Weltumrundung
Was die «Solar Impulse 2» auf ihrer Reise noch erwartet

Der Start ist geglückt: Am Montagabend landete der Schweizer Pilot André Borschberg das Schweizer Solarflugzeug sicher im Oman auf der arabischen Halbinsel.

Raffael Schuppisser und Daniel Fuchs
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Die erste Etappe ist geschafft: Am Montagabend landete André Borschberg das Solarflugzeug Solar Impulse 2 sicher in Maskat, der Hauptstadt Omans. Damit hat das Team um den Schweizer Abenteurer und Luftfahrtpionier Bertrand Piccard die erste Etappe der ersten Weltumrundung in einem Flugzeug geschafft, das ohne Treibstoff auskommt. Gestartet war das in der Schweiz entwickelte Solarflugzeug 13 Stunden zuvor im 400 Kilometer entfernten Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

1. Wie lange dauert die Reise?

Der Flug dauert insgesamt 25 Flugtage. Für ihr Projekt und die Flugstrecke von insgesamt 35 000 Kilometern über vier Kontinente nehmen sich die beiden Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg rund fünf Monate Zeit. Am Ende der zwölften Etappe soll Solar Impulse 2 wieder am Ausgangspunkt in Abu Dhabi sein.

2. Wer steuert das Flugzeug?

Die beiden Chefentwickler Bertrand Piccard und André Borschberg wechseln sich im Fliegen ab. Da die Kabine nur einer Person Platz bietet, absolvieren die beiden jeweils ganze Etappen am Stück. Dabei werden die Männer insbesondere über dem Pazifik und dem Atlantik bis zu fünf Tage und fünf Nächte am Stück unterwegs sein. Insgesamt sind zur Unterstützung 130 Mitarbeiter unterwegs rund um den Globus. Die Einsatzzentrale befindet sich in Monaco.

Solar Impulse auf der Weltumrundungs-Reise
19 Bilder
Solar Impulse auf dem Kalaeloa Airport in Hawaii
Solar Impulse in China
Glücklich nach der Landung: Pilot Andre Boschberg.
Von Maskat gehts weiter nach Indien.
Für Selfies Posieren mit Fans im Oman.
Solar Impulse 2 hebt in Abu Dhabi ab

Solar Impulse auf der Weltumrundungs-Reise

KEYSTONE/EPA FILE/SOLAR IMPULSE/JEAN REVILLARD/HANDOUT

3. Wo lauern die Gefahren?

Neben den hohen körperlichen Belastungen liegt eine Gefahr im geringen Gewicht und in der grossen Flügelspannweite. Turbulenzen oder Sturmwinde könnten das Gleichgewicht des Flugzeugs empfindlich stören. Auch leere Akkus in der Nacht wären ein Schreckensszenario. Zwar ist der Pilot mit einem Notfallschirm und einer aufblasbaren Rettungsinsel für einen Absturz über dem Meer ausgerüstet, doch um das Risiko insbesondere vor schweren Wetterkapriolen zu minimieren, haben Piccard und sein Team in den letzten Jahren die Witterungsverhältnisse auf der Route eingehend studiert.

4. Auf welcher Route bewegt sich das Solarflugzeug?

Die Route führt nun weiter über Indien und Myanmar nach China, ehe es in zwei Etappen über den Pazifik (mit einer Landung auf Hawaii) in die USA geht. Dort stehen mehrere Landungen an, doch wird die Route den Wetterbedingungen angepasst. Nach der Überquerung des Atlantiks fliegt Solar Impulse 2 via Südeuropa und Nordafrika zurück an den Ausgangspunkt. In der Schweiz, wo das Flugzeug entwickelt und gebaut worden ist, ist kein Zwischenhalt geplant.

5. Wie wird die Route festgelegt?

Die Route hängt massgeblich von den Wetterverhältnissen ab. Auch die Sonderbewilligungen für die Überflugrechte waren eine Herausforderung. Doch Piccard hatte die Unterstützung des Bundesrats und des Aussendepartements EDA, dessen Diplomaten sich für die Überflugrechte stark machten. So steht nun auch einem Überflug von heiklen Ländern wie China nichts mehr im Weg. Ein zweiter Versuch Piccards, die Welt mit seinem Ballon namens «Orbiter 2» zu umrunden, war 1998 gescheitert, weil China das Überflugrecht verweigerte. Ein Jahr später gelang das Unterfangen dann doch noch: mit «Orbiter 3».

6. Wie funktioniert das Flugzeug?

Die Solar Impulse 2 ist extrem leicht gebaut; es wiegt mit seinen 2,3 Tonnen nicht viel mehr als ein Auto. Die Flügelspannweite von 72 Metern übertrifft jedoch sogar jene eines Boeing 747 Jumbo Jets. Die so entstehenden grossen Auftriebskräfte machen es möglich, dass das Flugzeug bereits bei einer Roll-Geschwindigkeit von 47 Stundenkilometern abhebt. In der Luft ist die Solar Impulse 2 mit maximal 90 Stundenkilometer unterwegs. Die Energie für Start und Flug stammt einzig von der Sonne. Auf den Flügeln und dem Rumpf sind auf einer Fläche von 269,5 Quadratmetern 17 000 Solarzellen angebracht. Am Tag wird so überschüssige Energie produziert, die in Lithium-Polymerakkus für den Nachtflug gespeichert wird. Um Energie zu sparen, steigt das Flugzeug am Tag auf über 8500 Meter und sinkt bei Nacht auf 1500 Meter ab.

7. Wie lebt es sich an Bord?

Im Cockpit muss auf jeglichen Komfort verzichtet werden. Lediglich 3,8 Kubikmeter gross ist die kleine Kammer, die Platz für einen Piloten bietet. Dieser verbringt den ganzen Flug in einem speziellen Pilotensitz mit integrierter Toilette. Gegessen wird Spezialnahrung aus selbsterhitzenden Säckchen, die wie Handwärmer auf Druck reagieren. Da die ganze Energie für den Antrieb gebraucht wird, verfügt das Flugzeug weder über eine Heizung noch über eine Klimaanlage.

8. Was müssen die Piloten können?

Die Piloten müssen nicht nur über die Fähigkeiten verfügen, ein Flugzeug ohne umfassenden Autopiloten zu steuern. Sie sind auch körperlichen Strapazen ausgesetzt und müssen mit Temperaturen von –20 bis +30 Grad Celsius zurechtkommen. Für richtigen Schlaf bleibt keine Zeit. Doch Piccard und Borschberg haben sich eine spezielle Entspannungstechnik antrainiert, die es ihnen erlaubt, für jeweils 20 Minuten eine Art Powernap einzulegen.

9. Was wollen sie mit ihrer Mission bezwecken?

Piccard und Borschberg wollen ein Zeichen für die Solarenergie setzen und demonstrieren, dass man die Welt in einem Flugzeug umrunden kann, ohne einen Tropfen Kerosin zu brauchen.

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