Lausanne

Gelähmte Ratten gehen wieder: Heilung für Paraplegiker rückt näher

Forschende der ETH Lausanne haben eine Schlüsselstelle im Stammhirn zur Heilung von querschnittgelähmten Ratten entdeckt.

Forschende der ETH Lausanne haben eine Schlüsselstelle im Stammhirn zur Heilung von querschnittgelähmten Ratten entdeckt.

Wissenschafter der ETH Lausanne haben entschlüsselt, wie gelähmte Ratten wieder gehen lernen. Die Therapie wird nun auch bei Menschen getestet.

Ein Video zeigt Ratten, die ohne Hilfe zügig über den Labortisch an der ETH Lausanne gehen. Das Spezielle daran: Diese Ratten waren zuvor querschnittsgelähmt. Ein Forschungsteam hat geklärt, wie die Nerven die zerstörten Regionen in der Wirbelsäule umgehen und das Hirn lernt, die gelähmten Beine und den Rumpf wieder zu bewegen.

Im Stammhirn – dem Hirnteil, der direkt über dem Rückenmark liegt – entdeckten sie Zellen, die immer noch mit den Zellen unterhalb der Verletzung kommunizierten. Der Motorkortex wiederum, der im Hirn für die Bewegung zuständig ist, kann mit diesen Zellen im Stammhirn kommunizieren. Mit dieser Entdeckung steigt die Hoffnung für Paraplegiker, irgendwann wieder gehen zu können. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse am Montag in der Fachzeitschrift «Nature Neuroscience».

Mithilfe von Gentechnik konnten die Forscher gezielt Hirnregionen aktivieren. Diese beobachteten sie unter einem neuartigen Mikroskop dreidimensional. Sie stellten dabei fest, dass die verletzten Nervenzellen nicht nachwachsen. Hingegen können neue Kommunikationswege zwischen Hirn und Rumpf entstehen.

Ratten lernen Treppen steigen

«Die Heilung ist nicht spontan», sagt Léonie Asboth, Hauptautorin der Studie, laut Medienmitteilung. Damit die «Wiederverkabelung» der Nervenenden stattfinde, müssten die Tiere eine intensive Rehabilitationstherapie machen. «Durch die tägliche Rehabilitation schafft das Hirn wieder eine Verbindung mit dem Netzwerk des Rückenmarks unterhalb der Verletzung.»

Zur Therapie gehört die elektronische Stimulation. Dabei stimuliert ein Implantat, das ins Rückenmark eingelegt wird, die darunterliegenden Regionen. Weitere Therapien wie Physiotherapie und Roboterstimulation aktivieren die Regionen unterhalb des verletzten Rückenmarks ebenfalls. Ratten im Labor konnten bereits nach einigen Wochen Therapie ihre Pfoten wieder willentlich bewegen, schwimmen, Treppen steigen und sogar klettern. «Das Rückenmark ist oft nicht ganz durchgeschnitten», sagt Léonie Asboth. Mit der Therapie soll auch das noch verschonte Gewebe wieder aktiviert und zusätzlich verstärkt werden.

Seit 2016 testen die Mediziner die Therapie auch bei Paraplegikern im Universitätsspital in Lausanne. «Bei den Menschen sehen wir noch nicht, dass sie ohne Hilfe gehen können. Aber leichte Bewegungen ohne Stimulation sind nach der Therapie bereits sichtbar», sagt Léonie Asboth.

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