Autonome Autos
Autopilot am Lenkrad: Warum Computer die besseren Autofahrer sind

Autos fahren sicherer und umweltschonender, wenn der Computer steuert. Das ist das Fazit einer Ende Oktober präsentierten Untersuchung von Google. Der Durchbruch von autonomen Autos wird schneller erfolgen als bei Elektrofahrzeugen.

Matthias Niklowitz
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Bewegte Boxen in einer Welt aus Pixeln: So sieht der Bordcomputer eines autonomen Autos die Umwelt. Aktuell berechnet der Computer gerade die Beschleunigung für das Rechtsabbiegen in die Autobahn.Keystone

Bewegte Boxen in einer Welt aus Pixeln: So sieht der Bordcomputer eines autonomen Autos die Umwelt. Aktuell berechnet der Computer gerade die Beschleunigung für das Rechtsabbiegen in die Autobahn.Keystone

Der Internetkonzern Google liess eine Flotte von umgebauten Fahrzeugen auf den Strassen der US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada fahren. Unfälle gab es keine. Und selbst wenn es welche gegeben hätte: Dank der gesammelten Daten liesse sich die Schuldfrage besser als zuvor klären.

Denn um Autos autonom fahrbar zu machen, muss man sie zunächst in rollende Rechenzentren verwandeln. Kameras, Radargeräte, Beschleunigungsmesser, Ortungsgeräte und Sensoren ersetzen die menschlichen Sinnesorgane. Ein zentraler Computer verarbeitet alles – und steuert. Bei den Google-Testfahrzeugen wies der Computer jeweils auf den nächsten Schritt hin, damit der Fahrer Gelegenheit für Eingriffe hat.

Benzinverbrauch sinkt

Autonome Autos haben laut den Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley zahlreiche Vorteile: Sie sind sicherer, weil sie die Spuren, Abstände und Tempolimiten viel besser einhalten als Menschen. Sie fahren schonender, was den Spritverbrauch um ein Drittel reduziert. Untereinander kommunizierende Autos verringern zudem die Staugefahr, weil die Abstände optimiert werden können. Ihre Passagiere haben mehr Zeit für andere Sachen wie geschäftliche Besprechungen. Oder die Einsatzzeiten bei Lastwagenflotten lassen sich deutlich verlängern. Alles zusammen bringt ein Einsparpotenzial und Produktivitätsfortschritte in der Höhe von 5,6 Billionen Dollar, sagen die Analysten. Das entspricht rund sieben Prozent der aktuellen Weltwirtschaftsleistung.

Und die Technologie ist bereits weitgehend vorhanden: Abstandswarner, Spurhalteautomatik und Einparkhilfen gehören bereits heute zu den Optionen, die morgen schon gesetzlich vorgeschriebener Standard sein können, weil sie den Strassenverkehr genauso sicherer machen wie Anschnallgurten und Airbags in den letzten 40 Jahren. Und auch an den Kosten dürfte es nicht liegen. Einfache halbautonome Systeme würden bei der Massenproduktion die Kosten pro Fahrzeug lediglich um 1000 bis 2000 Franken verteuern. Ausgeklügelte Systeme würden weitere 3000 bis 5000 Franken kosten.

Zahlreiche offene Fragen

Es gibt indes auch etliche Hindernisse. So ist offen, ob und wie die Konsumenten automatisch fahrende Autos akzeptieren werden. Auch das äussere Design müsste sich ändern, um all die Sensoren optimal zu installieren. Hinzu kommt wahrscheinlich eine andere Gestaltung des Lenkers. Möglicherweise ist dazu erst ein Generationswechsel der potenziellen Besitzer erforderlich, ähnlich wie bei Mobilkommunikation.

Ebenso offen ist die Frage der Versicherung. Wer zahlt, wenn es knallt? Der Autobesitzer? Oder, wenn die Software versagt hatte, der Autohersteller? Der wiederum könnte die Programmierer verantwortlich machen. Mit der Computerisierung der Autos stellen sich auch Fragen um die Sicherheit vor Hackerangriffen. Heute warnen die Experten vor Schadsoftware auf Smartphones – und morgen vor Viren im Autocomputer?

Es kommen weitere Detailfragen hinzu: So ist schon manche Schwangere nur deshalb rechtzeitig in der Entbindungsstation angekommen, weil sich der Fahrer nicht an die Tempo-30-Limite hielt. Wann und wie lässt sich die Automatik abschalten? Und haben die Lenker noch ausreichend Fahrpraxis, um manuell die nächste Kurve zu schaffen?

Nicht vergessen werden sollten die unerwünschten Nebeneffekte. Alleine die Produktivitätssteigerungen dürfte eine Reihe von Jobs obsolet machen. Und auch die Raumplanung ist gefordert: Der Zersiedelungsdruck dürfte zunehmen, wenn die abgelenkten Passagiere ihr Auto auf dem Heimweg zum rollenden Wohnzimmer machen und den Nachteil der längeren Wege vergessen.