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«Die Bachelorette»
Zackige Dream-Dates und fleissige «Bachelorette»-Macher: Vor dem Finale werden die Gefühle mit allen Mitteln herausgeprügelt

Folge Nummer sieben: Halbfinale. Zeit für die Dream-Dates und grosse Gefühle. Jedenfalls, wenn es nach den «Bachelorette»-Machern geht. Doch die Buddies – äh, die Kandidaten Peter, Yuri, Giuliano und Heinz – haben sich viel zu gern. Also muss die Eifersucht halt mit geschickten Schnitten und dramatischer Musik herausgequetscht werden.

Nadja Zeindler
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Einen ganzen Tag allein mit der «Bachelorette» ohne störende Konkurrenz. Das gibt es kurz vor dem Finale für die vier verbleibenden Kandidaten bei den Dream-Dates. Den Start macht Küken Giuliano und Halleluja, es ist endlich mal nicht ein Champagner-Picknick oder ein abendliches Dinner bei Kerzenlicht! Stattdessen schippert er mit Yuliya auf einem Bambusfloss einen Fluss hinab.

Dabei versucht der 22-Jährige, zu beweisen, dass er absolut reif genug für die sechs Jahre ältere «Bachelorette» ist. Fast schon überreif wie eine fleckige Banane, denn mit zahlreichen One-Night-Stands habe er sich bereits ausgelebt und kann sich sogar bereits vorstellen, eine Familie zu gründen. Hui, da hat es jemand aber pressant. Auch Yuliya ist überrascht: «Echt?», fragt sie. «Ja eh, fix», meint Giuliano und lässt aber durchblicken, dass die Banane vielleicht doch noch etwas grün ist. Macht nichts, es wird trotzdem geknutscht. Häkchen drunter, Mission accomplished, Yuliya gefällt’s und beide kichern wie Teenager.

Bei Dream-Date Nummer eins wird geknutscht.

Bei Dream-Date Nummer eins wird geknutscht.

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Währenddessen vertreiben sich die anderen drei Kandidaten die Zeit mit einer Kissenschlacht und spekulieren, dass Giuliano ein Date im Sandkasten hat – weil sie ja so viel reifer sind. Doch beim Dream-Date gibt’s keinen Sandkasten. Schön wär’s, denn zu früh gefreut: Das obligatorische Champagner-Picknick muss ums Verrecken in jede einzelne Folge gedrückt werden. Dann wird wieder geknutscht. Dann gibt’s das obligatorische Dinner bei Kerzenlicht mit der obligatorischen traurigen und sehr persönlichen Geschichte, die es auszubreiten gilt. Und dann wird schon wieder geknutscht. Damit hat Giuliano seinen Kuss-Rückstand definitiv aufgeholt.

Endlich geht’s mal vorwärts und plötzlich fallen sogar die Hüllen

Weiter geht’s mit dem Dream-Date von Peter. Das startet auf einer Jacht und man wartet nur darauf, wie die Zeit bis zum Champagner-Picknick überbrückt wird. Es geht nicht lange, denn das Champagner-Picknick findet gleich auf der Jacht statt. Immerhin ist man mal effizient.

Den ersten peinlichen Spruch liefert Peter auch gleich: «Es ist sehr schwierig, durch deine Augen hindurch zu blicken.» Wie bitte? Egal, die Zeit tickt, jetzt wird geknutscht, dann gibt’s das Candle-Light-Dinner, pseudotiefgründige Gespräche – und dann geht die Post ab: Die Hüllen fallen, beide wälzen sich auf dem Bett und die «Bachelorette»-Macher klatschen subtil wie immer, einen leicht pornösen Song drüber. Dieses Tempo hätte es gerne schon in früheren Folgen geben dürfen.

Bei Dream-Date Nummer zwei geht die Post ab.

Bei Dream-Date Nummer zwei geht die Post ab.

