«Auf ein Wort»-Kolumne
Früher standen überall im Dorf Standen – heute sieht man die alten ... kaum noch

In seiner aktuellen Kolumne erklärt unser Mundartexperte Niklaus Bigler, woher die unterschiedlichen Bezeichnungen für grosse Fässer stammen.

Niklaus Bigler
Niklaus Bigler
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Noch im letzten Jahrhundert wurde in der Schweiz Wäsche in Bottichen gewaschen.

Noch im letzten Jahrhundert wurde in der Schweiz Wäsche in Bottichen gewaschen.

Bild: Keystone

Auch in der Schweiz gab es einmal eine Zeit ohne Waschmaschinen, ja sogar ohne besondere Waschtröge. Alle drei Monate etwa schichtete man die ganze Wäsche in einen grossen Holzbottich, deckte sie mit einem Tuch zu und schüttete dann immer wieder heisse Lauge von Buchenasche darüber. Der Vorgang hiess seechte (in der östlichen Schweiz) oder buuche (im Westen).

Den Bottich aber nannte man an vielen Orten Stande, Wöschstande. So war es im Gebiet Aargau-Innerschweiz bis weit in die Ostschweiz. In den Kantonen Bern und Solothurn war es die Bütti, im Baselbiet die Büttene.

Die Bütti gab es als Wösch-, Buuchbütti, aber auch als Mostbütti, Fleischbütti und speziell als Salzbütti. Er het d Salzbütti bedeutete in Bern, dass ein Händler die staatliche Konzession zum Salzverkauf besass.

Im 20. Jahrhundert bezeichnet die Bütti scherzhaft (wie Bänne, Troog) ein grosses Automobil. Das Wort kommt auch im hochdeutschen Büttenpapier vor, das schöpfte man von Hand aus der Bütte, dem mit Papierbrei gefüllten Bottich.

Die Stande gehört offensichtlich zum Verb stān (stehen), denn sie ist in der Regel zu schwer zum Herumtragen, auch wenn sie auf jeder Seite eine verlängerte Daube mit einem Loch zum Hineingreifen hat. Sie stand als Most- oder Rännstande auch vor den Obstpressen, um den Saft aufzufangen, während in der Suurchabisstande das Sauerkraut aufbewahrt wurde.

Fässern und Standen, die lange leer bleiben, droht das Verläch(n)e; sie trocknen aus, rinnen und müssen wieder verschwellt werden. Auch das mühsame Reinigen hat dazu geführt, dass heute Gefässe aus Kunststoff beliebter sind als die bisherigen hölzernen.

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

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