Smartphones

Corona könnte den Handy-Markt umkrempeln – zugunsten der Konsumenten

Vor drei Jahren hat noch niemand geglaubt, dass jemand über 1000 Franken für ein normales Smartphone ausgeben würde. Heute ist das schon fast günstig. Doch es bahnt sich ein Umbruch an – auch dank Corona.

Jahrelang haben Smartphone-Hersteller die Preise für ihre Flaggschiffe kontinuierlich angehoben. Selbst als Apple 2017 mit dem iPhone X die symbolische Grenze von 1000 Franken überschritten hat, wurden die Geräte weiterhin gekauft. Dies führte dazu, das auch bald andere Hersteller diesen Schritt wagten. Zuletzt kostete das Top-Modell von Samsung beim Marktstart schwindelerregende 1549 Franken. Egal welche horrende Zahl die Hersteller auf das Preisschild schrieben, die Nutzer schienen es zu akzeptieren.

Ironischerweise war es wohl die Tatsache, dass Handy-Nutzer ihre Geräte weniger oft ersetzt haben, die zu diesem Preisanstieg geführt hat. Ein iPhone-User behält sein Gerät mittlerweile durchschnittlich vier Jahre. Wenn die Kunden also nicht jedes Jahr ein neues iPhone kaufen, kostet es dann eben zwei- oder dreimal soviel. Man bezahlt das Geld, das man durch längere Nutzung des Handys gespart hat, also doch teilweise. Diese Strategie könnte für Handy-Hersteller nun aber langsam ein Ende finden.

Kunden greifen wieder mehr zu günstigen Smartphones

Die weltweiten Smartphone-Verkaufszahlen zeigen, dass Nutzer immer weniger bereit sind, über 1000 Franken für ein Handy zu bezahlen. So war das meistverkaufte Android-Smartphone in den ersten drei Monaten 2020 kein teures Flaggschiff, sondern ein Budget-Smartphone: das Samsung A51 für rund 300 Franken. Obwohl das Gerät erst im Januar dieses Jahres erschienen ist, führt es die Verkaufscharts bei den Android-Handys an.

Auch dahinter geht es mit dem Redmi 8 günstig weiter. Das Smartphone der Xiaomi-Tochter kostet in der günstigsten Ausführung gerade einmal 139 Franken. Erst auf dem dritten Platz schafft es mit dem Samsung S20 Plus ein Flaggschiff ins Ranking. Aber auch hier zeigt sich: Die Kunden greifen lieber zum günstigeren S20 Plus als zum S20 Ultra, das rund 450 Franken mehr kostet.

Auffällig: Huawei ist nicht mehr vertreten. Hier zeigt wohl der US-Bann seine Wirkung.

Auffällig: Huawei ist nicht mehr vertreten. Hier zeigt wohl der US-Bann seine Wirkung.

Der Analyse-Dienst Strategy Analytics nennt als Grund für dieses neue Preisbewusstsein unter anderem die Mobilfunkbetreiber. Diese hätten die Subventionen für Geräte in den letzten Jahren immer weiter reduziert. Aber auch die Coronakrise zeigte ihre Auswirkungen.

Dies könnte dazu führen, dass der Markt im Bereich der Mittelklasse, respektive der preiswerten Top-Smartphones weiterhin wachsen wird – vermutlich zulasten der teuren Flaggschiffe.

Auch Apple-Kunden kaufen preisbewusster

Auch bei Apple deutet sich an, dass Kunden immer häufiger auf den Preis schauen. Von den drei im Herbst vorgestellten Topmodellen wurde das iPhone 11 nach Schätzung des Analyse-Dienstes mehr als doppelt so häufig verkauft wie die teureren beiden Ausführungen zusammen. Da passt es natürlich nahezu perfekt, dass Apple mit der kürzlich vorgestellten Neuauflage des iPhone SE die Nachfrage nach günstigen Handys bedient.

Insgesamt bleibt die Kaufkraft der Apple-Kundschaft aber hoch. So verkauften Samsung und Huawei beide rund 18 Prozent weniger Smartphones, während der Rückgang bei Apple nicht einmal ein Prozent betrug.

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Chinesische Billiganbieter profitieren und sind weiterhin auf dem Vormarsch

Die Sensibilisierung der Handy-Nutzer machen sich vor allem die chinesischen Marken zunutze. Bereits Huawei hatte vor rund sieben Jahren mit günstigen Einstiegsmodellen in Europa Fuss gefasst. Diesen Erfolg scheint nun Xiaomi zu wiederholen – mit dem Unterschied, dass Xiaomi top Hardware zu Niedrigpreisen anbietet. Mit einem Wachstum von über 6,1 Prozent von Januar bis März 2020 konnte sich das «chinesische Apple» erstmals einen zweistelligen Marktanteil sichern. Geht es so weiter, könnte Xiaomi Apple in wenigen Jahren als weltweite Nummer drei ablösen.

Gleich hinter Xiaomi reiht sich mit Vivo die nächste chinesische Marke ein. Vivo gehört zusammen mit Oppo und OnePlus zum Elektronikriesen BBK Electronics. Gemessen an den Stückzahlen ist der Konzern hinter Samsung der zweitgrösste Smartphone-Hersteller der Welt. Vivo ist zwar in Europa noch nicht so bekannt, allerdings gibt es schon länger Gerüchte, dass der Hersteller seine Präsenz in Europa stark ausbauen will.

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Teure Geräte noch nicht am Ende

Sofort verschwinden – wenn überhaupt – werden die teuren Flaggschiffe aber nicht. Dass die Hochpreisstrategie im Moment noch aufgeht, zeigt eine Aussage von Samsung. Demnach habe der höhere Preis des Galaxy S20 zu einer Gewinnsteigerung geführt.

Davon will dann auch der eine oder andere Billighersteller profitieren, wie das Beispiel von OnePlus zeigt. Wie Xiaomi war OnePlus bisher vor allem für Top-Hardware zu günstigen Preisen bekannt. In den Anfangszeiten hiess es vonseiten OnePlus sogar, dass ein top Smartphone nicht mehr als 600 Dollar zu kosten brauche. Dieser Haltung hat der Hersteller mit dem jüngsten Flaggschiff OnePlus 8 Pro mehr als nur Lügen gestraft: Die günstigste Variante kostete bei Markteintritt 949 Franken.

Gleichzeitig hat Samsung schon lange gemerkt, dass man nicht mehr mithalten kann, wenn man hauptsächlich auf das Hochpreissegement setzt. Diese Taktik hatte zuletzt dazu geführt, dass man praktisch aus dem chinesischen Markt gedrängt wurde. Inzwischen veröffentlicht Samsung gefühlt monatlich ein neues Budget-Smartphone. Doch auch die anderen Hersteller mischen mit guten Handys im Niedrigpreissegment mit. Wer heute ein Top-Handy will, braucht nicht mehr als 500 Franken auszugeben. Das wird den Leuten nun immer häufiger bewusst – auch dank Corona.

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