Gesundheit
Der bekannte Luzerner Apotheker Christoph Bachmann hat ein Buch über heilpflanzliche Mittel geschrieben

Zuerst den Heilpflanzen eine Chance geben. Das ist die Devise von Christoph Bachmann, der jahrzehntelang die Hirschmatt-Apotheke geführt hat. In seinem neuen Buch gibt er einen nützlichen Überblick über Heilmittel, die auf Pflanzen basieren.

Arno Renggli
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Christoph Bachmann im Heilpflanzengarten des Luzerner Apothekerverbandes im Kloster Wesemlin.

Christoph Bachmann im Heilpflanzengarten des Luzerner Apothekerverbandes im Kloster Wesemlin.

Bild: Boris Bürgisser (30. Juni 2021)

Christoph Bachmann näher vorstellen zu wollen, evoziert fast zwangsläufig die Redensart «Wasser in die Reuss tragen». Zumindest in Luzern und Umgebung. Der heute 68-Jährige führte 32 Jahre die Hirschmatt-Apotheke und ist entsprechend bekannt. Erst Ende letzten Jahres zog er sich vom Beruf zurück und schloss die Apotheke.

Nun ist er im Unruhestand, um die nächste Redensart anzubringen. Dieser Tage arbeitet er zum Beispiel gerade in München. Und: Er hat eben ein Buch publiziert. «Es ist eine Art berufliches Vermächtnis», sagt er. Im Buch plädiert er dafür, wenn immer möglich pflanzliche Heilmittel einzusetzen, bevor man zu Chemie greift. Neben allgemeinen Erklärungen und Begründungen, in denen er auch auf die Jahrtausende alten Erfahrungen mit Heilpflanzen eingeht, stellt das Werk nach Gesundheitsbereichen geordnet konkrete Gewächse vor (Box).

Warum empfiehlt er Produkte und nicht einfach Pflanzen?

Nun könnte man die kritische Frage stellen, warum Christoph Bachmann nicht einfach die Pflanzen selber beschreibt und empfiehlt, sondern in erster Linie auf diesen Pflanzen basierende Produkte. Bei denen gibt es seitens Hersteller, Drogerien und Apotheken natürlich auch kommerzielle Interessen. «Es braucht viel Wissen, um die richtigen Pflanzen zu suchen und diese auch richtig einzusetzen», gibt der Doktor der Pharmazie zu bedenken. «Der Vorteil dieser Produkte ist, dass sie in der Zusammensetzung standardisiert und abgestimmt sind.»

Und zum Kommerz: «Schwabe Pharma, grösster Hersteller pflanzlicher Produkte in der Schweiz, macht einen jährlichen Umsatz von unter 1 Milliarde Franken. Ein Pharmamulti kann mit einem einzigen Medikament das Mehrfache erzielen.» Bachmann stört sich daran, dass die Krankenkassen die pflanzlichen Produkte oft nicht bezahlen. Das wiederum mache die Forschung weniger attraktiv. «90 Prozent aller Pflanzen sind noch nie auf mögliche Heilkräfte untersucht worden. Das Potenzial ist enorm.»

«Natur ist wie Dusche, Chemie wie Druckstrahl»

Doch was ist der Vorteil von pflanzlich basierten gegenüber rein chemischen Produkten? «Letztere bestehen in aller Regel aus einem einzigen Wirkstoff, während bei den pflanzlichen Produkten diverse Stoffe zusammenwirken», erklärt Bachmann. «Das erhöht die Verträglichkeit, reduziert Nebenwirkungen. Man kann es vergleichen mit einer Dusche, derweil die Chemie eher ein Hochdruckstrahl ist.»

Keinesfalls ist Bachmann prinzipiell gegen Schulmedizin und Chemie. «Es gibt Situationen, in denen nur noch Chemie helfen kann. Aber ich plädiere dafür, pflanzliche Produkte in Erwägung zu ziehen und dies auch beim Hausarzt zum Thema zu machen.» Mit seinem Buch, das punkto Informationsmenge und Übersichtlichkeit so wohldosiert wie ein gutes Heilmittel ist, bietet Christoph Bachmann die perfekte Grundlage dafür.

Das Buch: Vom Johanniskraut bis zur Pestwurz

Die Themen des Buches zeigen sofort, dass sich fast alle Leute angesprochen fühlen könnten: Bei Stress oder depressiven Zuständen etwa geht Christoph Bachmann unter anderem auf das bekannte und umstrittene Johanniskraut ein. Sehr viele Pflanzen helfen bei Atemwegsbeschwerden, für Laien hat es auch Überraschungen dabei wie Holunder oder Primel. Zu Gunsten der Verdauung wirken nicht nur Klassiker wie Kamille, sondern zum Beispiel auch Löwenzahn. Und wer schon wird nie von Blähungen geplagt. Da möchte man wissen, dass zum Beispiel Fenchel oder Anis dagegen helfen. Ein grosses Thema ist der Blutkreislauf, etwa im Kontext mit Blutdruck. Auf Basis von Weissdorn etwa gibt es gleich seitensweise Produkte. Wieso gerade ältere Herren Kürbiskerne kauen sollten, erhellt sich ebenfalls aus dem Buch. Auch zum Bewegungsapparat, zur Haut, den Augen oder dem Hals werden Produkte vorgestellt. Und wer an Heuschnupfen leidet, liest das Kapitel über Pestwurz besonders interessiert. (are)

Christoph Bachmann: Mehr Natur – weniger Chemie. Cameo, 220 S., Fr. 26.90.

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