria verzeichnet. Es folgten weitere Ausbrüche in Afrika, Südostasien und auf den pazifischen Inseln. Die Anzahl der Fälle blieb tief und wurde nicht als grosse Bedrohung für die Menschen angesehen. Im Mai 2015 wurden erste Fälle in Brasilien bekannt, seither hat es sich schnell verbreitet. Das Spezielle am Zika-Virus: Rund 80 Prozent der Infizierten verspüren offenbar keine Symptome. Nur etwa jede fünfte Infektion macht sich mit Anzeichen wie Hautausschlag, Fieber, Gelenkschmerzen und Bindehautentzündung bemerkbar. Normalerweise verläuft die Krankheit gutartig und heilt innerhalb einer Woche von selbst aus. Konkret: Es ist in der Regel harmloser als das Dengue- oder Chikungunya-Virus.

2. Wie wird es übertragen?

Das noch wenig erforschte Zika-Virus wird durch die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti) übertragen. Zudem ist das Virus unter Menschen auch sexuell übertragbar. «Ein Fall von einem Mückenforscher ist belegt, der das Virus tatsächlich nach Kanada mitgenommen und seine Frau auf sexuellem Weg angesteckt hat», konkretisiert Christoph Hatz, Chefarzt vom Schweizerischen Tropeninstitut in Basel, gegenüber der «Nordwestschweiz». Denn das Virus sei noch Wochen nach der Infektion in Sperma und Urin nachzuweisen.

3. Für wen ist das Zika-Virus gefährlich?

Bisher gibt es keine Todesfälle. Doch es gibt sehr starke Indizien dafür, dass das Virus ein grosses Gesundheitsrisiko für Föten und Embryos ist. In Brasilien erhöhte sich die Zahl von MikrozephalieDiagnosen bei Neugeborenen, mit rund 4000 Fällen seit Ende Oktober 2015 um das Zwanzigfache. Experte Hatz: «Dass neben der Mikrozephalie auch das Guillain-Barré-Syndrom – die aufsteigende Lähmung – als seltene Folge des Zika-Virus bekannt ist, beunruhigt uns Medizinier in fast gleichem Mass.»

4. Wie kann es behandelt und bekämpft werden?

Nach einem Impfstoff wird derzeit auf Hochtouren gesucht. Da die Krankheit normalerweise mild verläuft, soll sie mit genügend Ruhe und Flüssigkeitszufuhr sowie herkömmlichen schmerz- und fiebersenkenden Mitteln behandelt werden. Solange Dengue-Fieber nicht ausgeschlossen werden kann, soll auf Aspirin und andere blutverdünnende Medikamente verzichtet werden. Im Kampf gegen die Ausbreitung des von Mücken übertragenen Zika-Virus will die brasilianische Regierung bis zu 220 000 Soldaten einsetzen. Sie sollen die Bevölkerung aufklären und die Brutstätten der Mücken eliminieren.

5. Was rät man Touristen, die in die betroffenen Länder reisen?

«Schwangere (egal in welchem Monat) und Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollen sich nicht in Regionen begeben, die vom Zika-Virus betroffen sind», lautet die klare Empfehlung des schweizerischen Expertenkomitees für Reisemedizin «safetravel». «Studien lassen stark vermuten, dass eine Infektion mit dem Zika-Virus, zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft, zu schweren Schädigungen des Gehirns und Nervensystems des Säuglings führen kann», warnt es weiter. Zudem gilt es, sich in den betroffenen Regionen 24 Stunden lang mit Mückenschutzmittel und Moskitonetzen zu schützen und lange Kleider zu tragen. Wer Geschlechtsverkehr hat, sollte ein Kondom benutzen, da das Virus auch sexuell übertragbar ist. Sogar die Behörden im Kolumbien und El Salvador raten Frauen derzeit von einer Schwangerschaft ab.

6. Wie gross ist das Risiko, dass das Zika-Virus in die Schweiz kommt?

Die Mückenplage wird sich laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO), begünstigt durch den Klimawandel und höheren Temperaturen, auf alle amerikanischen Länder ausweiten. Nur Chile und Kanada würden aufgrund der klimatischen Verhältnisse verschont bleiben. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sieht keine Ausbruchsgefahr in der Schweiz. Denn die Krankheit werde durch den Stich der Ägyptischen Tigermücke (Aedes aegypti) und nicht der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus), die auch schon im Tessin gesichtet wurde, übertragen. «Im Moment ist das Risiko für die Schweiz gleich null, da es derzeit keine Mücken hat, welche das Virus übertragen könnten», meint der Fachmann Hatz. Im Sommer sehe es theoretisch aber anders aus. Man wisse nämlich aus dem Labor, dass es möglich sei, dass die hiesige Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) das Zika-Fieber auch in temperierten Zonen übertragen könnte, doch sei diese erst im Sommer wieder aktiv. Aber da die Saison für Übertragungen dann in Südamerika eigentlich vorbei sein wird, sei es in der Praxis unwahrscheinlich.