Sexualität
Wo liegt der Unterschied zwischen einem Sexroboter und einem Dildo?

Ein Buch untersucht Sex mit Maschinen aus philosophischer und psychologischer Sicht. Es kommt zum Schluss: Die Diversität bei Liebespuppen ist mangelhaft.

Raffael Schuppisser
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Weibliche Modelle in der Überzahl: Sexroboter Harmony.

Weibliche Modelle in der Überzahl: Sexroboter Harmony.

Getty

Kein Thema ist zu abstrus, um es wissenschaftlich zu untersuchen. Jüngst erschienen im renommierten Springer-Verlag: «Maschinenliebe. Liebespuppen und Sexroboter aus technischer, psychologischer und philoso­phischer Perspektive», eine Sammlung mit 16 Aufsätzen, zusammengestellt von Oliver Bendel, Maschinenethiker und Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Der Einstieg ist, wie bei solchen Handbüchern üblich, trocken gehalten. Am Anfang stehen Grundbegriffe und Abgrenzungen. «Sexroboter», so lernt der Leser, ­«können als Serviceroboter und als soziale Roboter verstanden werden, mit der einen oder anderen Besonderheit.»

Spannender wird es, wenn es um das Thema unserer Zeit geht: die Diversität. Es erstaunt nicht, dass darauf bei Sexrobotern zu wenig geachtet wird; weibliche Modelle sind klar in der Überzahl. Immerhin:

Es haben fast alle Anbieter Transgender-Add-ons im Sortiment, um eine weibliche Puppe in eine transweibliche Puppe umzuwandeln.

Allerdings fänden sich nur bei fünf von zehn Herstellern männliche Liebespuppen im Portfolio, wobei sich die Auswahl auf maximal drei Modelle beschränke.

Besonders gefragt im Rpboter-Bordell: Comicfiguren mit blauem Haar

Gerade umgekehrt ist es übrigens bei den Forschenden: Die Mehrzahl der Beiträge wurde von Frauen verfasst. «Obwohl bei den Produzenten mehr Männer angestellt sind, forschen mehr Frauen in diesem Bereich», heisst es in der Einleitung. Auch das erste Bordell mit Liebespuppen wird von einer Frau geführt. In ihrem Beitrag erklärt sie, dass Anime-Figuren mit blauem Haar, die aussehen, als seien sie einem Comic entsprungen, sich besonderer Beliebtheit erfreuen. Es sei halt etwas, das unter menschlichen Sexarbeiterinnen eher selten zu finden sei.

Das Buch thematisiert auch die ethischen Fragen, die sich bei der Benutzung von Sexrobotern ergeben. Ist es weniger schlimm, wenn man seinen Partner mit einem Roboter als mit einem Menschen betrügt? Und wo liegt der Unterschied zwischen einem Sexroboter und einem Dildo?

Maschinenliebe von Oliver Bendel (Hrsg.). Springer, 301 Seiten.

Maschinenliebe von Oliver Bendel (Hrsg.). Springer, 301 Seiten.

Zur Verfügung gestellt

Auch knifflig: Sind Sexroboter für die Prostitution Fluch oder Segen? Einerseits wäre es schön, wenn die Roboter die Arbeit machen und sich keine Frauen mehr prostituieren müssten. Andererseits kann man beklagen, dass Roboter den Frauen ihre Jobs wegnehmen.

Eine abschliessende Antwort gibt der Beitrag nicht. Klar Stellung nimmt in einem Interview im Buch aber eine Prostituierte: «Eine ernsthafte Konkurrenz zu menschlichen Sexarbeiterinnen sehe ich nicht.»