Ferien
Immer mehr Schweizer Bauernhöfe heissen Camper willkommen: Ferien ohne Luxus, aber mit Natur pur

Gleich drei neue Schweizer Plattformen wollen mehr Camper auf Bauernhöfe und abgelegene Wiesen bringen. Mit unterschiedlichen Ansätzen und Preisen.

Katja Fischer De Santi
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Autark campieren unter Apfelbäumen, das vermarkten immer mehr Websites.

Autark campieren unter Apfelbäumen, das vermarkten immer mehr Websites.

Bild: Landvernuegen.de

Die Idee ist bestechend und in Ländern wie Frankreich oder Deutschland längst der Renner. Fast gratis campen auf idyllisch gelegenen Bauernhöfen, wo nur Kuhglocken bimmeln und der Hahn morgens kräht. Aus dem Hofladen gibt es frisches Obst, vielleicht sogar Brot und Fleisch. Der Aufenthalt wird unkompliziert über eine Website oder App organisiert und richtet sich an möglichst autarke Camper, die keine Infrastruktur benötigen und den Stallgeruch, Spielplatzgeschrei vorziehen.

In Frankreich und Deutschland ist das Angebot längst etabliert

Ohne den gedruckten Reiseführer geht es bei Landvernügen.de nicht.

Ohne den gedruckten Reiseführer geht es bei Landvernügen.de nicht.

Landvergnügen.de vermarktet diese Art des Reisens in Deutschland seit 2013/14. Über 800 Landwirtschaftsbetriebe sind derzeit verzeichnet. Vom Schafzüchter über den Winzerbetrieb bis zur Obstbauernfamilie, überall kann mit dem Wohnmobil oder auch dem Wohnwagen gecampt, in den Betrieb hineingesehen und die lokalen Produkte probiert werden. Strom gibt es meistens, ein WC oder eine warme Dusche oft. Länger als 24 Stunden sollte ein Aufenthalt jedoch nicht dauern. Und es versteht sich von selbst, dass von den hofeigenen Produkten nicht nur probiert, sondern auch gekauft wird. Die Adressen erhält jedoch nur, wer den gedruckten Führer samt Vignette für 45 Euro kauft. Für 2021 ist dieser längst vergriffen. Die Idee eines nachhaltigen, lokalen Tourismus findet bei immer mehr Campern Anklang. In Frankreich bietet «France Passion», in Österreich «Bauernleben» und in Spanien «Espana-discovery» ein ähnliches Angebot an. Unter fefi.eu findet man eine gute Länderzusammenstellung.

Neue Anbieter buhlen um Bauern und Camper

In der Schweiz hingegen gab es ähnliche Angebote lange nur sehr vereinzelt. Die älteste ist die Vereinigung Swiss Terroir, welche aber stark auf die französische Schweiz ausgerichtet ist und etwas veraltet daherkommt. Auch auf myfarm.ch kann man schon länger Campingplätze auf Bauernhöfe rausfiltern.

Doch nun wollen gleich mehrere neue Anbieter das autarke, aber legale Campen ausserhalb von Campingplätzen vermarkten: Kontakt mit Bauern inklusive, warme Dusche hingegen nicht unbedingt.

Professionell und bedienerfreundlich kommt Place-to-bee.com daher. Erst im Februar 2021 gestartet finden sich rund 50 Weingüter, Bauernhöfe, Brennereien oder Käsereien auf der Schweizer Plattform. Allen eigen ist, dass sie einfache Stellplätze für maximal eine Nacht anbieten – kostenlos. Sichtbar sind diese Plätze jedoch nur für jene, die den Mitgliederbeitrag von 44 Franken einbezahlt haben. Man wolle Produzenten und Touristen einander näherbringen und richte sich darum speziell an «Genuss-Camper», schreiben die Betreiber.


In direkter Konkurrenz dazu steht die im Juni lancierte Website landcamp.ch. Die Idee ist die gleiche, das Konzept jedoch etwas offener. Gebucht und bezahlt wird direkt über den Bauernhof. «Meist zwischen 20 und 40 Franken, je nachdem was die Camper für eine Infrastruktur benutzen», sagt Mitbegründer Marco Schnell. Bauernfamilien würden es begrüssen, wenn sie spontan entscheiden könnten, ob Touristenbesuche gerade passen oder eben nicht. Darum müsse man sich bei Landcamp zwingend telefonisch vorher anmelden. Obwohl erst seit kurzem online, habe man bereits sehr schöne Rückmeldungen von den Bauernfamilien und den Campern.

Auf Nomady.ch lassen sich besonders abgeschiedene Plätze, nicht nur auf Bauernhöfen, dafür auch für Zelte oder in Hütten, finden. Auf Alpweiden, Biohöfen oder an Flussufern kann man sich hier niederlassen. Eine Mitgliedschaft braucht es nicht. Es kann direkt über die Website gebucht werden. Den Preis legen die Gastgeber fest (meist zwischen 30 und 50 Franken), es entfällt jedoch eine zusätzliche Buchungsgebühr.

Ein STellplatz auf Nomdy.ch: Das Käppeli ist eine ca. 200 Jahre altes Bauernhaus an der alten Sustenstrasse.

Ein STellplatz auf Nomdy.ch: Das Käppeli ist eine ca. 200 Jahre altes Bauernhaus an der alten Sustenstrasse.

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