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Aber Schnitt: Ganz ohne Bremse geht’s nicht. Wieder schalten wir zu den anderen drei Kandidaten, die über ihre Gefühle schwadronieren. Nichts gegen gefühlvolle Männer, aber nach gefühlt 57 «Bachelorette»-Folgen wirkt das immer noch, als würde ein Produktionsmitglied neben der Kamera ein riesiges, blinkendes Schild hoch halten: «Gefühle!!! Jetzt!!!»

Zur Not auch mit fiesen Hilfsmitteln: So müssen sich Heinz und Yuri ihr Dream-Date teilen. Letzterem passt es zwar nicht wirklich, dass der vermeintliche Bünzli während eines Helikopterflugs prompt zum Casanova mutiert und Yuliyas Hand hält. Aber Konkurrenzkampf sieht anders aus. Das ist mehr eine herzige Welpenrauferei – bis es dunkel wird. Nett, aber wo ist die Effizienz hin? Irgendwann schickt Yuliya Heinz zurück in die Villa und es geht wieder vorwärts. Sie knutscht mit Yuri im Pool, zügelt danach auf ein Bett – und wieder heisst es: Schnitt, nächste Szene.

Bei Dream-Date Nummer drei gibt es ein Déjà-vu: Yuri und Yuliya knutschen im Pool – wie schon bei ihrem ersten Kuss.

Bei Dream-Date Nummer drei gibt es ein Déjà-vu: Yuri und Yuliya knutschen im Pool – wie schon bei ihrem ersten Kuss.

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«Ich sage es dir ins Face. Ich glaube, ich habe mich verliebt»

Am nächsten Morgen bespricht die «Bachelorette» prompt vor versammelter Mannschaft die einzelnen Dates. Fies, aber die Macher wollen jetzt endlich mal Eifersucht von den netten Buben sehen! Ganz abgesehen davon, dass die Folge auf Biegen und Brechen noch etwas in die Länge gezogen werden muss. Darum müssen die Kandidaten vor der Nacht der Rosen noch eine Hausaufgabe machen und ihre Gefühle aufschreiben.

Dann ist es Zeit für Yuliyas Monolog, der wie immer fast komatös aus ihr heraus plätschert. Und bevor wir selbst ins Koma fallen, machen wir mal vorwärts: Giuliano rappt seine Hausaufgabe vor: «Ich sage es dir ins Face. Ich glaube, ich habe mich verliebt. Ich kann dir nicht sagen wie, aber es ist passiert.» Wie war das noch mal mit der Reife? Aber Yuliya gefällt es offenbar und das Küken ist im Finale.

Peter hat sein Gedicht in Schnüerlischrift aufgeschrieben und sich von Büchern inspirieren lassen, die natürlich ganz zufällig in der Villa herumlagen. So kommt es zu Sätzen wie: «Deine Augen leuchten wie die Sterne in Orion.» Wow, voll deep. Aber auch er bekommt eine Rose.

Was Yuri vorliest, ist fast egal, denn er ist so nervös, dass er fast vergisst, zu atmen. Entweder ist er bis über beide Ohren verliebt oder verdient für diese Darstellung einen Oscar. Heinz erzählt in seinem Brief, dass er durch Yuliya den Mut gefunden hat, vom Bünzli zum «Dirty Heinz» zu werden. Doch damit kann er nicht mithalten. Er ist raus und nimmt die Entscheidung gewohnt souverän hin. Bünzli-Heinz, du bist ein Guter.

Yuri schien nahe am Herzinfarkt, doch er ist im Finale und Heinz ist raus.

Yuri schien nahe am Herzinfarkt, doch er ist im Finale und Heinz ist raus.

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Und an dieser Stelle wagt diese zynische Autorin eine Prognose fürs Finale: Yuri gewinnt die letzte Rose. Wenn nicht, sind die Macher hoffentlich parat, um sein gebrochenes Herzchen vom Boden aufzusammeln und zusammenzuflicken.