Neurowissenschaft 

Studie stellt Theorie zur Entstehung von Parkinson in Frage

In der Schweiz leiden rund 15'000 Menschen an Parkinson

In der Schweiz leiden rund 15'000 Menschen an Parkinson

Eines der Kennzeichen der Parkinson-Krankheit sind charakteristische Einschlüsse in Nervenzellen des Gehirns. Nun zeigen Forschende, dass diese sogenannten «Lewy-Körperchen» anders beschaffen sind als gedacht. Und stellen damit bisherige Theorien zur Krankheit in Frage.

Über 15'000 Menschen in der Schweiz leben mit der Parkinson-Krankheit. Die neurodegenerative Erkrankung ist vor allem für das unkontrollierbare Zittern von Armen und Beinen und weitere motorische Störungen bekannt. Bisher ging man davon aus, das die Ablagerung unlöslicher Fibrillen des Proteins alpha-Synuclein in den Lewy-Körperchen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Parkinson spielt. Sie gelten als Mitverursacher oxidativen Stresses, der den Untergang von Nervenzellen zur Folge hat.

Die Ergebnisse eines internationalen Forschungsteams mit Beteiligung der Uni Basel stellt die bisherigen Annahmen zur Rolle von alpha-Synuclein-Fibrillen in Frage, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte. Mit modernsten Mikroskopietechniken untersuchten die Wissenschaftler das Gehirngewebe verstorbener Parkinson-Patienten. Dabei entdeckten sie, dass die Lewy-Körperchen kaum bis gar keine alpha-Synuclein-Fibrillen enthielten. Hauptsächlich bestehen sie demnach aus Membranfragmenten, Lipiden und anderem Zellmaterial, wie die Forschenden im Fachblatt "Nature Neuroscience" berichten.

Neue Fragen aufgeworfen

"Die Entdeckung, dass alpha-Synuclein nicht in Form von Fibrillen vorliegt, war für uns und das ganze Forschungsgebiet völlig unerwartet", erklärte Studienautor Henning Stahlberg von der Universität Basel gemäss der Mitteilung.

Die Frage, wo und - wenn nicht als Fibrillen - in welcher Form sich das Protein alpha-Synuclein in den Lewy-Körperchen befindet und wie es zu deren Entstehung beiträgt, ist noch offen. Die Ergebnisse zeigen Lücken im Labormodell der alpha-Synuclein Fibrillen als Ursache und Mechanismus der Parkinson-Krankheit auf. Die Suche nach den Krankheitsursachen sollte stärker durch Erforschung der Pathologie im Menschen geleitet werden, so Stahlberg.

Die Analyse von Strukturen wie den Lewy-Körperchen könnte Anhaltspunkte für Therapieansätze liefern, um den fortschreitenden Untergang von Nervenzellen im Gehirn aufzuhalten, so die Hoffnung der Forschenden. Neben den Schweizer Forschenden waren auch Wissenschaftler aus Deutschland und den Niederlanden an der Studie beteiligt.

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