Nach wie vor gibt es kein Medikament gegen Alzheimer. Darum rückt die Frage in den Vordergrund, ob sich die Krankheit durch einen besonderen Lebensstil abwenden lässt. Die Untersuchungen dazu sind widersprüchlich. 2014 zeigte eine Studie in Finnland, dass gesunde Ernährung, Bewegung und Gedächtnistraining die mentalen Funktionen von 1200 älteren Menschen, die als demenzgefährdet betrachtet wurden, verbessert haben.

Dieser Forschungsansatz wird derzeit in den USA in einer riesigen, 20 Millionen Dollar teuren Studie mit 2500 Menschen wiederholt und ausgeweitet. Die Wissenschafter hoffen, beweisen zu können, dass eine gesunde und anregende Lebensweise das Auftreten von Alzheimer zumindest verzögern kann. Bislang gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege.

Hilft Gehirntraining?

Dorene Rentz, Alzheimer-Forscherin an der Harvard Medical School, sagt: «Es gibt Hinweise, dass lebenslange geistige Aktivität die Widerstandsfähigkeit des Gehirns stärkt und dieses länger vor Alzheimer schützt.» Für Rentz ist aber klar, dass eine gesunde Lebensform und Gehirntraining nur «komplementär» zu einem medizinischen Durchbruch wirklich helfen.

Wann ein Medikament gegen Alzheimer auf den Markt kommen könnte, weiss niemand. Severin Schwan, CEO des Basler Pharmakonzerns Roche, liess sich vergangene Woche auf die Äste heraus: «In vielleicht drei Jahren sollten wir soweit sein», sagte er auf Radio SRF. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Medikament dann tatsächlich die gewünschte Wirkung habe, liege bei 50 Prozent. Ein wichtiger Meilenstein wurde vor wenigen Tagen gesetzt, als Roche von der US-Gesundheitsbehörde für seine Tests zur besseren Diagnose der Alzheimer-Krankheit den «Durchbruch-Status» erhalten hat.

Viele Rückschläge

Roche ist, neben der in Boston (USA) beheimateten Firma Biogen, weltweit führend in der Demenzforschung. Biogen hat ebenfalls letzte Woche die Resultate einer sogenannten Phase-2-Studie präsentiert, die zeigte, dass bei Alzheimer-Patienten in einem frühen Stadium der geistige Verfall um 30 Prozent verlangsamt werden kann. Das Rennen läuft: Wird Roche oder Biogen zuerst mit einem Medikament auf den Markt kommen?

Die Forschung auf diesem Gebiet ist äusserst schwierig, in den vergangenen Jahren mussten grosse Konzerne wie Pfizer oder Merck hoffnungsvolle Projekte einstellen. Ebenso Roche vor vier Jahren. Noch immer ist ungeklärt, was genau der Auslöser von Alzheimer ist.