Andreas Schaerer ist enttäuscht: Am 31. Mai hätten dem Jazzsänger gleich zwei ECHO Jazz verliehen werden sollen. Nach dem Skandal um die Preisvergabe an die Rapper Kollegah und Farid Bang war für den ECHO Jazz 2018 zunächst eine kleine Feier in Hamburg geplant, wo Schaerer mit seiner Band auch aufgetreten wäre. Doch jetzt ist die Verleihung ersatzlos gestrichen worden. «Angesichts der bevorstehenden Neupositionierung der deutschen Musikpreise ist es konsequent, die diesjährige Verleihung ausfallen zu lassen und sich auf einen positiven Neubeginn der Musikpreise zu konzentrieren», heisst es bei der Deutschen Phono-Akademie, die die Preise vergibt.

ECHO Jazz ist anders
Schaerer hat im März, also noch vor dem Eklat, erfahren, dass er die deutschen Musikpreise in der Kategorie des besten «Internationalen Ensembles» (mit Emile Parisien, Michael Wollny und Vincent Peirani) sowie in der Kategorie des besten «Internationalen Large Ensembles» (mit «Hildegard lernt fliegen» und dem Lucerne Festival Academy Orchestra) gewinnen würde. Er wurde um Stillschweigen gebeten. Doch jetzt wird er um die Früchte seiner herausragenden künstlerischen Arbeit gebracht. Das ist umso bedauerlicher, als der ECHO Jazz ein Musikpreis war, der nach anderen Regeln als der ECHO Pop funktionierte. Wie der ECHO Klassik war der ECHO Jazz eine eigenständige Preisvergabe mit einer reinen Jury-Entscheidung. Ermittelt wurden die Preisträger nicht nach den Verkaufszahlen, es ging nur um die Qualität der Musik.
Auf Wunsch werden den vorgesehenen Preisträgern ihre Auszeichnungen zugeschickt. Doch das ist nur ein kleiner Trost, denn die Gewinner werden nur sehr defensiv kommuniziert, praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
«Idealerweise hätte man die Preisverleihung nutzen sollen, um einen Neuanfang zu zelebrieren», sagt Schaerer, «natürlich hätte ich mich gefreut, die Preise in Hamburg persönlich entgegenzunehmen. Es ist aber verständlich, dass die ‹Marke› ECHO nach all dem, was passierte, eine Überarbeitung braucht. Die Zeit, um diesen ‹neuen Preis› bis zum Datum des Echo-Jazz zu lancieren, war leider zu knapp». Beim ausgezeichneten Quartett arbeitet Schaerer mit Musikern aus drei Nationen zusammen, beim Projekt «The Big Wig», vereinen sich im Orchester 26 unterschiedliche Nationen mit völlig unterschiedlichen musikalischen Backgrounds. «Daraus hätte man eine Haltung ableiten und demonstrieren können: Jazz hat eine integrierende Wirkung, leistet ein Beitrag zur völkerübergreifenden Verständigung und bringt Nationen zusammen. Der Jazz hätte Rückenwind dieser Art gut brauchen können», findet Schaerer.

Erfolgreiche Schweizer Jazzer
Andreas Schaerer hat schon 2015 einen ECHO Jazz gewonnen. Damals setzte er sich in der Kategorie der besten «internationalen Sänger» durch. In den letzten Jahren wurden beim ECHO Jazz immer wieder Schweizer Jazzmusiker ausgezeichnet. 2011 siegte der Pianist Stefan Rusconi in der Kategorie «Instrumentalist National» und zwei Jahre später wurde seine Band «Live-Act des Jahres». 2012 wurde die Sängerin Jasmin Tabatabai für ihre Rolle in der Band des Basler Musikers David Klein geehrt und 2017 wurde Lucia Cadotsch zur besten «Sängerin National» gewählt.