Männer können besser einparken, Frauen sich besser einfühlen - nur ein Klischee? Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Hirnzellen von Männern und Frauen nicht auf die gleiche Weise verdrahtet sind. Was dies für die Fähigkeiten einzelner Personen bedeutet, ist aber Kritikern zufolge nach wie vor unklar.

Während es in weiten Teilen des Gehirns bei Frauen besonders viele Kontakte zwischen den beiden Hirnhälften gibt, bestehen bei Männern mehr Verknüpfungen innerhalb der Gehirnhälften, berichten Forscher um Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania in Philadelphia in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Die anatomischen Unterschiede könnten die oft beschriebenen unterschiedlichen Eigenschaften von Männern und Frauen erklären. So könnten Männer dank ihrer Hirnarchitektur ihre Wahrnehmungen besser in koordinierte Handlungen umsetzen; Frauen hingegen besser analytische und intuitive Informationen miteinander verbinden.

Die Forscher hatten fast tausend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 8 und 22 Jahren untersucht. Sie verwendeten die Diffusions-Tensor-Bildgebung, die Rückschlüsse auf den Verlauf der Nervenfasern erlaubt. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verstärkten sich im Laufe der Altersentwicklung, zeigte die Untersuchung.
Wörter und Gesichter merken

Linda Fäh: Auch Missen können parkieren

In einer früheren Verhaltensstudie mit noch mehr Probanden hatten die Forscher festgestellt, dass Frauen sich besser Wörter und Gesichter merken können, aufmerksamer sind und ein besseres soziales Erkenntnisvermögen haben als Männer. Diese wiederum könnten räumliche Informationen besser verarbeiten und schnitten in der Bewegungskoordination besser ab.

Die beobachteten Unterschiede in der Hirnverknüpfung deckten sich mit diesen Verhaltensweisen, schreiben die Forscher.
Kritik: Unterschiede gering

Solche Schlüsse aus der geschlechtsspezifischen Hirnforschung werden oft kritisiert. Die kognitiven Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien meist sehr gering und nur Durchschnittswerte, schrieben etwa die Gender-Forscherin Rebecca Young von der Columbia University und der Neurowissenschaftler Evan Balaban von der McGill University vor einigen Jahren im Fachblatt "Nature".

Zudem variierten die Unterschiede innerhalb eines Geschlechts oft stärker als zwischen den Geschlechtern. Andere Kritiker weisen darauf hin, dass heute bekannt sei, dass Erfahrungen das Gehirn umformen - somit könnten Unterschiede auch Folge der Sozialisation in der Kindheit sein.