Kinos in der Krise

«Zuhause bleiben!» versus «Unser Kino hat offen!»: Zuschauer befinden sich in einer zwiespältigen Situation – die Kinos auch

Noch offen: Zuschauer setzen sich in den Reihen des Houdini in Zürich.

Noch offen: Zuschauer setzen sich in den Reihen des Houdini in Zürich.

Das Publikum beherzigt den Rat der Behörden und bleibt zu Hause. Folgt nun das grosse Kinosterben?

Ausgerechnet in der Kulturhauptstadt führt die Pandemie dazu, dass eine Kinokette nun temporär schliessen muss. Ab nächster Woche bis Anfang Februar, mehr als zwei Monate, schliessen in Zürich das «Le Paris» am Stadelhofen und alle anderen Kinos der Stadtzürcher Gruppe Arthouse Commercio. Geschäftsleiterin Stephanie Candinas sagt auf Anfrage:

«Denn», so Candinas, «wir wissen nicht, wie lange diese Krise noch anhält.» Ein Weiterbetrieb jetzt habe wirtschaftlich keinen Sinn.

Auch die Bluecinema-Gruppe, vormals Kitag, hat ihr Saalangebot massiv zurückgefahren. In Zürich sind die Stadtkinos bis auf das «Abaton» zu. In St. Gallen verweist ein Schild am Eingang des «Scala» auf das noch offene Multiplex in Abtwil. Und in Luzern und Basel listen die Stadtkinos der Gruppe ebenfalls keine Filme.

Kaum wer besucht noch eine Kinovorstellung

Die Mainstream-Kinos werden besonders von der Krise getroffen. Blockbusters wurden abermals verschoben. Der «Tenet-Effekt» im Spätsommer, als Christopher Nolans neuer Film Tausende ins Kino lockte, ist verpufft. Mit dem raschen Anstieg der Coronakurve seit Oktober verging dem Publikum die Lust auf Kino. Etwa so, wie ein Restaurantbesuch gerade nicht hoch im Kurs liegt.

Die offizielle Doktrin zur Eindämmung des Virus heisst ja auch: Soziale Kontakte vermeiden, zu Hause bleiben! So ziemlich das Gegenteil von einem Besuch im Kino, Theater oder Restaurant. In Kantonen, wo diese noch offen sind, wird von den Menschen gleichzeitig erwartet, dass sie hingehen und den Betrieben das Überleben sichern.

Der unmögliche Zwiespalt des Kinopublikums

«Bleiben Sie zu Hause!» versus «Unser Kino hat offen!» – eine schizophrene Situation, mit der vor allem Kinobetreiberinnen in der Deutschschweiz massiv zu kämpfen haben. In der Westschweiz und in Bern sind sie auf behördliche Anordnung zu.

Die temporäre Schliessung der Zürcher Arthouse-Kinos hat auch damit zu tun, dass ihre Säle an bester Lage liegen und damit die Mietkosten hoch sind. Hinzu kommen hohe Personalkosten, weil die Kette nicht über ein Multiplexkino verfügt mit mehreren Sälen und einem Dach.

Der Fall Zürich hat Signalwirkung. Zwar halten Kinobetreiber anderswo ihre Kinos noch offen. Die Frage aber lautet: Wie lange noch?

Schliessungen von Gesetzes wegen haben auch Vorteile

Stephanie Candinas von der Arthouse-Commercio-Gruppe räumt auf Anfrage ein, ihr wäre es lieber gewesen, Zürich hätte die Schliessung der Kinos verfügt. Dann, so die Rechnung, würden höhere Staatshilfen fällig. So wie bei den Kinos im Kanton Bern. Seit Ende Oktober sind dort alle Kulturbetriebe geschlossen. Ab nächster Woche soll es Lockerungen geben. Welche, das wird am Freitag bekannt.

Die Berner Arthouse-Kinokette Quinnie jedenfalls hofft auf eine mögliche Wiedereröffnung, wie Besitzerin Edna Epelbaum sagt. Im Wissen darum, wie schwierig es aktuell ist, auch nur ein paar Nasen von einem Kinobesuch zu überzeugen.

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