Masken-Qualität
Streit um Labortests: Die Glaubwürdigkeit der Maskenlabels ist gefährdet

Die Labore von FHNW und SQTS kommen bei ihren Maskentest zu unterschiedlichen Resultaten. Dabei verwenden beide zugelassene Methoden. Bloss nicht die selben. Der springende Punkt ist die Grösse der Aerosole.

Sabine Kuster
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Masken für Unihokey-Schiedsrichter in Köniz. Wie viel sie taugen, darüber sind die «Maskenschiedsrichter» sprich die Prüflabore, nicht immer einig.

Masken für Unihokey-Schiedsrichter in Köniz. Wie viel sie taugen, darüber sind die «Maskenschiedsrichter» sprich die Prüflabore, nicht immer einig.

Bild: Urs Lindt/freshfocus

Das Bundesamt für Gesundheit verweist zum Testen von Stoffmasken auf seiner Website auf zwei Schweizer Testlabore: Testex und SQTS. Letzteres geriet in den Fokus, nachdem die Sendung «Kassensturz» bei der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW verschiedene Skischläuche auf die Filtereffizienz testen liess: Die drei gemäss FHNW ungenügenden Masken trugen das Prüflabel von SQTS.

SQTS beantwortete gegenüber dieser Zeitung einige der drängenden Fragen zum Messverfahren. Die Erklärungen zeigen: Die Maskentest-Zertifikate sind formal korrekt, wenn auch wie andere Zertifikate nicht sehr aufschlussreich. SQTS schreibt im Testbericht zur «Activa Winter Maske» beispielsweise, dass der Skischlauch ohne Akkreditierung getestet wurde. Dies ist korrekt, weil ihre Methode zum Testen von Community-Stoffmasken – wie auch die Methode anderer Labors – erst noch in vielen Vergleichen abgesichert werden muss. Eine Akkreditierung für Stoffmaskentests ist von der Schweizerischen Akkreditierungsstelle noch gar nicht geplant.

Aus diesem Grund schrieb SQTS bisher «angelehnt an EN 149». Dies ist die Norm für eine professionelle Schutzausrüstung, die unter strengsten Bedingungen getestet wird. Da eine Stoffmaske nicht so viel Sicherheit bieten muss wie eine FFP2-Maske, suchte die Schweizerische Normen-Vereinigung einen Kompromiss: den nun seit Ende Januar gültigen Schweizer Standard SN 30000. An der Ausarbeitung der Regel waren unter anderen die FHNW, Testex und SQTS beteiligt.

Die Messungen sind jetzt präzisiert. Neu ist beispielsweise vorgeschrieben, dass Na­triumchlorid-Partikel getrocknet werden müssen auf unter 40 Prozent relativer Feuchtigkeit, bevor damit getestet wird. Das könnte die Kontroverse beruhigen, weil die Feuchtigkeit ein heikler Punkt ist.

Wie gross sind die Aerosole am Ende wirklich?

SQTS versprühte gemäss eigenen Aussagen bisher 1 Mikrometer grosse Aerosole aus Natriumchlorid, um die Filtereffizienz der Masken zu messen. Dies bei einem Normklima von 20 °C und 65 Prozent relative Luftfeuchtigkeit im Messraum. Dieses wird regelmässig überprüft.

Partikelexperte Ernest Weingartner, der die Masken an der FHNW schon vor dem Standard 30000 mit sogenannt «trockenen» Aerosolen getestet hat, gibt zu bedenken, dass es schwierig sei, den Durchmesser der Natriumchlorid-Aerosole konstant zu halten. Er sagt: «Kleinste Änderungen in der Temperatur ändern auch den Durchmesser signifikant, weil die relative Feuchtigkeit von der Temperatur abhängig ist.» Und weil die Messgeräte in der Regel mit Lichtquellen arbeiten, erhöhen sie automatisch die Temperatur der Umgebung. «Es führt zu einer systematischen Unterschätzung des Partikeldurchmessers, wenn in feuchter Luft mit hygroskopischen Partikeln gearbeitet wird. Ich habe das in vielen Experimenten selber erfahren.»

Ob die Aerosolgrösse nach dem Testen konstant ist, wird in der Methode, welche SQTS anwendet, nicht untersucht. Die FHNW und auch das Testlabor Testex verwenden eine andere Messmethode, die ebenfalls zugelassen ist: Bei dieser werden nicht ein Mikrometer grosse Aerosole eingesetzt, sondern es wird gemessen, wie viele Aerosole welcher Grösse die Maske durchdringen konnten.

Die Messgeräte müssen nicht dieselben sein – um den Markt nicht zu beeinflussen

Nicht vereinheitlicht sind auch die Aerosolmessgeräte und Partikelgeneratoren. Dazu sagt Lea Leibundgut von der Schweizerischen Normen-Vereinigung, man wolle hier keine Vorschriften machen, da dies den freien Markt einschränken würde. «Alle müssen sonst genau ein Messgerät desselben Herstellers verwenden.»

Klarheit und Sicherheit werden deshalb nur die Ringversuche schaffen: Die Masken werden von verschiedenen Testlaboren mit ihren jeweiligen Methoden geprüft und die Ergebnisse miteinander verglichen. An solchen Ringversuchen nehmen SQTS, Testex und die FHNW teil. Denn sowohl Stoffmaskenhersteller wie Prüflabore haben ein Interesse daran, dass sich das Vertrauen der Bevölkerung in die Stoffmasken bessert. Auch Ernest Weingartner sagt:

«Es gibt sehr gute Stoffmasken, und sie liegen oft besser am Gesicht als die chirurgischen Hygienemasken.»