Welt-Alzheimertag

Anzeichen von Demenz sollten alle erkennen

Nach dem Enkel-Hüten sind die Grosseltern oft k.o. – für die geistige Fitness ist das hingegen super.

Nach dem Enkel-Hüten sind die Grosseltern oft k.o. – für die geistige Fitness ist das hingegen super.

Bei Demenz ist die Aufmerksamkeit der Angehörigen und Hausärzte für eine Früherkennung enorm wichtig

Auf dem obersten Tablar im Kühlschrank stapeln sich zwölf Butter. Unterhalb der zwei Buttertürme steht ein Paar Schuhe. Was den Angehörigen sofort auffällt, nimmt der Demenzkranke nicht wahr. Demenzkranke vergessen, was sie eingekauft haben. Sie suchen nach Wörtern. Beim Spaziergang im Dorf verlaufen sie sich und finden den Weg nach Hause nicht mehr. Dort stapeln sich die Rechnungen, Zahlen überfordern sie. Sie sind oft traurig, in sich gekehrt, aber auch aggressiv.

Bei einer Demenz verändert sich das Gehirn. Tausende Nervenzellen gehen pro Tag verloren. Gemäss Zahlen der Schweizerischen Alzheimervereinigung sind 119 000 Menschen in der Schweiz an einer Demenz erkrankt.

Wann ist man krank?

Jeder vergisst Sachen, bezeichnet Gegenstände mit «Dings», weil ihm das Wort fehlt. Alleine deswegen liegt keine Demenzerkrankung vor. «Erst die Anzahl und das Ausmass der Symptome weisen auf eine Demenzerkrankung hin», sagt Dan Georgescu. Georgescu ist Chefarzt und Bereichsleiter der Alters- und Neuropsychiatrie der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG).

Alzheimer ist die häufigste Art von Demenz. Alzheimerkranke diskutieren ihre Symptome oft weg, verdrängen oder verheimlichen sie. Sie schreiben ihre Notizen auf kleine Zettel, um den Alltag zu bewältigen. Aber sie sind selbst im Ungewissen, was mit ihnen los ist. «Wenn Symptome auffallen, sich wiederholen, müssen Kinder, Partner und Bekannte aufmerksam sein», sagt der Experte. Es liege an ihnen, Verantwortung zu übernehmen und einen ersten Termin beim Hausarzt abzumachen. Das kann für Angehörige schwierig sein, Ängste blockieren auch sie. Aber eine frühe Behandlung kann Alzheimer um einige Jahre verzögern.

Dabei spielt auch der Hausarzt eine wichtige Rolle. Ihm fällt zum Beispiel auf, dass der Patient seine Termine nicht einhält oder die Spitex weist ihn auf Auffälligkeiten hin. Der Hausarzt macht eine erste Demenzuntersuchung. Entweder macht er selber weitere Abklärungen oder verweist den Patienten an eine Memory Clinic. In der Memory Clinic diagnostizieren Ärzte und Psychologen Hirnleistungsstörungen. Diese Gedächtnissprechstunden gibt es fast in allen Kantonen. Im Aargau sind die PDAG mit einer Memory Clinic in Windisch und Aarau vertreten.

Die Demenz-Spezialisten untersuchen beim Patienten auch andere körperliche und psychische Leiden. Die Angehörigen befragen sie über die sozialen Aktivitäten des Betroffenen. Beim anschliessenden Diagnosegespräch sprechen sie mit dem Patienten und den Angehörigen ausführlich darüber, was jetzt zu tun ist. «Die Dosierung der Medikamente, aber auch die sozialen Aspekte sind enorm wichtig», sagt Georgescu. Die Ärzte besprechen, welche sozialen Aktivitäten dem Patienten helfen können, ob er Unterstützung von der Spitex wünscht oder ab wann man sich um einen Pflegeplatz kümmert. Dies sind heikle Themen. Aber es ist enorm wichtig, darüber zu sprechen.

Nicht immer ist es Demenz

Es gibt im Alter aber auch Krankheiten, die einer Demenz ähnlich sind. Etwa die depressive Pseudo-Demenz. Das Abrufen von Wörtern und Erinnerungen fällt auch bei dieser Krankheit schwer. Aber es sind psychische Probleme, welche die Symptome verursachen. Wegen Sorgen oder einer Altersdepression beschäftigen sich Betroffene mit ihrem Innenleben und vergessen deshalb vieles. Wenn die Probleme bewältigt sind, kehrt auch das Gedächtnis zurück.

Alzheimer ist zwar nicht heilbar, zu gewissen Teilen aber vorbeugbar. Seit mehreren Jahren ist bekannt, dass hoher Blutdruck, Übergewicht, hohes Cholesterin, Rauchen, Diabetes, aber auch chronischer Stress eine Demenz begünstigen. Diese Faktoren können wir mit unserer Ernährung und mit Bewegung beeinflussen: Viel Gemüse und Früchte essen, wenig Zucker und anstatt Butter Rapsöl und Margarine verwenden. Den Geist und den Körper mit Kochen, Enkelkinder hüten, Zeitunglesen, Wandern, Pilates oder Tennisspielen fit halten. Laut Georgescu «mit allem, was Spass macht».

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